(openPR) „Schlaf nicht gut, träume schlecht“
Jenny Satorius erzählt die Geschichte des sexuellen Missbrauchs eines afrodeutschen Mädchens durch den übermächtigen SED-Vater
Die Geschichte der DDR ist auserzählt. Bis gestern. In „Schlaf nicht gut, träume schlecht“ erzählt die afrodeutsche TV-Journalistin Jenny Satorius ihre Kindheit. Es ist ein Einblick in den Alltag des Missbrauchs in der DDR. Sie ist ein Kind, der Stiefvater der örtliche Chef der Kriminalpolizei in seinem Bezirk. Tagsüber verhaftet er Sexualstraftäter. Wenn es dunkel wird, ist er selber einer. Doch es gibt eine Mitwisserin: ihre eigene Mutter – sie schweigt und duldet den Missbrauch. Für Jenny ist Überleben kein Ausweg, sondern eine Notwendigkeit. Sie will ihre Geschichte eines Tages hinter sich lassen. Jetzt erscheint ihr Buch.
Eine Biografie wie keine zweite
Von den Schatten der Vergangenheit dominiert werden oder aber die Freiheit suchen, die jedes Leben für eigene Entscheidungen lässt? Für die spätere TV-Autorin Jenny Satorius wird das eigene Leben zum Labyrinth und zur Befreiung gleichermaßen. Als Kind einer Deutschen und eines Nigerianers in der DDR geboren, erlebt sie von Anfang an mehrfach das Etikett der Andersartigkeit. Die Mutter impft der Tochter ein: „Du wirst nur geliebt, wenn Du besser bist als andere“. Da ist die Großmutter, die ihr Wärme gibt, aber auch Bodenständigkeit und Pragmatismus vermittelt.
Doch als Jenny neun ist, heiratet ihre Mutter. Der übermächtige Stiefvater, der schon in jungen Jahren als Kriminalbeamter eine enorme Karriere macht, ist der neue Beschützer. Jenny wird älter. Aus dem Beschützer wird einer, vor dem sie verzweifelt Schutz sucht: Fünf Jahre lang missbraucht er sie – mit Wissen ihrer eigenen Mutter. Jenny kann mit niemandem darüber sprechen. Schuldgefühle und Selbstmordgedanken quälen sie über viele Jahre - und gleichzeitig die eine Frage: (Wie) kann ich das alles überleben?
Halt findet Jenny nur in der Musik. Die Popsongs der 1970er Jahre, mit deren Textzitaten mehrere Kapitel des Buches eingeleitet werden, helfen ihr zu überleben. Schließlich geht sie ihren eigenen Weg: Sie verlässt ihr Elternhaus, beginnt zu schreiben, gründet eine Familie, doch kehren die Schatten immer wieder. Ihr Ausweg ist dramatisch und stellt alles auf den Kopf. Mit nicht einmal fünfzig Jahren stirbt ihr Stiefvater an Krebs. Auf dem Totenbett sagt er: „Ich habe es wohl verdient.“ Jahre später bekommt ihre Mutter eine frontotemporale Demenz. Dieser Sterbeprozess, der sich über fast acht Jahre hinzieht, ist auch eine Konfrontation mit Jennys Vergangenheit. Vor ihr liegt jetzt nicht mehr die gespenstische Mutter, sondern ein bemitleidenswerter Pflegefall.
Doch fast bis zuletzt beherrscht ihre Mutter die digitale Kommunikation. Über WhatsApp schreibt sie ihr bitterböse Nachrichten, meistens nachts, wenn sie wach in ihrem Bett im Pflegeheim liegt. Dann überkommt sie ein letztes Mal der große Hass gegen ihre Tochter. Fast bis zuletzt sind ihre SMS-Nachrichten fehlerfrei, sollte sich dennoch mal ein Fehler einschleichen, wird er sofort korrigiert. Selbst in diesen Tobsuchtsanfällen bleibt sie korrekt und schreibt ihr eines Nachts: „Schlaf nicht gut, träume schlecht“. Mit dem allmählichen Verglimmen des Verstandes der Mutter wachsen auch Jennys Selbstheilungskräfte.
Mehr als nur eine Lebensgeschichte – auch Mutmacher und Ratgeber
„Schlaf nicht gut, träume schlecht“ ist weit mehr als ein rein autobiografischer Text. So, wie Jenny Satorius ihre Geschichte über ihr Buch mitteilt, kann aus dieser Biographie bei aller Dramatik auch eine große Erkenntnis gezogen werden: Leiden kann und darf enden. Es muss kein lebenslanges Trauma sein. Die Frage ist vielmehr: Wie geht man damit um? Darum ist dieses Buch auch ein Ratgeber für all jene, die sich bisher nicht offenbart haben und unter ihrem Missbrauch versteckt leiden. Aufgrund seiner hervorragenden, verführenden Lesbarkeit, aber auch intelligenter, dabei nicht sensationslüsterner Mitteilsamkeit, seiner mitreißenden, bildreichen Sprache ist es auch ein Buch für Nichtleser.
Die Autorin hinter dem Pseudonym
Jenny Satorius ist ein Pseudonym, hinter dem sich eine TV-Autorin verbirgt, die hier erstmals die Geschichte ihrer Kindheit und Jugend erzählt. Als schwarze Deutsche war sie im wahrsten Sinne des Wortes eine Angesehene. Das galt auch für ihren Stiefvater, der erst die Blicke nicht von ihr lassen konnte und sie dann über Jahre missbrauchte. Heute ist der Täter längst tot und wurde nie zur Rechenschaft gezogen. Mehrere Mitglieder ihrer Familie befinden sich heute in Psychotherapie. Auch darum muss die Anonymität der Autorin streng gewahrt bleiben.











