(openPR) Einen bisher nicht erreichten Gesamtumsatz von über 2.8 Mio Euro erreichte das Auktionshaus Siebers in Stuttgart bei seinen beiden Auktionen 77 und 77M Ende März am Firmensitz in der Alten Gipsfabrik im Stuttgarter Stadteil Bad Cannstatt.
Zum Aufruf kamen insgesamt über 300 Gemälde aus einer bedeutenden Sammlung polnischer Maler der sogenannten „Münchner Schule“, die unter zum Teil fast schon filmreifen Umständen den Weg zu Auktionator Yves Siebers fanden. Das Stuttgarter Auktionshaus konnte sich hier gegen bedeutende internationale Auktionshäuser aus London, Wien und München durchsetzen und legte so nach längerer Vorarbeit den Grundstock für seine bisher erfolgreichste und wohl auch bedeutendste Auktion seit Firmengründung im Jahre 2002.
Die Sammlung entstammte einer schwäbischen Unternehmerfamilie aus der Reutlinger Gegend, die im 18. Jahrhundert nach Polen auswan-derte und dort Anfang des 20. Jahrhunderts mit über 6.000 Mitarbei-tern den größten Arbeitgeber in der Region Lodz stellte. In den Kriegswirren kehrte die Familie wieder nach Deutschland zurück, zahlreiche unbezahlbare Kunstschätze und nahezu das ganze Inventar verpackt in einem Güterzug, der auf dem Wege teilweise geplündert wurde. Hier verschwand unter anderem ein Gemälde von Rembrandt van Rijn, das bis dato nicht wieder aufgetaucht ist.
Der überwiegende Teil an Gemälden, Grafiken und Skulpturen erreichte die schwäbische Heimat unbeschadet und wurde tatsächlich bis Ende 2020 in einem Einfamilienhaus eingelagert und wartete dort bis heute auf seine Wiederentdeckung. Darunter Werke aus der Lucas-Cranach-Schule, Grafiken von Rembrandt und Dürer sowie zahlreiche Skulpturen. Weitere bedeutende Kunstwerke offenbarten sich dem Auktionator erst nach einer abschließenden Besichtigung des gesamten Nachlasses, zum Teil untergebracht in Tornistern und Abwasserrohren, die schon zur Entsorgung bereit standen. Darunter ein Hauptwerk des polnischen Malers Julian Falat, das eine impressionistische Winterlandschaft zeigt und mit 35.000,- bis ca. 70.000,- geschätzt wurde. Den Zuschlag erhielt genau dieses Bild erst bei 230.000,- Euro. Ebenfalls weit über dem Schätzwert wurde ein kulturhistorisch sehr wichtiges Hauptwerk des Malers Josef Chelmonski, das erst bei 450.000,- Euro seinen neuen Besitzer fand, in Stuttgart versteigert. Im Übrigen ein bisher nie erreichter Höchstzuschlag für ein polnisches Gemälde außerhalb seines Heimatlandes.
Die größte Steigerung zwischen seinem Limit von 5.000,- Euro und seinem letztendlichen Zuschlagspreis von 180.000,- Euro erreichte nach einem nahezu filmreifen Bietergefecht ein „nur“ 54 x 48 cm großes Aquarell des polnischen Künstlers Julian Falat mit dem Titel „Die Ziehharmonika“. Interessant ist dabei, dass aus Pandemiegründen die gesamte Auktion ohne Saalpublikum stattfinden musste und auch die Einzel-Besichtigungstermine nur in einem sehr engen Zeitfenster wahrgenommen werden konnten. Dennoch boten bis zu 18 Telefonbieter an einem einzigen Los mit. Nicht nur angesichts der erzielten Zuschläge eine Aufgabe, die Auktionator Yves Siebers und sein Experten-Team nur mit äußerster Konzentration erfolgreich zu bewältigen wusste.
Das in Stuttgart erzielte Ergebnis spricht für sich selbst und wird bei vielen Experten in der Kunstszene noch lange für ausreichend Ge-sprächsstoff sorgen. Letztendlich steht alleine für 19 Gemälde der „Münchner Schule“ ein Gesamtlimit von 339.000,- Euro einem Gesamt-ergebnis von 1.773.000,- gegenüber. Zahlen, die in der deutschen, wie auch in der internationalen Auktionsszene nicht jeden Tag erzielt werden.









