(openPR) Die Oana Ionel Ausstellung „The Secret Stories of Danube River” im Döblinger Private Art Club “ART 9TEEN” zählt bereits jetzt zu den überraschenden und bemerkenswerten Ausstellungen in Wien in diesem Jahr.
Die junge Bukarester Künstlerin führt dem Wiener Publikum vor Augen, dass es an der Zeit ist über unser Verständnis von Grenzen zu sprechen. „In Zeiten in denen wir lieber Mauern bauen als Brücken, wird deutlich, dass wir über unser Verständnis von Grenzen neu diskutieren müssen“. Eines der Schlüssel-Konzepte in Ionel’s Arbeit ist es, Grenzen als Einladung zu verstehen, zum Verweilen, zur Begegnung und Kommunikation, zum Verhandeln und Handeln und zum wechselseitigen Verständnis. „Die Donau ignoriert vom Menschen erdachte Grenzen, macht sie durchlässig und metaphorisch,“ beschreibt Ionel ihre Sichtweise. Das mag kaum verwundern, war doch ihre mitteleuropäische Heimat Rumänien über Jahrhunderte die Grenze zwischen Ost und West, zwischen alt-römischen Reich und Byzanz, zwischen Aufklärung und Orthodoxie. Diese Grenze geht durch Regionen, Landschaften, Dörfer, Strassen, Familien und manchmal durch einzelne Menschen hindurch. Aber der promovierten Künstlerin und Psychologin geht es um etwas anderes, nämlich aus den eigenen Begrenzungen der Angst, die uns heute mehr als sonst in Politik und Gesellschaft leitet, heraus zu finden, aus der Begrenzung des analytischen Denkens, des „Entweder oder“ hin zum endlos kreativen „sowohl als auch“.
Oana Ionel ist fasziniert vom Wasser, vom ständigen unaufhörlichen Prozess des neu Werdens, des Kommen und Gehens, des Anspülen von Neuland und dem unsichtbaren Land, aber immer und immer wieder neu werdend. Dabei ist Wasser für sie ein Lebewesen mit einem Gedächtnis über Jahrmillionen, älter als das der Menschen am Fluss. Wasser hat die Tendenz immer wieder zu seinem Weg zurück zu finden. Das Wasser der Donau, erinnert sich an Ada Kaleh, die 1971 versunkene Insel. In einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ wurde die zu Rumänien gehörende „Carolinen-Insel“ 1968 evakuiert. Die türkischstämmige Bevölkerung wurde in kürzester Zeit aufgefordert, die Insel zu verlassen. Um dann noch weiterhin mehrere Jahre leer zu stehen, bis Ada Kaleh 1971 beim Bau des Staudamms Eisernes Tor 1 im Auffangbecken der Donau versank. Ada Kaleh mit seinem Schicksal wurde zu einem Symbol für Vielfalt, Lebensraum und Respekt. „Vor allem mangelndem Respekt vor dem Leben“ ergänzt Ionel. Der massive Druck, mit dem die Donauinsel von den damaligen Machthabern entvölkert wurde, um danach jahrelang leer da zu stehen, macht aus Sicht der jungen Künstlerin Ada Kaleh zu einem weiteren Beispiel für das Versagen einer patriarchalischen Gesellschaft. „Lebensferne Männer wollen mit aller Gewalt anderen ihre eigene pathologische Realität aufzwingen“. Man merkt es, Ionel gehört zu einer Genreration junger Rumäninnen, die im Ausland gelebt hat und weiss wie das Leben in einer Demokratie und in einem Rechtsstaat sein kann. Und dies ist auch eine Generation, die sich nicht mehr alles gefallen lässt.
Die Bukarester Künstlerin Oana Ionel ist selbst gesellschaftlich engagiert. Sie organisiert Konferenzen oder tritt als Rednerin auf, wenn es um das Zusammenleben der ethnischen Gruppen in den Donauländern geht. Sie ist bereit Verantwortung für ihr Land zu übernehmen und für Europa. Oana Ionel kann es nicht ausstehen, wenn Menschen nichts tun, wie hypnotisiert Situationen beobachten und mit offenen Augen schlafen. „Ich dachte immer, das gibt es nur bei uns in Osteuropa, das hat etwas mit dem Kommunismus zu tun.“ Jetzt muss sie einsehen, dass sie sich geirrt hat. Was ihr heute Angst macht, ist dass sie das Nichtstun und Zuschauen oder Wegschauen auch im Westen immer häufiger beobachtet, in Frankreich, Deutschland, Österreich, in vielen Ländern. „Man betrachtet Demokratie als ein Konsumgut, das einem schmeckt oder nicht, das man nach Belieben wegzappt oder ausspuckt. Man erkennt nicht, dass Demokratie etwas Gestaltbares ist, ein Prozess, auf den man sich einlassen kann. Die Menschen sind sich nicht mehr bewusst dessen was sie erreicht haben, in der Demokratie, im persönlichen Wohlstand, in der persönlichen Freiheit. Man riskiert zu vieles und opfert es lebensfremden Populismus“.
Ionel nutzte den Lockdown im Frühjahr 2020 um sich neu zu besinnen. „Ich merke dass ich wieder einen weiteren Blick brauche, dass ich in meiner Arbeit wieder grössere Formate brauche die sich mit den wirklich wichtigen Dingen unserer Zeit beschäftigen, den Blick für das Ganze nicht zu verlieren.“
Oana Ionel hat in ihren Lockdown Werken „Stillness“ die Stille portraitiert, die uns einfängt wenn wir einen Strand von oben sehen. In Ausschnitten, aber erkennend dass es ein grösseres Ganzes gibt. „Der Lockdown hat uns auf uns selbst zurück geworfen, auf die eigene Belanglosigkeit aber auch auf die Auseinandersetzung mit uns selbst“
Wie kann man zeitlose meta-politische Gesellschaftskritik anders zum Ausdruck bringen, als in starken, zeitlosen Abstraktionen? Ionel hat keine Antwort darauf, bleibt ruhig gefasst, die Abstraktion ist für sie eine allgemein gültige Sprache die alle Menschen verstehen. Man spürt die Energie in ihren ausdrucksstarken Arbeiten. Es ist eine zeitlose, immer da gewesene Energie, die den Betrachter charismatisch umfängt, umgarnt, aber ihm die Freiheit der eigenen Interpretation lässt. Dabei gelingt ihr der seltene Ausgleich zwischen ihrem kraftvollen, expressiven Pinselstrich und den starken Farben, die quirlig, lebendig die Strudel des Stromes nachempfinden, aber auch das bunte Treiben in den Städten entlang der Donau symbolisieren. Gleichzeitig wirkt die Arbeit keineswegs leichtfüssig banal, sondern tiefsinnig und ernst gemeint. Man steht vor ihren in unterschiedlichen Blau- und Türkis-Tönen gehaltenen Arbeiten mit der gleichen Ergriffenheit, wie man vor der Donau selbst steht. Als besondere Elemente verwendet sie immer wieder Wachs, welches geheimnisvoll verbunden ist mit dem Goldstaub byzantinischer Malerei.
In der Arbeit von Oana Ionel ist nicht viel Symbolismus notwendig und es ist nicht notwendig künstlerischen Trends hinter her zu laufen, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Oana Ionel geht voran. Sie ist heute schon für viele junge Frauen und Künstlerinnen ein Vorbild, nicht nur in Osteuropa.













