(openPR) In den öffentlichen Medien kursiert der einseitige Vorwurf: Die maschinelle Beatmung schadet COVID-19-Patienten oft mehr als sie nutzt. Tatsächlich kann die invasive Beatmung die Lunge zusätzlich schädigen - etwa mit einer Sauerstoff-Überdosierung. Wie lassen sich derartige Risiken gering halten? Im "Jahrbuch Intensivmedizin 2019" beschreibt die Arbeitsgruppe Prof. Dr. Marcelo Gama de Abreu (Dresden) die aktuellen Handlungsempfehlungen für eine lungenschonende Beatmung. Die Hinweise erhalten im Kontext der COVID19-Intensivbehandlung eine besondere Bedeutung.
"Die Hauptkomponenten der lungenprotektiven Beatmung sind das Tidalvolumen, der Plateaudruck, der positive end-exspiratorische Druck, die Atemfrequenz und der Atemgasfluss. Neuere Parameter wie Driving Pressure und Mechanical Power bzw. Intensity versprechen zusätzliche Informationen und neue Konzepte zur Gewährleistung der Lungenprotektion," fassen die Autoren zusammen und beziffern die wesentlichen Parameter.
In jedem Fall ist eine kontrollierte Beatmung empfehlenswert - möglichst mit Erhalt der Spontanatmung des Patienten. "Vorteilhaft sind dabei die Aufrechterhaltung der Zwerchfellaktivität, die Möglichkeit die Sedierungstiefe zu reduzieren, ein geringerer Rechts-links-Shunt und niedrigere Beatmungsdrücke. Allerdings besteht die Gefahr eines erhöhten transpulmonalen Drucks."
Eine optimale Synchronität von Patient und Respirator kann eine Reduktion der Sedierung ermöglichen. Dies reduziert u.U. Diskomfort, Angst, diaphragmatische Dysfunktion, kognitive Beeinträchtigungen, Beatmungsdauer und beatmungsinduzierte Lungenschädigungen. Die Überlebenschancen steigen.
Der Nutzen einer Bauchlagerung des Patienten ist evident. Dennoch wird sie häufig nicht angewendet, kritisiert die Arbeitsgruppe Gama de Abreu. "Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass das Risiko für Druckulzera und Nervenläsionen erhöht ist und bei abdominaler Adipositas ein größeres Risiko für ein Nieren- und Leberversagen besteht. Bei einseitiger Lungenentzündung ist eine Seitenlagerung auf der Seite der gesunden Lunge zu empfehlen."
Auch wenn so lungenschonend wie möglich invasiv beatmet wird, lassen sich Organschädigungen oft nicht vermeiden. Daher stellen Dr. Peter Kremeier und Kollegen in ihrem aktuellen Manual "Beatmungs- und Intensivtherapie bei COVID19" die weniger riskanten, allerdings auch weniger wirksamen Alternativen vor: nichtinvasive Beatmung mit Maske oder Helm und Highflow O2-Therapie mit Beatmungsgerät.
J. Wittenstein, M. Scharffenberg, M. Gama de Abreu: Aktuelle Aspekte der Beatmung. In: B. W. Boettiger, W. Kuckelt (Hrsg.) Jahrbuch Intensivmedizin 2019. Pabst, 466 Seiten, Hardcover ISBN 978-3-95853-469-8, eBook ISBN 978-3-95853-470-4
P. Kremeier, S. Pulletz, C. Woll, W. Oczenski, S. Böhm: Beatmungs- und Intensivtherapie bei COVID-19. Pabst, 136 Seiten Großformat, Paperback ISBN 978-3-95853-597-8, eBook ISBN 978-3-95853-598-5













