openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Hormone entscheiden über Partnerschaft von Pflanzen mit Pilzen

07.03.2025 • 10:03 Uhr • Wissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Hormone entscheiden über Partnerschaft von Pflanzen mit Pilzen

(openPR) Ein eingespieltes Team

Direkt unter unseren Füßen, verborgen unter der Erde, existiert ein komplexes Beziehungsgeflecht: Fast alle Pflanzen leben in enger Symbiose mit Pilzen. Diese Pilze bilden keine klassischen Fruchtkörper, die wir aus Wäldern kennen und in einigen Fällen gerne essen. Sie bilden ein weitverzweigtes Netz aus feinen Fäden, auch Hyphen genannt, die den Boden durchziehen. In nur einem Kubikzentimeter Erde können die Hyphen der Pilze eine Länge von etwa 100 Metern erreichen. Während viele Pilze totes Material im Boden abbauen, gibt es spezialisierte Arten, die eng mit Pflanzen zusammenleben und auf Fotosynthese-Produkte der lebendigen Pflanzen angewiesen sind. Im Gegenzug versorgen sie Pflanzen mit Wasser und mineralischen Nährstoffen. Dieses Austauschsystem existiert bereits seit Hunderten Millionen Jahren und ist für viele Landpflanzen essenziell.

Ein Pflanzenhormon unterdrückt, ein anderes fördert die Symbiose

Die sogenannte arbuskuläre Mykorrhiza ist eine besonders enge Symbioseform, bei der die Pflanze den Hyphen des Pilzes freien Zutritt in ihre Wurzeln und sogar ihre Zellen gewährt. Sie hat sich im Laufe der Evolution zu einer der intimsten Interaktionen zwischen Lebewesen entwickelt. Die enge Partnerschaft von Pflanzen und Pilzen, bei der Wasser und Nährstoffe ausgetauscht werden, ist in ihrem genetischen Code bereits vorprogrammiert. Doch unter bestimmten Bedingungen lehnen Pflanzen die Symbiose mit Pilzen ab.
Prof. Caroline Gutjahr und ihr Team vom Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam untersuchen, was genau in den Wurzeln einer Pflanze geschieht, wenn sie die Symbiose zu einem Pilz eingeht oder ablehnt. Ihre Erkenntnis: Auch bei Pflanzen spielen Hormone eine wichtige Rolle für das Eingehen einer Partnerschaft. "Seit etwa 40 Jahren wissen wir, dass das gasförmige Pflanzenhormon Ethylen, welches bei Stress wie zum Beispiel Überflutung von Pflanzen gebildet wird, die Symbiose zwischen Pflanzen und Pilzen hemmt“, erklärt Gutjahr. "Nun lernten wir, welche Prozesse dabei in den Pflanzen ablaufen und wie verschiedene Pflanzenhormone zusammenspielen. Endlich wissen wir, was passiert, wenn sich Pflanzen für oder durch Ethylenbildung gegen diese Partnerschaft entscheiden.“

Experimente der beiden Erstautoren Debatosh Das und Kartikye Varshney zeigten, dass Ethylen entgegen der gängigen Vermutung keine Abwehr durch das pflanzliche Immunsystem gegen den Pilz auslöst. Stattdessen kurbelt das Pflanzenhormon die Ansammlung eines zentralen Steuerungsproteins, genannt SMAX1, an. Dieses ist in der Lage, eine Reihe von Pflanzengenen zu unterdrücken, die für die Ausbildung der Symbiose zuständig sind. Bei unpassenden Umweltbedingungen produziert die Pflanze also ein Hormon, das ihre Symbiosegene hemmt. Die Ausbildung der Symbiose wird verringert oder nicht mehr zugelassen. Ändern sich die Bedingungen, gewinnen andere Hormone die Oberhand über das Steuerungsprotein, leiten seinen Abbau ein und schalten damit die Symbiosegene wieder ein. Die Pflanze ist offen für die Partnerschaft.

In Kollaboration mit dem Team von David C. Nelson an der UC Riverside in Kalifornien konnten die Autoren auch zeigen, dass Ethylen die Ansammlung von SMAX1 auch in Pflanzen fördert, welche die Fähigkeit zur Symbiose mit Pilzen verloren haben. Die Bedeutung dieser Entdeckung reicht also über die Pflanze-Pilz-Symbiose hinaus. Es wird spannend, in der Zukunft die Rolle dieses Phänomens außerhalb der Symbiose zu erforschen.

Ein Verständnis dafür, wie Pflanzen die Symbiose zu Pilzen unter Stressbedingungen regulieren, könnte Informationen darüber liefern, wie gezielt Nutzpflanzen gezüchtet werden können, die auch unter veränderten Stress- oder Klimabedingungen vorteilhafte Partnerschaften mit Pilzen eingehen. Dieses Wissen könnte in Zukunft beispielsweise dabei helfen, Pflanzen auch unter neuen klimatischen Bedingungen mit ausreichend Wasser und Nährstoffen zu versorgen und Ernten zu sichern.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Caroline Gutjahr
Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie
Tel. +49 331 567 8202
E-Mail

Originalpublikation:
Debatosh Das, Kartikye Varshney, Satoshi Ogawa, Salar Torabi, Regine Hüttl, David C. Nelson & Caroline Gutjahr
Ethylene promotes SMAX1 accumulation to inhibit arbuscular mycorrhiza symbiosis
Nature Communications, 27. Februar 2025,
doi: https://doi.org/10.1038/s41467-025-57222-w

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1278890
 640

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Hormone entscheiden über Partnerschaft von Pflanzen mit Pilzen“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: Uni Kiel setzt ihren Entwicklungsweg nach Exzellenzbewerbung fort
Uni Kiel setzt ihren Entwicklungsweg nach Exzellenzbewerbung fort
Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) erhält nicht den Status einer Exzellenzuniversität. „Natürlich hätten wir uns ein anderes Ergebnis gewünscht“, sagt Vizepräsident Prof. Dr. Eckhard Quandt. „Aber wir haben die Bewerbung von Anfang an auch als Chance verstanden, unsere strategische Entwicklung als Universität voranzutreiben. Vieles, was in diesem Prozess entstanden oder bereits angestoßen worden ist, bleibt für die CAU richtig und von Bedeutung.“ Vizepräsidentin Prof. Dr. Catherine Cleophas dankt den Wissenschaftler*innen, den…
Bild: Universitäten Bremen und Oldenburg bauen Northwest Alliance auch ohne Exzellenzstatus aus
Universitäten Bremen und Oldenburg bauen Northwest Alliance auch ohne Exzellenzstatus aus
Neben der Northwest Alliance hatten drei weitere Verbünde sowie sieben Hochschulen ihre Bewerbung für die insgesamt fünf Neuförderungen eingereicht. Die Universitäten Bremen und Oldenburg werden ihre Kooperation zur Stärkung der Nordwestregion als Wissenschaftsraum fortführen und weiterentwickeln – gemeinsam mit ihrer wichtigsten Partnerin, der Rijksuniversiteit Groningen. Der Bewerbung als Exzellenzverbund vorausgegangen war ein herausragender Erfolg in der Geschichte der beiden Universitäten Bremen und Oldenburg: Im Frühjahr 2025 erhielten…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Neu: 3teiliges Kombipaket um das Immunsystem zu stärken – gegen CoronavirusBild: Neu: 3teiliges Kombipaket um das Immunsystem zu stärken – gegen Coronavirus
Neu: 3teiliges Kombipaket um das Immunsystem zu stärken – gegen Coronavirus
… mentale Tipps In diesem Teil erfahren die Leser die Hausmittel und Naturrezepte, die vor der Haustür, sogar jetzt im März, genutzt werden. Es sind heimische Pflanzen, die unsere Immunabwehr unterstützen. Dazu gehört u.a. die Brennessel, der Löwenzahn, der Giersch, Bärlauch und die Vogelmiere. Man kann sie verwenden, im Smoothie oder kleingeschnitten …
Hormonspezialistin arbeitet mit Naturgartengestalter auf der Schweizer Gartenmesse GIARDINA zusammen
Hormonspezialistin arbeitet mit Naturgartengestalter auf der Schweizer Gartenmesse GIARDINA zusammen
Showgarten "Wasserzauber" integriert Pflanzen mit verborgenen Schätzen für den Menschen Bis anhin spielten Ästhetik und Standort die wichtigsten Rollen bei der Gartengestaltung. Das Besondere am Garten "Wasserzauber" ist, dass dieser zudem auf diverse Bedürfnisse von Menschen ausgerichtet ist und dadurch zu deren Glück beiträgt. Peter RICHARD gestaltete …
Bild: Ausstellung - Entdecke die Welt der PilzeBild: Ausstellung - Entdecke die Welt der Pilze
Ausstellung - Entdecke die Welt der Pilze
… jeweils von 9-18Uhr gibt es dabei über 200 Pilzarten live zu sehen. Eingebettet in ihr natürliches Umfeld, zusammen mit den dazugehörenden Bäumen und übrigen Pflanzen. Mehrere Pilzsachverständige und -berater werden dabei vor Ort sein um den Besuchern alle Fragen zu beantworten. Nutzen Sie die kostenlosen Pilzberatungen während der Frischpilzausstellung …
Bild: Neues, kostenloses E-Book für Frauen in den WechseljahrenBild: Neues, kostenloses E-Book für Frauen in den Wechseljahren
Neues, kostenloses E-Book für Frauen in den Wechseljahren
Wie Frauen mit Pflanzen die "7 Zwerginnen der Wechseljahre" verjagen. Christine Rosa THANNER veröffentlichte das erste E-Book einer losen Folge von E-Books zum Thema Pflanzen, Wechseljahre von Frauen und Hormone. In diesen E-Books werden Pflanzen vorgestellt, die Frauen insbesondere während der Wechseljahre unterstützen. Für das erste E-Book wählte THANNER …
Bild: Alarmierend: 18 von 100 Schweizern haben psychische ProblemeBild: Alarmierend: 18 von 100 Schweizern haben psychische Probleme
Alarmierend: 18 von 100 Schweizern haben psychische Probleme
… Antidepressiva, Beruhigungs-und Schlafmittel oder Aufputschmittel ist die falsche Reaktion. Eine Optimierung der Hormonwerte durch natürliche Hormonmethoden wie passende Nahrung, Pflanzen und bioidentische Hormone ist der nachhaltigere Weg, sonst bleibt die Haupt-Ursache von seelischen Problemen unbehandelt. Die häufigsten Hormondysbalancen in Verbindung …
Bild: Tote Bäume haben zahlreiche und treue Begleiter
Tote Bäume haben zahlreiche und treue Begleiter
… werden bislang wenig erforscht. Dabei sind sie für die Ökologie in Wäldern sehr wichtig, weil sie Totholz zersetzen und somit den kompletten Stoffkreislauf zwischen Pflanzen und Boden ermöglichen. Bodenbiologen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) haben nun herausgefunden, dass die Artenzahl von Pilzen im Totholz um das Zwölffache höher ist …
Bild: Alarmierend: 18 von 100 Schweizern haben psychische ProblemeBild: Alarmierend: 18 von 100 Schweizern haben psychische Probleme
Alarmierend: 18 von 100 Schweizern haben psychische Probleme
… Antidepressiva, Beruhigungs-und Schlafmittel oder Aufputschmittel ist die falsche Reaktion. Eine Optimierung der Hormonwerte durch natürliche Hormonmethoden wie passende Nahrung, Pflanzen und bioidentische Hormone ist der nachhaltigere Weg, sonst bleibt die Haupt-Ursache von seelischen Problemen unbehandelt. Die häufigsten Hormondysbalancen in Verbindung …
Bild: Uralte Symbiose zwischen Pflanzen und Pilzen: Wichtige Hinweise für nachhaltige Landwirtschaft
Uralte Symbiose zwischen Pflanzen und Pilzen: Wichtige Hinweise für nachhaltige Landwirtschaft
Fast alle Pflanzen leben in einer engen Gemeinschaft mit sogenannten Mykorrhiza-Pilzen – eine wichtige Symbiose, um essenzielle Nährstoffe aufzunehmen. In ihrer neuen Studie hat ein Team rund um die Ökologin Christina Kaiser vom Zentrum für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft (CeMESS) von der Universität Wien nun herausgefunden, dass diese Mykorrhizasymbiose …
Sie lesen gerade: Hormone entscheiden über Partnerschaft von Pflanzen mit Pilzen