(openPR) Weltweit arbeiten Labore mit Software aus Halle. Das im Jahre 2000 gegründete Bioinformatik-Unternehmen Kapelan hat sich mit seinem LabImage 1D-Programm zu einem führenden Anbieter auf dem Gebiet der 1D Gel-Elektrophorese entwickelt. Egal ob man Bodenorganismen am Amazonas auf ihre Verwendbarkeit als Antibiotika testet, Krebszellen im Blut erkennen oder Sexualstraftäter überführen will, die Softwarelösungen aus der Stadt an der Saale helfen weiter.
LabImaging heißt eine von der halleschen Kapelan Bio-Imaging GmbH entwickelte Bildverarbeitungsplattform. Auf ihr basieren Software-Programme, mit deren Hilfe Lösungen für Bildverarbeitung in der Medizin, Biologie und Pharmazie angewendet werden können. Das, was das Auge der Laborantin nicht mehr leisten kann, mikroskopisch kleine Fotoaufnahmen auszuwerten, gelingt schnell und unkompliziert mit Software am Computer. Ob man den Geheimnissen der Bodenorganismen am Amazonas auf der Spur ist, die Verteilung von Antikörpern oder die Anwesenheit von Krebszellen im Blut herausfinden will, ob es um Vaterschaftstests geht oder Sexualstraftäter überführt werden sollen - die in den letzten drei Jahren entwickelte Plattform LabImaging von Kapelan liefert die Grundlage dafür.
Geschäftsführer Olaf Brenn freut sich über steigenden Umsatz weltweit verkaufter Lizenzen, und das Vertriebssystem befindet sich noch im Aufbau, wird ständig erweitert. Partner gibt es bereits in Österreich, der Schweiz, USA, England, Irland, Brasilien, Russland, Dänemark und anderen Ländern. Die meisten Schlagzeilen des im Jahre 2000 gegründeten Unternehmens machte bisher wohl Ende 2006 das Amazonas-Projekt. Hier nutzte die amerikanische Cornell University die in Halle entwickelte Software. Im Auftrag der Gesellschaft für Mikrobiologie der USA untersucht die Universität Bioorganismen im brasilianischen Amazonasgebiet, das in Fachkreisen als Region mit der größten Artenvielfalt gilt.
Bisher weiß man wenig über diese Bodenorganismen und ihre Rolle innerhalb des Ökosystems im Regenwald. Eignen sie sich zur Herstellung von Antibiotika? Das wäre von großer medizinischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Die Anwendung moderner molekularbiologischer Methoden, vor allem der DNA-Extraktion aus Bodenproben durch die 1D Gel-Elektrophorese - d. h. Teile der DNA werden in einem Gel mit Hilfe eines elektrischen Feldes aufgetrennt - soll Aufschluss bringen. In der Medizin dient die Gel-Elektrophorese zum Beispiel zur Differenzierung der im Blut enthaltenen Proteine nach Art und Menge. Eine Abweichung von der Norm gibt Hinweise auf bestimmte Erkrankungen.
Hierauf basiert auch ein weiteres Projekt, das Kapelan gemeinsam mit der Universität Leipzig entwickelt hat. Noch im ersten Quartal 2007 soll es in deutschen Laboren Einzug halten. Die Software im Bereich der Autoimmundiagnostik ermöglicht, Rückschlüsse auf die Erkrankung des Immunsystems zu ziehen. Diagnosen können zuverlässiger gestellt, Behandlungen optimiert werden. "In diesem Bereich wollen wir Marktführer werden", sagt Olaf Brenn selbstbewusst.
Der Wirtschaftsingenieur hat schon während seines Studiums an der TU Ilmenau seine Diplomarbeit über Marketing und Vertrieb im Biotechsektor geschrieben. Zeitgleich startete er 1998 als Mitbegründer eines Biotech-Unternehmens, das sich mit Krebszellendiagnostik beschäftigte. Im Dezember 2000 erfolgte die Ausgründung als Kapelan GmbH, im November 2001 übernahm Olaf Brenn gemeinsam mit dem Multimedia-Spezialisten Christian Gothe die Gesellschaft. Inzwischen wurden weitere acht Mitarbeiter eingestellt. Zwei Geschäftsbereiche hat sich die Firma auf die Fahnen geschrieben - die neuen interaktiven Medien und die Bioinformatik. Im ersten Bereich geht es um elektronische Kundenkommunikation, Suchmaschinenoptimierung, Internet-Portale. Doch die Bioinformatik boomt derweilen und wird zukünftig den größten Teil der Aufträge ausmachen.
Wenn Olaf Brenn von den lediglich fünf aktiven Unternehmen weltweit spricht, die sich mit dieser Art Software-Entwicklung beschäftigen, wobei Halle das modernste sei, das mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis, spürt man den Ehrgeiz des jungen Unternehmers. Beweglich wie der Namensgeber "Kapelan", eine Lachsart, will man sein, in der Tiefe wie er agieren, dreidimensional wie ein Fisch im ständigen Bewegungsfluss. Die Konkurrenz aus England und den USA gelte es zu schlagen. Bei Google hat es schon geklappt; gibt man das Stichwort 1D Analyse ein, erscheint Kapelan auf dem ersten Platz. Die Konkurrenten seien nur halb so oft erwähnt, freut sich Brenn über die Synergien beider Geschäftsbereiche. Das liege natürlich nicht nur an der guten Positionierung bei Google, sondern auch an der einfachen Handhabung der halleschen Software, die den Nutzer Schritt für Schritt durchs Programm führt.
Auf einer eigenen Veranstaltungsreihe "Bioinformatics meets LifeScience" will Kapelan Softwareapplikationen präsentieren und Partner interessieren. Aller zwei Monate wird an einer anderen Universität eine Präsentation veranstaltet, die erste fand im Dezember in Halle statt, die nächste wird bald in Leipzigs Biocity über die Bühne gehen.
Am IT-Standort Halle ist nach Brenns Meinung eine stärkere Vernetzung nötig, kürzlich gab es ein erstes Treffen der Bioinformatik-Firmen, Universitäten und Fachhochschulen.
Reger sei da schon der Kontakt zwischen den Wirtschaftsjunioren, denen Brenn angehört. Junge Unternehmer aus verschiedenen Branchen kommen regelmäßig bei Veranstaltungen in der Region zusammen, tauschen sich über Probleme aus, laden in einem Projekt Experten aus ganz Deutschland und der Welt nach Halle ein und zeigen ihnen, was die Stadt an der Saale zu bieten hat. Dass das weit mehr als Wirtschaft und Wissenschaft ist, hat man nach dem umfangreichen Kulturbummel spätestens auf einer der halleschen Kneipenmeilen erkannt.









