(openPR) Noch sieht alles ein wenig provisorisch aus: ein Gartenscheinwerfer auf einem Mikrofon-Ständer, das Handy als Kamera. Zwischen Deko-Kamin und Küchentür werden so Ausschnitte aus spannenden Fantasyromanen und gemütlichen Mecklenburg-Krimis vorgestellt. Ungewöhnliche Zeiten erfordern eben ungewöhnliche Maßnahmen. „Das Handy macht erstaunlich gute Aufnahmen“, meint Matthias Teut, einer der beiden Gesellschafter des Wittendörper DichtFest-Verlags. „Aber an Licht und Ton werden wir noch arbeiten.“
80 % weniger Einnahmen durch Corona
Nicht ganz einfach, denn das bedeutet: Investieren in bessere Geräte. Und wie bei allen Kunstschaffenden ist das Geld momentan besonders knapp – bedingt durch die viele Corona-Ausfälle. Frank Friedrichs, der andere Mann hinter DichtFest: „Für das erste Halbjahr wurden inzwischen alle Termine abgesagt: Messen, Conventions, Lesungen, aber auch Beratungen und Lehrveranstaltungen. Wir rechnen mit mindestens 80 % weniger Einnahmen.“ Das betrifft nicht nur die direkten Honorare, die die beiden als Autoren und Dozenten für ihre Veranstaltungen erhalten hätten, sondern auch die Verkaufseinbrüche bei ihren Büchern. „Wir haben drei Neuerscheinungen, die wir auf über 15 Veranstaltungen vorstellen wollten“, so Teut, der einen neuen Fantasy-Roman aus seiner beliebten Erellgorh-Reihe verfasst hat. „Ohne den direkten Kontakt ist es ungleich schwerer, die Menschen überhaupt auf unsere Bücher aufmerksam zu machen. Hinzu kommt, dass auch unsere verlässlichen Partner, die Buchhandlungen, die unsere Titel in der Auslage haben, geschlossen sind.“
Wie viele andere Künstler auch gehen die beiden deswegen neue Wege: Lesungen und Plauderstündchen online aus dem eigenen Wohnzimmer. Sie haben sogar den Stand nachgebaut, der eigentlich Mitte März auf der Leipziger Buchmesse stehen sollte. „Das sind natürlich nicht die ganzen acht Quadratmeter, die wir in Leipzig gehabt hätten. Wir müssen ja auch noch irgendwo leben“, meint Friedrichs lachend. Humor – vielleicht die beste Art, die Krise zu bewältigen.
Kurzlesungen, News und „Infotainment“ jetzt auf YouTube
Von diesem nachgebauten Mini-Messestand aus lesen die beiden nun in unregelmäßigen Abständen kurze Häppchen aus ihren Werken ein und bieten diese kostenlos bei YouTube und auf ihrer Website zum Zuhören an. „Die Idee entstand, weil wir einen Ersatz für die Buchmesse haben wollten. Gemeinsam mit vielen anderen Verlagen und Autoren haben wir ein umfangreiches Online-Programm geschaffen und dafür extra mit zwei weiteren Autoren aus unserem Verlag an einem Nachmittag sechs Leseabschnitte aufgenommen“, erläutert Teut die Anfänge. „Und das werden wir jetzt etwas professioneller fortführen, damit Interessierte unsere Lesungen auch von zu Hause aus verfolgen können. Ein bisschen Abenteuer, Spannung und Humor kann man ja immer gebrauchen.“
Dabei achten die beiden darauf, dass die einzelnen Abschnitte kurz und „gut verdaulich“ sind. „Alles, was nicht live ist, erfordert mehr Konzentration. Und wir wollen ja unterhalten und nicht überfordern“, meint Friedrichs. „Wer dann weiterlesen möchte, bekommt unter jedem Video die Adresse unseres Webshops angezeigt, wo er problemlos bestellen kann.“
Umzug in den Garten geplant
Übrigens planen die Männer von DichtFest nicht nur, ihr Video-Angebot um kleine Talkshows und interaktive Livestreams zu erweitern. Sie haben auch eine weitere Lese-Location ins Auge gefasst. Teut: „Wir sind ja ‚der kleine Verlag im Garten‘. Also werden wir logischerweise auch hinaus in unseren Garten gehen und dort lesen, sobald die Temperaturen es zulassen.“ Dann erhalten die Zuschauer schon mal einen kleinen Vorgeschmack darauf, was sie bei den Lesenächten im Garten erwartet, die die beiden auch in diesem August wieder anbieten. „Bis dahin sind solche Veranstaltungen bestimmt wieder möglich“, äußert Friedrichs sich zuversichtlich und fügt lachend hinzu:. „Schließlich weiß ich als Krimiautor: Die Hoffnung stirbt zuletzt.“














