(openPR) Kinder mit Rechtschreibproblemen dürfen keine Angst vor dem Schreiben haben
Hannover, 13. Dezember 2006. Laura, 9 Jahre, dritte Klasse, hat es geschafft. Der Wunschzettel ist fertig. Sie wünscht sich einen „Ferdeanhenga“, ein „schpanends Schpil“, einen „Polowa“ für ihre Puppe und eine „Übaraschun“. Sie hat alles ganz sauber geschrieben und den Wunschzettel mit Weihnachtsbildern hübsch gestaltet. Voller Stolz übergibt sie ihn ihren Eltern. Die Eltern sind enttäuscht, weil sie so viele Rechtschreibfehler gemacht hat. „Wenn du weiterhin so schlecht schreibst, dann musst du dich nicht wundern, wenn der Weihnachtsmann dir gar nichts bringt, das kann doch keiner lesen!“, so Lauras Mutter. Laura rennt weinend aus dem Zimmer, denn sie hat sich ganz viel Mühe gegeben und keiner erkennt das an.
So oder anders erleben das viele Kinder mit einer Legasthenie (Lese-/Rechtschreibstörung). Voller Freude fangen sie an zu schreiben und in der Schule oder zu Hause erhalten sie immer nur Vorwürfe, dass sie alles falsch machen. Die Hefte der Klassenarbeiten sind rot übersät mit Fehlerkorrekturen und das Kind kann schon gar nicht mehr erkennen, was es richtig gemacht hat.
„Leider wird oftmals erst viel zu spät erkannt, dass das Kind eine Legasthenie hat. Eltern rufen dann verzweifelt beim BVL, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie, an und berichten, dass ihr Kind nur noch mit Bauchschmerzen in die Schule geht und sich weigert, etwas zu lesen oder zu schreiben“, berichtet Inge Palme aus der Elternberatung. „Wenn das Kind schon demotiviert ist und eventuell noch Ängste hinzukommen, dann ist es sehr schwer, den richtigen Zugang zu finden. Wir empfehlen den Eltern, wenn auch im dritten Schuljahr noch nachhaltige Probleme beim Lesen oder der Rechtschreibung bestehen, sollte schnellstens eine Diagnostik erfolgen. Eine Legasthenie „wächst sich nicht aus“, mit Sicherheit aber das Ausmaß des Versagens. Das Kind wird – wenn nicht interveniert wird – sein Verhalten an den ständigen Misserfolgen orientieren und letztlich meinen, es sei für alles zu dumm“, kritisiert Palme.
Legastheniker verfügen über die gleichen Begabungen wie andere Kinder auch, sie machen nur viel mehr und viel länger Rechtschreibfehler als ihre Mitschüler. Durch gezielte Förderung kann den Kindern geholfen werden, mit ihrer Legasthenie besser umzugehen und Arbeitstechniken zu entwickeln, die ihm in der Schule helfen. Am besten hilft man betroffenen Kindern, indem man sie so annimmt wie sie sind, ihre Stärken sieht und viel Verständnis zeigt, denn die Kinder sind weder faul noch dumm.
„Unser Schulsystem ist so ausgerichtet, an den Schwächen der Kinder zu arbeiten, anstatt ihre Stärken zu sehen. Wenn ich die Leistung eines Legasthenikers nur an der Rechtschreibkompetenz festmache, dann tut man ihm unrecht. Würde man sein Fachwissen mündlich prüfen, könnte der Lehrer keinerlei Fehler feststellen und würde das Kind auch anders benoten. Gerade Legastheniker müssen motiviert werden zu lesen und schreiben und dürfen keine Angst haben, Fehler zu machen. Jeder noch so kleine Fortschritt sollte Anerkennung finden“, wünscht sich Inge Palme vom „Weihnachtsmann“.
Weitere Informationen zum Thema Legasthenie finden Sie unter www.bvl-legasthenie.de
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Annette Höinghaus
c/o Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.
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