(openPR) Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Laschet,
Sehr geehrter Herr Minister Laumann,
Sehr geehrte Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Landtages,
am kommenden Montag wollen Sie sich in der parlamentarischen Anhörung zur konsequenten und solidarischen Bewältigung der COVID-19-Pandemie in Nordrhein-Westfalen und zur Anpassung des Landesrechts im Hinblick auf die Auswirkungen einer Pandemie beraten.
Die unterzeichnenden nordrheinischen Facharztgruppen repräsentieren einen Großteil der versorgenden niedergelassenen Fachärzte. Wir haben mit unserem ungebrochenen Engagement in dieser Krise durch
• Aufrechterhalten unserer Sprechstundentätigkeit auch ohne adäquate Schutzausrüstung sowie unsere eigene Gesundheit und Leben hinten angestellt zum Wohle unserer Patienten bzw. mit Improvisationstalent, Erfindergeist und Cleverness Schutzausrüstungen selbst hergestellt
• die notwendige Unterstützung der Krankenhausabteilungen jetzt schon durch selbständige und unbürokratische Kommunikations- und Kooperationskanäle geschaffen und untereinander bestehende Netzwerke noch enger gespannt
• Empfehlungen an unsere Kollegen, keinen Urlaub zu machen, sondern entsprechend der Lage sich einzubringen
• unsere Arbeit und die unserer Mitarbeiterinnen dafür gesorgt, dass der stationäre Sektor nicht unter der Belastung kollabiert ist, sondern sich effektiv bereits jetzt schon um ein vorselektiertes Patientenkollektiv kümmern konnte und ausreichend Vorbereitungszeit hatte.
Damit haben wir erneut leise und unaufgefordert einen unschätzbaren Beitrag im Rahmen unserer vertragsärztlichen Tätigkeit für ein funktionierendes Gesundheitssystem erbracht und verhindert, dass italienische oder spanische Zustände ausgebrochen sind.
Darüber hinaus möchten wir darauf hinweisen, dass die bisherigen Vorbereitungen in Bezug auf die Kliniken und Krankenhäuser, insbesondere die Fokussierung auf invasive Beatmungsbetten oder gar extrakorporale Blutoxygenierung (ECMO) zu kurz greifen. Bei einem hohen Anfall von schweren Viruspneumonien werden wir eine Vielzahl von lebensbedrohlich kranken Patienten auch außerhalb von übervollen Krankenhäusern ggf. mit nicht invasiver Beatmung versorgen müssen. Dafür stehen die niedergelassenen Fachärzte selbstverständlich mit hoher Fachexpertise zur Verfügung. In unseren Fachgruppen besteht bekanntlich der Ausbildungsstand eines Oberarztes kombiniert mit jahrelanger Erfahrung.
Ein solches freiwilliges Commitment ist beispiellos und wir haben unsere existentiellen Sorgen und Nöte -die uns wie alle anderen betreffen- in den Hintergrund gestellt.
Entsprechend der ärztlichen Hilfsbereitschaft in Not zu helfen, stehen wir für unser Land und seine Bürger ein. Jeden Tag sehen wir unsere Mitmenschen und bestärken sie darin, die politischen Vorgaben einzuhalten, um die Krise zu meistern. Unsere Patienten vertrauen uns seit langem. Wir würden uns wünschen, dass das Vertrauen zwischen Politik und Ärzteschaft auch bei einer Zuspitzung der Lage auf Gegenseitigkeit beruht.
Unser altruistisches Engagement in dieser beispiellosen Situation zeigt einen ärztlichen Ethos, für den es bisher keiner Zwangsmaßnahmen bedurfte.
Wir erfüllen unseren gesellschaftlichen Auftrag im Rahmen der KV in vorbildlicher und freier Weise und wir fordern Sie auf, uns nicht durch die im Gesetzentwurf angekündigten Zwangsmaßnahmen unserer Flexibilität zu berauben. Ihr Entwurf würde, unserer Einschätzung nach, essentielle Teile des Gesundheitswesens handlungsunfähig machen.
Mehr als eine Zwangsrekrutierung von Ärzten nutzte die Schaffung eines geschützten Rechtsraumes in der Notversorgung, um die Kolleginnen und Kollegen vor persönlichen Haftungsrisiken in ihren Entscheidungen zu schützen.
Wir wünschen Ihnen Kraft und Zuversicht und hoffen alle auf eine möglichst günstige Entwicklung und stünden Ihnen auch nach der Pandemie zur Einbindung in entsprechende Katastrophenpläne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. med. J. Wichmann, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der HNO Ärzte
Dr. med. R. Tenbrock, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Orthopäden
Dr. med. F. Franzen, Vorstandsmitglied Orthonet-NRW eG
B. Bankamp, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Gynäkologen
Dr. med. H. Hofer, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Anästhesisten
N. Mülleneisen, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Lungenärzte
Dr. med. M. Weisweiler, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der niedergelassenen Chirurgen
Dr. med. J. Schier, Vorsitzender der Genossenschaft der niedergelassenen Chirurgen Nordrhein
Dr. med. P. Lossin, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Urologen
Dr. med. R. Ostendorf, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Dermatologen
Dr. med. L. Wollring, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Augenärzte
Dr. med. A. Kleemann, Regionalvorsitzender Bundesverband Niedergelassener Kardiologen
Dr. med. U. Meier, Vorsitzender Berufsverband deutscher Neurologen
PD Dr.med. Ralf Müller-Rath, Vorstand Berufsverband für Arthroskopie e.V.





