(openPR) Zusammenfassung
Seit März 2020 hält die Covid-19 Pandemie die Welt in Atem. Umsatzeinbrüche auf breiter Front haben einen volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet. Exportnationen erleben ein Ausbleiben der Aufträge aus dem Ausland in nie dagewesener Höhe. Die Pandemie hat nahezu alle Branchen im Würgegriff, so auch die Intra-Logistik, die in einem erheblichen Ausmaß betroffen ist.
Der Arbeitsmarkt wird durch Millionen Menschen, die sich in Kurzarbeit (5,36 Mio. im Juni) befinden oder arbeitslos (2,955 Mio. im August = 6,4%) sind, stark beeinflusst.
Die regierungsseitig beschlossenen Konjunkturproramme sind ohne Alternative und mildern die negativen Wirkungen der Rezession ab. Dafür wird der Verschuldungsgrad Deutschlands voraussichtlich auf 85 - 90% ansteigen.
Wann es weltweit wieder bergauf geht kann keiner sagen. Die Bühne ist frei für Spekulanten, die ihre Theorien und Szenarien ausbreiten.
Die Bundesregierung ist jedoch optimistisch; sie korrigierte die ursprüngliche Prognose im September für dieses Jahr auf -5,8 Prozent (vorher -6,3%) und für 2021 auf + 4,4%. Inwieweit dieser Optimismus gerechtfertigt ist, bleibt abzuwarten.
Einig sind sich Wissenschaftler und Politiker in dem Punkt, dass Corona präsent und noch lange nicht besiegt ist.
Einleitung
Die im 1. Quartal des Jahres 2020 ausgebrochene Coronavirus Pandemie in Deutschland erlebte ihren ersten Höhepunkt im März mit knapp 39.118 Erkrankten innerhalb von 7 Tagen.
Daraufhin beschloss die Bundesregierung einen Lockdown (23.03.), der von der großen Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wurde. Die Zahl der sich täglich neuinfizierten Patienten reduzierte sich drastisch auf 2.043 Patienten binnen 7 Tagen. Dieser vorläufig geringste Wert an Neuerkrankungen wurde Mitte Juni konstatiert.
Der Ruf nach Lockerungsmaßnahmen erschallte daraufhin unüberhörbar und fand ein breites Echo in den Medien. Die Länderregierungen übernahmen die „Kontrolle“ der Pandemie und erließen Maßnahmen mit einer schrittweisen Normalisierung des täglichen Lebens. Das „Versammlungsverbot“ wurde aufgehoben und Demonstrationen, auch gegen die Corona Maßnahmen wurden erlaubt.
Rechtzeitig zu den Sommerferien wurden die Reisebeschränkungen weitestgehend aufgehoben. Der Tourismus ins europäische Ausland, aber besonders der innerhalb Deutschlands bekam die Lockerungen positiv zu spüren.
Negativ mit der gewonnenen „Freiheit“ korrelierte die steigende Sorglosigkeit im Umgang mit der AHA+L-Regel (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske, Luftreinigung). Diesem Verhalten folgte ein starker Anstieg der Covid-19 Neuerkrankungen für Deutschland mit dem vorläufigen Höhepunkt in der 3. September-Dekade (12.660 Neuerkrankungen).
Die Ursachen für den erneuten Anstieg der Neuinfektionen sind vielfältig, so werden einerseits Fallhäufungen im Zusammenhang mit Feiern im Familien- und Freundeskreis beobachtet, sowie u.a. in Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern, Einrichtungen für Asylbewerber und Geflüchtete und Gemeinschaftseinrichtungen. Andererseits sorgen verschiedene berufliche Settings für eine Zunahme, ferner Veranstaltungen im religiösen Rahmen. Die Ausbreitung der Covid-19 Infektionen in Europa veranlasst die zuständigen Aufsichtsbehörden, die Zahl der Risikogebiete neu zu definieren. In Verbindung mit Reisen bzw. Reiserückkehrern wird ein Zuwachs an Covid-19 Erkrankungen in Deutschland gesehen.
Einige Demonstrationen mit großer Teilnehmerzahl u.a. in Berlin, München, Stuttgart und Frankfurt sind für die negative Entwicklung respektive Zunahme der Covid-19 Neuerkrankungen in diesen Ballungsgebieten mit verantwortlich.
Seit den Sommerferien ist ein Aspekt zu beobachten, der für das Winterhalbjahr keine guten Erwartungen bringt, nämlich der, dass eine flächenmäßige Ausbreitung von Covid-19 stattgefunden hat. Illustriert wird diese Feststellung durch die vorstehende Abbildung. Die Anzahl der Stadt- und Landkreise, welche keine Corona Neuerkrankungen gemeldet haben, ist dramatisch gesunken. Waren es am 01. Juli noch 139 der 412 Stadt- u. Landkreise, die keine Covid-19 Patienten gemeldet haben, sank die Zahl am 29.09. auf 11.
Ob die Zahl der Neuinfektionen insbesondere im Zusammenhang mit der gestiegenen Anzahl an Covid-19 Tests zu sehen ist, wird in der vorstehenden Abbildung dargestellt.
Danach korreliert die gestiegene Zahl der Testungen nicht mit der Entwicklung der positiven Befunde.
Die wirtschaftlichen Konsequenzen der Corona Pandemie
Die bereits 2019 schwächelnde Weltwirtschaft wurde durch die Covid-19 Pandemie schwer getroffen und löste nicht nur in Deutschland eine Rezession aus, die nach Aussagen der Wirtschaftsinstitute im Vergleich zur Finanzkrise 2009 durch deutlich negativere BIP-Werte gekennzeichnet ist.
In seiner Prognose geht das DIW Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung für 2020 von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von ca. 9% - 10% aus.
Demgegenüber können als Hoffnungsschimmer die jüngsten Daten des Ifo-Instituts zum Geschäftsklima gesehen werden. Zur Überwindung der Rezession braucht es allerdings überproportionale Wachstumsraten über einen längeren Zeitraum.
Um die Covid-19 Neuerkrankungen hinsichtlich ihres Einflusses auf die Geschäftserwartung für Deutschland (März - bis September 2020) bewerten zu können, wurde überprüft, ob ein Zusammenhang zwischen beiden Größen gegeben ist. Mittels Korrelation nach Pearson wurde ein Korrelationskoeffizient von 0,844 berechnet. Der Zusammenhang zwischen den Covid-19 Neuerkrankungen und Geschäftserwartungen (März-September 2020) sind auf dem 5% Niveau (p = 0,05) signifikant.
Investitionsklima unter Corona Pandemie negativ
Welchen Einfluss die Corona Pandemie auf die Investitionspläne der Branchen in Deutschland nimmt, war Gegenstand zweier qualitativer Studien der GMP aus dem 1. Halbjahr 2020.
Studie 1: „Investitionen in die Lagerlogistik - Fit für die Zukunft“ wurde Anfang Februar gestartet, also vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie bzw. des Lockdowns.
Studie 2 untersuchte den „Einsatz von Robotern in Produktion und Logistik“ und begann im Mai. In beiden Untersuchungen wurden u.a. Fragen zur Konjunktur gestellt.
Die Auswirkungen der Pandemie auf die Investitionspläne der Branchen zeigt die folgende Abbildung mit deutlich sichtbaren Unterschieden zwischen den Branchen.
Die Befragten der Automobil-/Automotive-Industrie gaben an, dass Planänderungen in einem Umfang von knapp 80% für 2020 ff. vorgenommen werden. Im Vordergrund stehen dabei zeitliche Verschiebungen der Investitionen, aber auch ein Streichen bzw. Reduzieren dieser.
Anders sieht es in der Chemischen Industrie aus (inkl. Pharma, Kosmetik), denn knapp 77% der Befragten halten an ihren Investitionsplänen fest.
Die Konsequenzen der geänderten Investitionspolitik wurde in ihrer Wirkung auf die Logistikbranche untersucht. Da sich die Corona-Pandemie negativ auf die Umsatzentwicklung der Branchen und ihrer Unternehmen auswirkt, wurden die Studienteilnehmer zur kurzfristigen Umsatzentwicklung 2020 befragt.
Bereits im 1.Q. des Jahres geht das Gros der Befragten von einer Verschlechterung der Umsätze für ihre Branche und dem eigenen Unternehmen aus, was die beschriebene Rezession verdeutlicht.
Als Konsequenz (s. vorstehende Abbildung) sind die Streichungen der Investitionen bzw. deren Reduzierung (13,9%) einerseits, andererseits die Verschiebungen (Mittelwert von ca. 10 Monaten) der Investitionspläne (50,9%) zu verstehen.
Den Zusammenhang zwischen Umsatzerwartung und Verschiebung der Investitionen bestätigt der Korrelationskoeffizient von + 0414. Die Signifikanz wird auf dem Niveau von 0,01 (2-seitig) bestätigt.
Den Einfluss der Corona Pandemie auf die zeitliche Realisierung resp. Verschiebung der Investitionen illustriert der Gruppen-Split „Investitionspläne bis zum Lockdown bzw. ab dem Lockdown.
Nichtparametrische Tests (Mann-Whitney-Test)
Ab dem Lockdown steigt die Zahl der Unternehmen signifikant an (p = 0,028), die ihre Investitionen wegen der Covid-19 Pandemie verschieben.
Ausblick
Aus den ifo-Konjunkturumfragen (Stand Juli 2020) wurden die nachfolgend illustrierten Daten zum Thema „Normalisierung“ der Geschäftslage unter zeitlichen Aspekten herangezogen.
Wie aus der vorstehend gezeigten Abbildung zu entnehmen ist, spielt der Wirtschaftszweig eine einflussnehmende Rolle. Die Teilnehmer, im Juni befragt, gehen branchenübergreifend davon aus, dass sich die Geschäftslage in Deutschland in den nächsten 11 Monaten wieder normalisiert.
In seiner Pressekonferenz am 01.09. korrigierte der Wirtschaftsminister Peter Altmaier seine Konjunkturprognose für 2020 von -6,3% auf nunmehr -5,8%. Seine begründete Hoffnung stützt sich dabei auf die bisherige Wirtschaftsentwicklung in den Bereichen Dienstleistungen, Handel und Industrie.
Zur Stützung der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland haben Bund und Länder Hilfen in nie dagewesener Höhe auf den Weg gebracht, um Arbeitsplätze zu erhalten, den Fortbestand von Unternehmen zu sichern und soziale Notlagen zu vermeiden.
Da seit Mitte Juli eine starke Zunahme (s. Abbildung) der Neuerkrankungen zu beobachten ist, wird sich dies auf die zeitliche Normalisierung der Geschäftslage auswirken. Einige Branchen, allen voran der Maschinenbau revidiert bereits seine im Juni publizierten Annahmen von einer kurzfristigen Besserung der wirtschaftlichen Entwicklung der Branche.
Die Politik diskutiert gegenwärtig zusätzliche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Ob die beschlossenen Maßnahmen geeignet bzw. ausreichend sind, die Zahl der Covid-19 Neuerkrankungen zu reduzieren und inwieweit die Prognosen der weltweiten Wirtschaftsentwicklung Bestand haben, werden die nächsten Monate zeigen.
Der vollständige Artikel ist als Download unter https://www.gmp-muenchen.de zu finden.









