(openPR) "Um die aktuellen Geschehnisse, die Donald Trump politisch das Genick brechen könnten, zu verstehen, erkläre ich Ihnen/Euch die Zusammenhänge dieser Futures und Warenterminkontrakte einmal auf unterhaltsamere Art und Weise durch eine Passage aus meinem Roman ,Der Spieler', beantwortete Hubert Michelis unsere an ihn, den ehemaligen katholischen Priester und späteren Bankangestellten gerichtete Bitte, uns etwas zu den momentanen Verwerfungen am Ölmarkt zu erklären.
https://spica-verlag.de/produkt/der-spieler-rien-ne-va-plus/
"Übrigens haben Trump und die USA diese Chose durch das Fracking-Öl selbst verursacht. Beim diesem Schieferöl, das auch die ganze Umwelt zerstört, braucht man (wie mir bekannt ist) einen Mindestpreis von US$ 50,- je Barrel. Diese Unternehmen werden nun wie Dominosteine umkippen und auch den US-Banken herbe und sehr hässliche Kreditausfälle bescheren. Aber lesen Sie nur selbst. Gute Unterhaltung!
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Mr. Benson, der mit Schenk und Frau Koslowski an diesem Abend mitten in London in einer kleinen Bar bei einem Cocktail zusammen saß und seine kostbare Zeit opferte, um Schenk die Unregelmäßigkeiten, die er aufgedeckt hatte, zu erklären. Auf Schenks Bedenken hin, ihm, Benson, nur die Zeit zu stehlen, hatte dieser in typisch britischem Understatement gemeint, dass er sich gerne, sogar leidenschaftlich gerne der "Angelegenheit Schenk" und all den Verwicklungen, die damit zusammenhingen, widmen würde. Und während er das sagte, gönnte er sich eine Zigarette. Es war erst seine Dritte an diesem Tag. Henry Benson war ein junger, recht vielbeschäftigter und stark frequentierter Warenterminhändler, der an der Londoner Rohstoffbörse agierte und der mit Schenks Angelegenheit nicht zum ersten Mal seine Privatinteressen denen des Bankhauses, für das er arbeitete, unterordnete.
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Es war also keineswegs ungewöhnlich für ihn, sich auch nach dem eigentlichen Tagesgeschäft am Abend, und manchmal geschah es sogar während der Nacht, weiter um seine Kunden, die dann seine Gäste waren, zu kümmern. Seine Kundschaft bestand einerseits aus vermögenden Privatleuten, die ihn als ihren Broker mit der Abwicklung ihrer privaten Spekulationen an der Warenterminbörse beauftragten, andererseits agierte Benson für manche Firmen, kleinere, mittlere, jedoch auch große Unternehmen, welche die Dienste seines Bankhauses und sein persönliches Engagement in Anspruch nahmen. Benson wurde für seine Arbeit gut bezahlt, und er fand sogar selbst, dass man ihn "verdammt" gut dafür bezahlte. Er hatte es eher beiläufig erwähnt, weil Schenk immer wieder dubiose Anspielungen in eine Richtung machte, die dem geradlinigen Benson missfielen und die er als grundehrliche Haut ablehnen musste. Henry Benson war ein Könner und Spitzenmann in seiner Branche und wusste, dass er grundsätzlich keine Geschenke annehmen sollte. Er war frisch verheiratet und hatte eine kleine Tochter. Immerhin konnte er sich mit seinen gerade mal Zweiunddreißig im ebenso idyllischen wie teuren Stadtteil Richmond eine alte Villa leisten. Dies zu einer Zeit, in der reiche Amerikaner, superreiche fernöstliche Milliardäre und russische Oligarchen sich in London tummelten und sich alles unter den Nagel rissen, dessen sie habhaft werden konnten. Es war schon bemerkenswert, was hier abging, denn diese Ausländer hatten in den vergangenen Jahren die Preise ins Unerschwingliche hochgetrieben. Dennoch wurden diese horrenden Preise immer wieder gezahlt, ja, man war bereit, noch mehr an Zaster auf den Tisch zu legen. Schon für eine "Hundehütte in London", - so lästerte man -, müsste man mehr latzen als das, wofür man anderen Orts einen prachtvollen Landsitz bekam!
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Aber, was das Geldverdienen anging, waren die besten Zeiten längst vorüber. Es waren die fetten Jahre, in denen die Banken noch wirklich gute, üppige Profite machten. Es waren auch die Jahre gewesen, in denen man den Angestellten exorbitante Gehälter zahlte. Auch Benson hatte noch ein paar dieser üppigen Jahre miterlebt, aber dann waren die Krisen gekommen, eine nach der anderen, und mit der US-amerikanischen Immobilienkrise hatte alles angefangen. Nein, man musste sich nichts vormachen, die besten Zeiten waren vorbei, und auch Benson wusste das. Es waren die Jahre vor diesen Krisen gewesen, in denen schon ein mittlerer Angestellter in seiner Mittagspause sich auf Firmenkosten durch London im Taxi chauffieren lassen konnte, einfach so! Es war die Zeit, in denen die Banken noch ohne unnötig viele Regulierungen ihre riesigen Gewinne machten und auch ihre Mitarbeiter daran üppig partizipieren ließen. Von einem der angesehensten Investmenthäuser hieß es, dass das durchschnittliche Jahresgehalt der Mitarbeiter zu jener Zeit sage und schreibe USD 700.000 betragen hätte. (In diese Rechnung waren sogar die Putzfrauen und Parkplatzwächter mit einbezogen!) Das waren noch Dimensionen, denn unter den Investmentbankern gab es Tausende, die mehr als 100 Millionen US-Dollar pro Jahr einsackten und damit weit mehr als die Vorstände selbst bekamen!
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John Benson wirkte in der Bar, in der sie jetzt saßen, anfangs ein wenig müde und abgespannt. Aber nach einigen Minuten der Ruhe, nach dem kühlen Drink und der Zigarette, begann er mit seinen Erklärungen, und man merkte gleich, dass er sein kleines Tief überwunden hatte und die gewohnte Energie in ihn zurückgekehrt war. Schon bald schien er regelrecht überzusprudeln vor Eloquenz und Vitalität, und er galoppierte davon in seinen Erklärungen und Erläuterungen, so dass Frau Koslowski, deren Englisch nur einfaches Schulenglisch war, aber auch Schenk selbst, der zwar die englische Sprache beherrschte, aber kaum noch dem Sinn des Erklärten folgen konnte, den guten Benson bremsen mussten. Es ging einfach zu schnell und setzte zu viele Kenntnisse voraus, als dass Schenk oder Frau Koslowski ihm in allen Darlegungen hätten folgen können. Jedenfalls unterbrach Schenk in diesem Moment den beflissenen Bankangestellten, der daraufhin lakonisch feststellte: „Gut, ich sehe schon, wir müssen bei Adam und Eva anfangen!“ Aber das tat er dann, und zuerst erklärte er den beiden einige Grundbegriffe. Zum Beispiel hatte er Frau Koslowski gefragt, ob sie wüsste, was ein "Rollover" sei, aber sie hatte keine klare Vorstellung von diesem Begriff. Schenk selbst wusste darüber, dass es mit dem "Überrollen" der alten in die neuen Kontrakte an der Warenterminbörse zu tun hatte. Benson erklärte ihnen daraufhin, dass es im Zusammenhang mit dem Überrollen der Termingeschäfte Fristen mit verschiedenen Laufzeiten und auch Kredite mit verschiedenen Zinssätzen gäbe, denn häufig waren solche Geschäfte von Krediten unterlegt, und üblicherweise hatte der Kreditnehmer zum Termin des Roll-over auch die Option, seinen Kredit an den Geldgeber am Ende der Laufzeit zurückzuzahlen. Was die Zinsseite betraf, wurden diese Zinsen nach dem Londoner Referenzzinssatz des Libor entsprechend ihrer Laufzeit täglich neu berechnet. Und erneut erkundigte sich Mr. Benson bei den beiden, ob sie ihm folgen könnten, und Schenk, aber auch Frau Koslowski, nickten ihm bestätigend zu und ließen sich noch einen weiteren frischen kühlen Drink bringen.
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Benson fuhr derweil mit seinen Erklärungen und Erläuterungen fort, und er tat es manchmal so ausführlich, dass er dabei vom Hölzchen aufs Stöckchen zu sprechen kam und viele Zusammenhänge bis ins kleinste Detail erklärte, so das dadurch Schenks Geduld nicht wenig strapaziert wurde, der endlich mehr über den Handel mit Agrarrohstoffen erfahren wollte. Und irgendwann machte sich Schenk dann auch Luft und bat Mr. Benson höflich, aber bestimmt, sich kürzer zu fassen. „Einverstanden“, meinte Benson. Er schien verwundert, aber keineswegs beleidigt über Schenks Intervention zu sein und steckte die Kritik, die darin gelegen hatte, kommentarlos und auf geradezu britische Manier, weg. "Gut", sagte er, "dann steigen wir jetzt in medias res ein“, begann er, nachdem er einen guten Schluck von seinem neuen Drink genommen hatte. „Damit es Ihnen nicht zu langweilig wird, schlage ich Ihnen vor, dass wir jetzt gemeinsam an die Warenterminbörse gehen. Bitte folgen Sie mir jetzt in ihren Gedanken!
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Wohlgemerkt, eine Warenterminbörse ist nicht der Aktienmarkt, sondern ein ganz eigener Markt, und die größte Börse dieser Art ist diejenige in Chicago. Aber auch bei uns in London ist ganz schön was los! In der Warenterminbörse angekommen, muss man allerdings genau wissen, wohin man sich wendet. Wir nehmen nicht den Eingang zum Spot-Markt, wo die Edelmetalle gehandelt werden, Metalle wie Gold, Platin oder Silber, sondern wir gehen dort hinein, wo man die Rohstoffe handelt. Und hier gibt es wiederum verschiedene Arten von Rohstoffen, etwa die Metalle oder Gas und Öl und noch anderes mehr. Es gibt sogar eine eigene Börse für den elektrischen Strom. Aber auch hier wollen wir natürlich nicht hin, sondern wir wollen zu den Agrarrohstoffen! [Schenk war ja Zucker- und Schokoladenfabrikant] Endlich sind wir richtig und befinden uns in einer riesigen Halle, einem Handelssaal, in der eine überdimensional große Tafel mit vielen Zahlen und Kursen hängt, und die im Saal befindlichen Händler kaufen oder verkaufen im Auftrag ihrer Klientel oder auch auf eigene Rechnung. So ungefähr müssen wir uns das vorstellen, denn an jeder Börse, die eigentlich ein Markt ist, treffen für ganz bestimmte Dinge Angebot und Nachfrage aufeinander.
Aber reden wir an dieser Stelle zunächst kurz über Kakao. Kakao ist einer der vielen Agrarrohstoffe, die hier gehandelt werden. Sie beide werden über Kakao mit Sicherheit mehr wissen als ich, denn der Kakao ist ja für Ihre Süßwarenproduktion und Schokoladen der wichtigste und teuerste Rohstoff. Daher reiße ich im Folgenden nur ganz kurz ein paar Punkte an, die beim Kakao von Wichtigkeit sind. Aber bitte korrigieren Sie mich, wenn ich etwas Verkehrtes sage, okay?“ Und Frau Koslowski und Schenk schmunzelten über das fast hilflose Understatement von Benson und zwinkerten sich gegenseitig zu. „Kakao ist für manche Exportländer, von denen viele in Afrika liegen, ein lebenswichtiger Agrarrohstoff, und der mit Abstand größte Kakaoproduzent ist die Elfenbeinküste. Kakao braucht für sein Wachstum unbedingt heißes, tropisch feuchtes Klima. Muss Ihnen ja nicht erklären, wie er gewonnen wird! Jedenfalls gewinnt man die Kakaobohnen aus der Kakaofrucht, und diese Bohnen werden dann für den Export vorverarbeitet, aber vor allem getrocknet. Die Produktion von Kakao ist wie bei vielen anderen Agrarrohstoffen von manchen Unsicherheitsfaktoren abhängig, und das Wetter, Umweltschäden, politische Unruhen in den Ländern, wo er her kommt, spielen dabei auch eine nicht zu unterschätzende Rolle. Der Kakao, für den die Produzenten und Exporteure eigentlich viel zu wenig bekommen, und oft genug ist dabei auch noch Kinderarbeit mit im Spiel, wird dann bei uns nach der Weiterverarbeitung in heimischen Fabriken zu einem sehr wertvollen und teuren Produkt. Gerade in den letzten Jahren sind die Preise enorm und kaum erklärlich gestiegen. Und jetzt wird es auch für Sie beide sehr interessant; hören Sie bitte genau zu! In den letzten Jahren, - und hierzu zeigte er den beiden einige Charts -, vermutlich bedingt durch eine erhöhte Nachfrage, aber auch durch einen Rückgang bei der Produktion, ist der Kakaopreis exorbitant gestiegen; er hat sich zeitweise sogar mehr als verdoppelt! Das lässt sich nicht allein durch die zuvor genannten Gründe erklären, sondern man vermutet, dass manche Hedge-Fonds die Preise hochgetrieben haben könnten. Vielleicht hat man die Preise sogar regelrecht manipuliert, worauf Ihre Unterlagen ja hindeuten, um es einmal sehr vorsichtig auszudrücken.“ - Benson räusperte sich und vergewisserte sich: „Sie sind bisher mitgekommen?“, und sah die beiden aufmerksam an. Frau Koslowski wunderte sich ein wenig über diese Frage, die sie völlig überflüssig fand, denn was war an diesen Erklärungen von Benson schon schwer zu verstehen gewesen? Dann steckte dieser sich erneut eine Zigarette an, aber auch Schenk und Frau Koslowski rauchten. Sie orderten einen weiteren Drink, und dann fuhr Benson endlich fort.
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„Gut, jetzt geht es ans Eingemachte, denn das, was nun folgt, ist für Sie sehr wichtig und von entscheidender Bedeutung. Sie müssen es einfach verstehen, um das zu begreifen, was in Ihrem Unternehmen passiert ist! Wenn es zu kompliziert wird, unterbrechen Sie mich bitte einfach oder heben Sie Ihre Hand, okay? Es geht jetzt um Warentermingeschäfte! Warentermingeschäfte sind zum Beispiel solche Geschäfte, bei denen man etwas verkauft, was zum Beispiel noch gar nicht da ist oder existiert. Jeder größere Bauer verkauft heutzutage bereits seine Ernte an die entsprechenden Genossenschaften, bevor sie überhaupt eingefahren wurde. Oder nehmen wir, und das wäre dann das umgekehrte Beispiel, eine Fabrik wie die Ihre, Mr. Schenk. Sie stellen unter anderem Schokolade her, und dazu brauchen Sie jede Menge Kakao. Als Schokoladenproduzent werden Sie deswegen unbedingt versuchen, ihren Kakao, diesen zur Herstellung Ihres Produktes teuersten Rohstoff, möglichst günstig einzukaufen. Und dann, um noch einen Schritt weiterzudenken, werden Sie für Ihren Kakao, den Sie in sechs Monaten oder einem Jahr benötigen, auch nicht mehr bezahlen wollen, als Sie vielleicht jetzt schon dafür hinlegen müssen. Aber genau deswegen sichern Sie sich schon hier und heute an der Rohstoffbörse für Agrarprodukte Ihren Kakao zu einem Preis, von dem Sie denken, dass er für Sie akzeptabel ist. Und dies ist der entscheidende Punkt: Sie wollen als Unternehmer nicht das Risiko eingehen, von einem explodierenden Kakaopreis überrascht zu werden! Natürlich wird es heute kaum möglich sein, den Kakaopreis in sechs oder zwölf Monaten vorauszusagen. Und gerade weil das niemand voraussagen kann, sichern Sie sich den Kakao, den Sie im nächsten Jahr brauchen werden, bereits jetzt zu einem Preis, der ihren Vorstellungen entspricht. Bei dieser Art von Geschäften geht es um eine Absicherung. Und genau das meint seinem eigentlichen Wortsinn nach auch das Wort "hedgen". Es besagt, dass man etwas schützen oder absichern will, so wie eine Hecke etwas umgibt, das geschützt werden soll. Mit anderen Worten: Sie kaufen sozusagen auf Termin eine Ware schon in der Gegenwart zu einem Preis ein, den Sie akzeptabel finden. Dabei wissen Sie aber, dass dieser Preis einen Kompromiss darstellt, denn es ist unwahrscheinlich, dass Sie zu Ihrem Idealpreis einkaufen werden. Im Prinzip machen das auch die Hedge-Fonds so. Der Unterschied zu Ihnen als Fabrikant ist nur der, dass diese Hedge-Fonds nicht nur mit Rohstoffen handeln, sondern sie agieren auch in allen möglichen anderen Anlagegattungen, wie zum Beispiel in Aktien, Anleihen oder auch Währungen, und dazu nutzen sie alle möglichen Instrumente. Konkret bedeutet das, dass diese Fonds, ganz gleich wie ein Markt ist, - ob fallend oder steigend -, Geld verdienen wollen. Fällt der Markt, kaufen sie meistens Puts; sie gehen also short. Das sind eigentlich Wetten darauf, dass es weiter fällt. Gleichzeitig sichern oder hedgen sie dann manchmal ihre Handelspositionen durch sogenannte Calls ab. Denn schlägt plötzlich der Markt um, sind die Calls wie eine Versicherung. Wenn der Markt steigt, gehen sie mit und kaufen Calls, d.h. sie gehen also long, und sichern dann unter Umständen ihre Positionen durch Puts ab, weil sie damit rechnen, dass es auch fallen könnte. Aber Call und Put sind im Grunde genommen Wetten auf die Marktrichtung, ob dieser steigt oder fällt, und zudem sind diese Wetten auch Hebelprodukte. Setzte ich darauf, dass eine einzelne Aktie steigt, kann man diese Aktie sozusagen physisch kaufen, aber man kann auch einen Call oder einen Put auf sie kaufen, und das bezeichnet man als "Derivat". Gewöhnlich kostet ein Derivat nur den Bruchteil des ihm zugrunde liegenden Wertes (einer Aktie oder eines Rohstoffes), und - mit dieser Wette verbunden -, haben die Derivate dann natürlich einen Hebel. Dieser ist im Endeffekt ein Verstärker, über den man den Einsatz vervielfachen, aber auch total verlieren kann. Bei manchen Produkten kann man sogar "Haus und Hof" verlieren, denn der theoretische Verlust kann einen auch weit über den tatsächlichen Einsatz hinaus ins Minus reißen! Man sollte sich bei allen diesen Produkten deswegen zuvor sehr genau informieren. Jedenfalls wollte ich Ihnen hiermit lediglich erklären, dass es nicht nur bei Aktien, sondern auch bei den Rohstoffen nicht nur die Preise für den Rohstoff selbst gibt, sondern auch Derivate, also gehebelte Produkte, geradezu Wetten, und diese Derivate verstärken über ihren Hebel die Marktrichtung. Dies ist für Sie deswegen von Bedeutung, weil auch durch solche Finanzwetten die Rohstoffpreise massiv beeinflusst werden können und auch werden!
Nach diesen Erläuterungen machte Benson noch einmal eine Verschnaufpause und nahm einen Schluck von seinem Drink. Dann ging es weiter. „Dass wir zuletzt kurz über den Aktienmarkt gesprochen haben, war insofern wichtig, weil es solche Wetten auf steigende oder fallende Kurse im Rohstoffsektor ebenfalls gibt! Allerdings haben sich in den letzten Jahren immer mehr Leute darüber beschwert, dass Hedgefonds und große Investmentbanken sich im Rohstoffsektor betätigen und dann durch ihre virtuellen Wetten die Preise kaputt machen würden. Der Handel mit Rohstoffen ist und bleibt also ein heißes Eisen! Ich vermute sogar, dass diese Kritik in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen wird; vielleicht wird sie sogar dazu führen, dass die Banken aus solchen Geschäften aussteigen. Niemand weiß es derzeit zu sagen, aber den Verdacht auf Manipulationen gibt es häufig und immer wieder!
Irene Koslowski tat einen tiefen Seufzer; sie schien müde zu sein. „Nun sind wir bald durch, das verspreche ich Ihnen“, tröstete Mr. Benson mit Blick auf Frau Koslowski seine beiden Zuhörer, „nur noch kurz ein Wort zu den Kontrakten, die man auch als Futures bezeichnet. Danach sind wir mit der Theorie durch! Die Kontrakte oder Futures sind eigentlich nur Verträge, die über eine bestimmte Laufzeit gehen, und am Ende dieser Laufzeit wird der Verkäufer liefern und der Käufer die Ware abnehmen. Die einzelnen Konditionen stehen dann im jeweiligen Vertrag. Damit aber ein solcher Kontrakt nicht ausläuft, denn an Fälligkeit stünde die physische Lieferung an und müsste bezahlt werden, verkauft man den Kontrakt kurz vor seiner Fälligkeit, und mit dem Erlös erwirbt man einen neuen Kontrakt, der dann wieder ein längere Laufzeit hat. Mit anderen Worten: man rollt einen bald auslaufenden Kontrakt in einen nachfolgenden über. Und genau das ist der "Roll-over"! Oft, jedoch längst nicht immer, haben dann die nachfolgenden Kontrakte einen Aufschlag, den man Contango nennt. Ein Abschlag, dass man weniger für den neuen Vertrag hinblättern muss, kommt auch keineswegs selten vor, und man nennt es Backwardation."
Frau Koslowski starrte in diesem Moment Benson mit ihren großen braunen Augen an, als wollte sie ihm sagen: „Hören Sie doch endlich auf mit dem Blödsinn!“, und Schenk hustete. „Are you okay, Mr. Schenk?" "Yes, I'm fine. But please explain it again to me. I mean concerning the roll-over of a former contract into a new one. What does it mean?" „I see, let's try again!" Und Mr. Benson wiederholte das Gesagte und bemerkte, dass die Bankleute, die in diesem Markt spekulierten, ja am Ende einer Laufzeit keine physischen Rohstoffe geliefert bekommen wollen, sondern deswegen den Kontrakt zuvor überrollen müssen. Wieder stellte Schenk eine Frage: „Ist nicht das, was die Banker und Hedgefonds im Markt treiben, am Ende nicht einfach nur wilde Spekulation, weil sie ja die Waren gar nicht physisch bekommen wollen?“ „Ja, so ist es, Mr. Schenk, denn sie spekulieren in der Regel auf ein solches Backwardation- oder Contango-Szenario, um dabei Geld zu verdienen, und im Grunde genommen ist es eine von der Realität losgelöste Spekulation. Es ist ein geradezu virtuelles Geschäft, also ein von der Realität losgelöstes Geschäft, weil diesem Geschäft die konkrete Grundlage des Handelsgeschäfts fehlt. Andererseits, Mr. Schenk, gab es auch schon Banker, die sich für ein paar tausend US-Dollar einen schrottreifen alten Tanker gekauft haben, den sie dann mit billigem Erdöl vollgepumpt hatten. Es war für sie ein lukratives Geschäft gewesen, denn sie hatten das Barrel Öl zu Tiefstständen gekauft und später wieder zu einem wesentlich höheren Preis verkauft; der Tanker selbst war ja ohnehin ohne Wert. Aber das, was Sie gerade angesprochen haben, ist ein sehr wichtiger Punkt. Denn warum ist ein großes Lager oder Silo manchmal so wichtig? Wenn ein Bauer ein großes Silo für seine Gerste oder den Weizen besitzt, kann er einen Teil seiner Ernte lagern und zum Beispiel im Winter verkaufen. Im Sommer, wenn alle ernten, ist der Preis durch das Überangebot gewöhnlich niedrig, und im Winter bekommt der Bauer meist deutlich mehr für sein Getreide."













