(openPR) Moralische Standards werden zunehmend verletzt. Mit großer Sorge erlebt der EVW die aktuellen Skandale in der Wirtschaft, jetzt aktuell bei der Siemens AG. Korruption, Bestechung von Betriebsräten und unmoralisches Handeln greifen immer mehr um sich. Es fällt zunehmend schwerer, von Einzelfällen zu sprechen. Das Vertrauen in die Gesamtwirtschaft nimmt ab. Die Vorbildfunktion und Glaubwürdigkeit der Topmanager gerät unter Druck.
Nur fachliche Qualifikation reicht nicht.
Manager werden überwiegend nach fachlicher Qualifikation ausgesucht. Der EVW fordert hier ein Umdenken. Neben der fachlichen Qualifikation ist unbedingt die soziale und ethische Qualifikation zu prüfen. Soziale Qualifikation meint, ein Vertrauensklima herstellen zu können. Ethische Qualifikation bedeutet, in der Lage zu sein, ein Wertesystem zu implementieren, das nicht nur auf Hochglanzbroschüren gedruckt wird, sondern vorgelebt wird.
Der EVW fordert die Überprüfung ethischer Normen auf ihre Praxistauglichkeit hin. Der Siemens AG ist das Fehlen ethischer Kodizes nicht vorzuwerfen. Was zunehmend Sorge bereitet, ist die Tatsache, dass die ethischen Normen offensichtlich bis in die Vorstandsetage hinein nicht gelebt werden. Der aktuelle Fall zeigt, dass die hoch gelobten Führungsgrundsätze, der Corporate Governance Kodex und Ethik Kodizes des Unternehmens das Papier nicht wert sind, auf das sie gedruckt wurden. Die ethische Selbstverpflichtung der Unternehmen greift nicht. Erst wenn juristische Schritte eingeleitet werden, findet eine intensive Auseinandersetzung mit ethisch verwerflichen Vorkommnissen statt. Nun ist nicht jede ethische Frage gleichzeitig eine juristische Frage. Für die Unternehmen steht mehr als nur eine juristische Verurteilung auf dem Spiel. Imageschäden sind oft langfristig teurer als juristische Sanktionen.
Der EVW fordert den Ethikbeauftragten
Menschen machen Fehler, und je nach Position sind diese Fehler anders. Der EVW fragt sich, welche Möglichkeiten Unternehmen haben, die Selbstverpflichtung der Ethik Kodizes auch trotz aller persönlichen Interessen tatsächlich einzuhalten. Es besteht sicher die Gefahr, dass irgendwann der Gesetzgeber Ethik Kodizes juristisch verpflichtend erklärt. Wenn deutsche Unternehmer und Unternehmen dies verhindern wollen, dann haben sie nur eine Möglichkeit: sie sollten überprüfen, ob ihre ethischen Standards auch eingehalten werden. Dazu ist ein Ethikbeauftragter erforderlich und eine neutrale Überprüfung der ethischen Regeln auf ihre Praxistauglichkeit hin.
Großunternehmen wie die Siemens AG haben eine Vorbildfunktion. Dazu reicht es nicht, Managergehälter zu veröffentlichen oder den Umgang mit Aktionären zu regeln. Es müssen ethische Standards aus den Unternehmen selbst heraus entwickelt werden. Es muss innerhalb der Unternehmen eine Vorstandszuständigkeit für Ethik geben und es müssen diese Standards implementiert und vorgelebt werden. Der EVW fordert hier mehr Engagement und Konsequenz im Umgang mit ethischen Standards auch und gerade von Vorzeigeunternehmen wie der Siemens AG
Alle sind aufgerufen.
Alle UnternehmerInnen, ManagerInnen sind dringend aufgerufen, so bald als möglich das Vertrauen in wirtschaftliches Handeln gemeinsam wieder herzustellen. Noch ist der Ruf von nur einzelnen Unternehmen und Managern beschädigt. Es wäre jetzt unbedingt an der Zeit, dafür Sorge zu tragen, dass es bei diesen einzelnen Verfehlungen bleibt.
Ulf D. Posé
(Präsident)




