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Waschbären reduzieren durch biologisches Management statt Jagd

Bild: Waschbären reduzieren durch biologisches Management statt Jagd
Kastration bei einem Waschbären (© Hauptsache Waschbär, Dr. Mathilde Laininger)
Kastration bei einem Waschbären (© Hauptsache Waschbär, Dr. Mathilde Laininger)

(openPR) Zum Eindämmen der Waschbärpopulation plant der Hessische Jagdminister Ingmar Jung die Tiere stärker zu bejagen. Biologen und viele Jäger sind sich darüber einig, dass dies das Problem weiter verstärken wird. Eine regionale und biologische Bestandskontrolle kann Waschbären reduzieren.

Frankfurt, 10.02.2025; Waschbären breiten sich immer mehr aus, obwohl die Jagdstrecken auf die Kleinbären Jahr für Jahr steigen. Jetzt plant das hessische Umweltministerium eine ganzjährige Bejagung der Tiere, um so die Waschbärpopulation zu reduzieren. Allerdings wird eine Bejagung, besonders der Abschuss der gebärenden und führenden Leit-Fähen, die Geburtenrate explodieren lassen.

„Biologen und viele Jäger sind sich darüber einig, dass eine einseitige Bejagung der Waschbären nichts bringt. Im Gegenteil: Um die Tierzahl wirksam zu regulieren, sind biologische Kontrollmaßnahmen wie Sterilisation und Kastration erforderlich, inkl. einer Wiedereingliederung in die Gruppe“, so Nannette Welk, Tierärztin und Leiterin der „Fachgruppe Waschbären“ beim Bundesverband der Wildtierhilfen.

Rüden, die sterilisiert wurden, können sich nicht mehr fortpflanzen, verbleiben jedoch in ihrem Habitat und verhindern die Einwanderung neuer Waschbären. In weiblichen Gruppen führt eine Leit-Fähe die Nachzucht; wird dieses Tier entfernt, können alle Weibchen auf Partnersuche gehen – ein Muster, das auch von Wildschweinen bekannt ist.

„Wer das ranghöchste Weibchen in seinem Revier abschießt, wird statt 3–5 Waschbären 20–30 Waschbären nachproduzieren. Die Population explodiert“, so Nannette Welk weiter. „Wird aber die Leit-Fähe kastriert, wird sie trotzdem ihren Rang behalten und die Weibchen in ihrer Gruppe keine Nachkommen zeugen. Je mehr Tiere in einer Region behandelt werden, desto weniger Waschbären wird es dort geben“.

Kostenfreie Umsetzung

Dass die ursprünglich aus Nordamerika stammenden Kleinbären aus Deutschland nicht mehr entfernt werden können, ist unbestritten. Daher gilt es, Maßnahmen zu ergreifen, die seit 10 Jahren von der EU erlaubt sind und in anderen Ländern bei invasiven Arten bereits erfolgreich umgesetzt werden. Was kostspielig erscheinen mag, ist es im ersten Schritt für das Land Hessen nicht.

„Wir können dem hessischen Jagdminister die ersten Kastrationsprojekte für die kommenden drei Jahre kostenfrei zusagen. Denn der Druck auf die Wildtierstationen, hilfsbedürftige Jungtiere aufzunehmen, steigt von Jahr zu Jahr. Da aufgenommene Waschbären nach der aktuellen Gesetzeslage nicht mehr in die Freiheit entlassen werden dürfen, werden sie zu Dauergästen. Das ist wesentlich teurer als einen Waschbären zu kastrieren. Daher stehen die hessischen Auffangstationen, fachkundige Tierärzte, Jäger und weitere Freiwillige bereit, endlich erfolgreiche Managementprojekte zu starten. Im Sinne des Tierschutzgesetzes, des Artenschutzes und auch zur Entlastung vieler Hausbesitzer, die zuweilen Schäden im vierstelligen Bereich beklagen“, so Vera Heck, Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Wildtierhilfen.

Vera Heck weiter: „Hessen war mit einem Erlass, der Managementmaßnahmen ermöglichen sollte, auf einem guten Weg. Warum er von dem CDU geführten Ministerium kurz vor Weihnachten stillschweigend und ohne Begründung einkassiert wurde, ist uns völlig schleierhaft. Wir haben die jagdpolitischen Sprecher der Parteien im Januar angeschrieben und hoffen noch auf eine Antwort. Sowohl zu unserem Angebot der biologischen Bestandskontrolle, als auch zur Information, warum man wieder zwei Schritte rückwärtsgehen möchte, was die Eindämmung der invasiven Arten angeht.“

Hintergrund

Der Waschbär wurde bis zum Jahr 2015 in Deutschland im Bundesnaturschutzgesetz als heimische Art, der ein besonderer Schutz gebührt, geführt. Im Jahr 2015 klassifizierte die Europäische Union diese ursprünglich aus den USA stammende Tierart jedoch als invasive Spezies ein, und dies aus nicht hinreichend nachvollziehbaren Gründen. Invasive Arten unterliegen strengeren gesetzlichen Regelungen, der EU-Verordnung 1143/2014 („IAS-VO“), um eine Ausbreitung zu verhindern. Das ist grundsätzlich richtig, doch führt dies bei bereits etablierten Arten wie Waschbär oder der Nutria zu praktischen und tierschutzrechtlichen Problemen. Diese Tiere, die seit mehr als 100 Jahren in unserer Natur heimisch sind, können, wie alle Fachleute übereinstimmend bestätigen, nicht mehr vollständig eradiziert werden und haben in vielen Regionen Deutschlands längst einen weiten Lebensraum eingenommen. Verletzte oder verwaiste Waschbären, welche von Privatpersonen sowie Jägern aufgefunden und in Wildtierstationen gebracht werden, dürfen nicht mehr in die Natur entlassen werden. Als Alternative wird von den Veterinären die Tötung der Tiere erwartet, oder der zuständige Jäger erlegt das Tier „vor Ort“. Waschbären werden traditionell intensiv bejagt. Doch selbst die kontinuierlich steigenden Jagdquoten können die Ausbreitung des Waschbären, der in Dörfern, Städten und ländlichen Gebieten reichlich Nahrung findet, nicht aufhalten. Im Gegenteil.

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