(openPR) Plädoyer für einen Richtungswechsel in der Landwirtschaft am FDP-Forum in Haar
Haar – Lkr. München/ Unter der Überschrift „Füreinander – Tierschutz ist Klimaschutz“ luden die Haarer Liberalen am 03.03.2020 im Gasthof zur Post zum monatlichen Offenen Forum für Kommunalpolitik. Welchen Einfluss die landwirtschaftliche Nutztierhaltung auf das Klima hat, verdeutlichte FDP-Ortschef und Bürgermeisterkandidat Dr. Peter Siemsen bereits in seinen einleitenden Worten. „Neben Kohlendioxid stammen fast zwei Drittel der durch den Menschen verursachten, stickstoffhaltigen Klimagase sowie 37% des klimaschädlichen Methans aus der Tierhaltung“, sensibilisierte er die Anwesenden für die Umweltauswirkungen der stetig wachsenden Massentierhaltung.
In ihrem anschließenden Vortrag lieferte die praktizierende Tierärztin und Bezirksrätin Dr. Gabriela Berg anhand konkreter Beispiele aufrüttelnde Einblicke in die Aufzucht- und Haltungsbedingungen von landwirtschaftlichen Nutztieren. Anhand der Ferkelkastration machte sie die Wechselwirkungen von Tierschutz mit Umwelt- und Klimaschutz deutlich. Die derzeit in Deutschland diskutierte Betäubung mit dem Narkosegas Isofluran sei der falsche Weg, erklärte Berg den Zuhörern. „Vor der Narkose kommt der Stress, nach Abklingen der Narkose kommen die Schmerzen“, erläuterte die Tierärztin die Nachteile für die Tiere. Zudem verbiete sich aus ihrer Sicht ein breiter Einsatz dieses Narkosegases aufgrund seiner klima- und ozonschädigenden Wirkung. „Ein breiter Einsatz eines FCKWs in der Tierhaltung ist inakzeptabel“, stimmte Siemsen zu. Eine sinnvolle Alternative sieht Berg in der Immunokastration, bei der durch zweimalige Injektion eines Wirkstoffs die Bildung von Geschlechtshormonen unterbunden wird. „Den Tieren bleibt der schmerzhafte und mit Infektionsrisiken behaftete chirurgische Eingriff erspart und durch das verbesserte Mastverhalten nach der Immunokastration werden 24 kg CO2 pro Mastschwein eingespart“, fasste Berg die Vorteile dieser Methode zusammen.
Enormes Potenzial sieht Berg neben der Haltung auch bei Transport und Schlachtung der Nutztiere. „Wir müssen weg von einer rein auf Masse ausgelegten industriellen Tierhaltung und -verwertung“, lautete ihr Plädoyer für die Vermeidung von Lebendtiertransporten über weite Strecken und die Durchführung Schlachtungen vor Ort. Hierfür ist aus Sicht von Siemsen eine Veränderung der Subventionspolitik erforderlich. „Unsere rein auf Massenproduktion ausgerichteten Subventionsströme müssen umgelenkt werden in eine Förderung bäuerlicher Strukturen, die auf Qualität und Nachhaltigkeit setzen“, erklärte er unter großem Beifall. Mit der Annahme des Volksbegehrens für Artenvielfalt in Bayern sei ein wichtiger Impuls für einen Richtungswechsel gesetzt worden, dem nun allerdings Taten folgen müssten, formulierte der FDP-Ortschef seinen abschließenden Appell am Ende des Forums.









