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IBSe 2020 – von der Spitzentechnologie zur Serienreife

02.03.202011:55 UhrTourismus, Auto & Verkehr
Bild: IBSe 2020 – von der Spitzentechnologie zur Serienreife
iBSE Break-by-wire Integriertes Bremssystem. Bildnachweis: LSP Innovative Automotive Systems GmbH
iBSE Break-by-wire Integriertes Bremssystem. Bildnachweis: LSP Innovative Automotive Systems GmbH

(openPR) LSPs Eigenentwicklung IBSe hat sich als innovatives Brake-by-Wire-System mit maximaler Rekuperationsfähigkeit schon in mehreren Formel E-Saisons bestens als leistungsfähige und zuverlässige Spitzentechnologie bewährt. Inzwischen wird das System auch bei OEMs und Zulieferern für die Vorentwicklung neuer Fahrzeugarchitekturen eingesetzt.



Das Thema wird in der Branche brandheiß diskutiert – wann kommt IBSe in der Serie an? Grund genug für die ATZ, das Thema in ihrer aktuellen Ausgabe zu beleuchten. LSPs Motorsportchef Simon Zollitsch gibt dazu noch einige wertvolle Hintergründe zur Einordnung:


Lieber Simon, bis vor kurzem war das IBSe System „nur“ in etwa 80% der Formel E-Fahrzeuge verbaut – nun wird die Technologie in der Vorentwicklung eingesetzt. Welche Erkenntnisse bzw. Vorteile haben sich beim Einsatz im Rennsport herauskristallisiert, die nun die Technologie für die Vorentwicklung so interessant machen? Woher kommt auf einmal die Nachfrage?

SZ „Schlicht und einfach: Das IBSe hat in der Formel E gezeigt, dass es nicht nur leistungsfähig, sondern auch zu 100% zuverlässig ist. Es ist also ein Versuchsteil, das sich selbst nicht mehr im Versuchsstadium befindet. Zudem ist es einfach per Steckverbindung in den Bremskreis zu integrieren, die SW-Anbindung ist in wenigen Stunden aufgesetzt. Die integrierte Rückfallebene garantiert volle Kontrolle über das Fahrzeug, selbst wenn man bei der Softwareentwicklung Fehler gemacht hat. Damit ermöglichen wir es Ingenieuren in der Vorentwicklung, auf einfache Weise die komplette Kontrolle über die Bremse zu erlangen. In Serienfahrzeugen wird die Steuerung der Bremse nämlich eigentlich immer von den Zulieferern, die das Bremssystem stellen, übernommen. Und die wollen natürlich ihr Know-how schützen, bieten also keine offenen Schnittstellen an.“


Ist das für dich als Motorsport-Chef bei LSP eine überraschende Entwicklung beziehungsweise ein positiver Nebeneffekt? Oder habt ihr von Anfang an
darauf hingearbeitet? Wie ist dein persönlicher Blick auf den Motorsport als Experimentierfeld und Innovations- und Impulsgeber für die "breite Masse“?

SZ „Persönlich bedauere ich, dass es eine vielleicht in manchen Teilen des Motorsports verloren gegangene Tradition ist, als Experimentierfeld und Vorreiter der Serienentwicklung zu fungieren. Mit der Einführung des elektrifizierten Motorsports allgemein und mit dem IBSe für uns als Unternehmen sehe ich eine wirklich große Chance, hier wieder an alte Zeiten anzuknüpfen und wirklich für die Allgemeinheit relevante Entwicklungen voran zu treiben!"

Welche Marktteilnehmer sollten sich deiner Meinung nach dringend mit der IBSe Technologie beschäftigen? Und warum mit LSP?

SZ „Die Serienentwicklung hat hier grundsätzlich – also über alle Player hinweg – noch großen Nachholbedarf, was tatsächlich an den zur Verfügung stehenden Bremssystemen liegt. Zum Glück entwickelt LSP ja auch Lösungen für die Großserie, in die dann natürlich Erkenntnisse aus dem Motorsport einfließen. Unsere Kunden, die OEMs, nutzen wiederum diese Erkenntnisse, die sie in der Formel E bei den Themen Bremsen-Management und Rekuperation gewinnen konnten, ihrerseits in der Vorentwicklung für Serienprojekte. Beide Welten können sich gegenseitig voranbringen – und wir haben den Vorteil, in beiden Welten zuhause zu sein.“

Wann wird die Brake-by-Wire Technologie zur Standardtechnologie in Serienfahrzeugen werden? Wann werden die ersten "normalen" PKW mit IBSe auf den Straßen fahren?

SZ „Das ist tatsächlich schon passiert! Es gibt erste Systeme , z.B. von Bosch und Conti, die bereits in E-Fahrzeugen wie dem BMW i3 oder dem E-Golf verbaut sind. Allerdings sind diese Systeme noch nicht ausgereift und haben den Nachteil, dass die Rekuperation gedeckelt ist. Es wird noch lange nicht so viel Energie zurückgewonnen, wie es Motor und Batterie ermöglichen würden. Mit dem von LSP entwickelten System könnten wir signifikante Vorteile in der Energieeffizienz und eine deutlich erhöhte Reichweite pro Fahrzeugladung generieren. Deshalb arbeiten wir auch mit Nachdruck daran, dieses System mit einem Partner in Serie zu bringen.“

Welche Hürden sind noch zu nehmen? Was sind die nächsten Entwicklungsschritte?

SZ „Die Entwicklung von Serienfahrzeugen ist deutlich komplexer als im Motorsport. Das liegt vor allem daran, dass im Motorsport immer von einem geschulten Fahrer ausgegangen werden kann, der das Fahrzeug gut im Griff hat. Zudem wird das Auto in extrem engen Abständen technisch gewartet – bei Tests und bei Rennen überwachen Renn- und Performance Ingenieure laufend alle wichtigen Parameter des Fahrzeugs. Das heißt: viele Sicherheits- und Diagnose-Features, die ein Serienfahrzeug haben muss, werden von den Ingenieuren vor Ort übernommen. Und hier ist der Mensch noch deutlich schneller im Lernen und Verstehen, als eine neue Software entwickelt werden kann. Trotzdem: Aus unserer Sicht sind wir schon auf dem besten Weg – die Entwicklung eines Serienbauteils braucht einfach nur noch etwas mehr Zeit.“

Als Ideenschmiede ist LSP immer auf der Suche nach der nächsten Innovation bzw. Optimierung. Kann man denn auch das IBSe noch verbessern? Wenn ja, wie?

SZ „Die klassische Motorsportantwort hierauf wäre natürlich: „Leichter, weiter, schneller geht immer!“ Und das ist tatsächlich eine große Triebfeder: Wir überlegen ständig, ob wirklich alle an dem System vorhandenen Teile benötigt werden, oder ob wir vielleicht etwas weglassen oder mit einem leichteren Material umsetzen können. Eine große Stellschraube ist auch immer die Software. Je länger man sich mit dem System beschäftigt, desto größer wird das Systemverständnis, welches wiederum in neuen Regelalgorithmen Verwendung findet und das System somit komplett ohne Hardware-Änderungen besser macht. Für die Saison 7, also die Saison 2020/21 arbeiten wir gerade an einer signifikanten Performance-Steigerung hinsichtlich der Reaktionsfähigkeit des Systems. Denn wer später schärfer bremsen kann, fährt länger schnell – und gewinnt damit Rennen.

Unser größtes Projekt ist momentan allerdings die Vorbereitung für das sogenannte Gen 3 Auto, also das noch zu entwerfende FIA Formel E Fahrzeug ab 2022/23. Hier soll ein neues Bremskonzept verfolgt werden, bei dem nur noch an der Vorderachse eine Reibbremse verbaut ist. Die Hinterachse bremst dann nur noch mit dem Elektromotor. Das erhöht natürlich die Anforderungen an die Zuverlässigkeit der Vorderradbremse. Mit dem uns zur Verfügung stehenden Team weiß ich aber, dass wir auch diese Nuss knacken werden und wieder ein Bremssystem von Weltklasse entwerfen werden. Und wer weiß, vielleicht fahren Sie ja bis dahin schon mit einem LSP Bremssystem im Auto zum Rennen nach Berlin.

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