(openPR) Die von der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig veröffentlichte bundesweite Zahl von 1398 Drogentoten zeigt einen deutlichen Anstieg von 10% gegenüber dem Vorjahr. Hauptursache sind Überdosierungen von Opioiden wie Heroin und Stimulanzien sowie die Kombination mit anderen Substanzen. Betroffen sind vor allem Langzeitkonsument*innen.
Rechtsverordnungen für Drogenkonsumräume in allen Bundesländern
Nicht erst die aktuelle Corona Pandemie zeigt die herausragende Bedeutung niedrigschwelliger Angebote mit und ohne Konsummöglichkeit. Diese Angebote bieten täglich vielen tausend Konsument*innen die Möglichkeit des sicheren Konsums und der voraussetzungslosen Kontaktaufnahme mit dem Hilfesystem. In hunderten Fällen trägt schnelles Eingreifen von geschultem Personal im Fall einer Überdosierung zur Lebensrettung bei. „Einrichtungen in fast allen Bundesländern schildern den Bedarf für solche Angebote, aber nicht existente Rechtsverordnungen als Voraussetzung für eine Antragstellung durch Träger sorgen für Stillstand“, so Marco Jesse vom JES Bundesvorstand. „Wir würden daher eine Initiative von Frau Ludwig und dem Bundesministerium für Gesundheit unterstützen, die die Länder dazu bewegt entsprechende Rechtsverordnungen auf den Weg zu bringen“, so Jesse weiter.
Drug Checking – ein Angebot der Prävention und Schadensminderung
Der JES Bundesverband forderte bereits vor vielen Jahren die Einführung von Drug Checking Angeboten. Es bleibt festzustellen, dass sich Bund und Länder immer noch nicht auf eine gemeinsame Richtung geeinigt haben und Differenzen über Rechtsauffassungen die Einrichtung solcher Angebote verhindern. „Die aktuellen Zahlen von Drogentodesfällen infolge von Überdosierungen durch Stimulanzien müssen als ultimatives Zeichen gesehen werden, hier gemeinsam im Sinne von vielen tausend jungen Menschen zu agieren“, erläutert Claudia Schieren vom JES Bundesvorstand. Aber auch für die Konsument*innen anderer Substanzen wie Opioiden sind Angebote des Drug Checking relevant. JES fordert daher die Einführung von mobilen und stationären Drug Checking Angeboten mit flankierenden Möglichkeiten der Beratung und Information.
Naloxon? Ein Lebensretter der kaum verschrieben wird
„650 Todesfälle durch Überdosierungen unter Einfluss von Opioiden wie Heroin oder Morphin und kaum jemand trägt Naloxon als möglicher Lebensretter bei sich. Dies ist traurig und völlig unnötig“, so Stefan Ritschel vom JES Bundesverband. „Wir als Vertretung substituierter Patient*innen fordern die Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin und die Kassenärztlichen Vereinigungen auf, mit einem Rundschreiben an alle 2500 substituierenden Ärzt*innen einzuwirken, um die Verschreibung von Naloxon an substituierte Patient*innen zu forcieren. Naloxon gehört in die Hand eines jeden Substituierten, sowie in viele hundert Einrichtungen der Drogenhilfe.
Der JES Bundesverband fordert eine Diskussion ohne Tabus
Schadensminderung allein wird nicht ausreichen, um eine wirkliche Trendwende zu erzielen. Wir erwarten von Frau Ludwig, dass sie nun eine ergebnisoffene Diskussion über die positiven und negativen Folgen des Betäubungsmittelsetztes anstrebt. 1398 Drogentodesfälle sind ein deutliches Signal, dass es keine Denkverbote geben darf. Das gerade Langzeitkonsument*innen, die seit Jahrzehnten ein durch Illegalität, Schwarzmarkt, Verfolgung, Inhaftierung gekennzeichnetes Leben führten, durch Überdosierungen starben, ist wenig verwunderlich, aber vermeidbar. „Die Strafbewährung von Erwerb und Besitz geringer Mengen muss auf die Tagesordnung. Mehr als 300.000 Strafanzeigen mit jährlich steigender Tendenz müssen als Signal erkannt werden, über ganz grundlegende Dinge der Drogenpolitik in Deutschland zu diskutieren“, so der JES Bundesvorstand abschließend.







