(openPR) Interview mit Julia Bleser
Wenn Eltern sich trennen, sollte immer das Wohl ihres gemeinsamen Kindes im Mittelpunkt stehen. In etwa 10% aller Scheidungen kommt es jedoch zu einer Eltern-Kind-Entfremdung, die zur Folge hat, dass ein Kind einen ehemals geliebten Elternteil massiv ablehnt. Die Zahl der betroffenen Kinder und entfremdeter Eltern müssen Anlass sein, sich fachlich und menschlich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, um nicht nur die psychischen Folgen für Kinder und betroffene Eltern, sondern auch die gesellschaftlichen Folgen zu verhindern.
Julia Bleser befasst sich seit 2013 mit dem Thema Eltern-Kind-Entfremdung. Sie wurde erstmalig in ihrer eigenen Familie mit dem Thema konfrontiert und unterstützt heute sehr erfolgreich Klienten in ganzheitlicher Bewusstseinsentwicklung sowie Eltern in strittigen Konflikten durch Beratung und Coaching. Mittlerweile hat sie in ihrem Institut in über 4000 Coaching- und Seminarstunden Menschen begleitet und ihr Buch zu der gleichnamigen Coaching Methode „MINDCLEANSE - Fühlen statt denken“ veröffentlicht.
Frau Bleser, bei Ihren Beratungen ist Einfühlungsvermögen und Know-how gefragt. Was ist das Besondere an Ihrer Begleitung der Betroffenen?
"Um Verständnis für einen anderen Menschen und sein Verhalten zu entwickeln, ist es unabdingbar, “gehe in den Schuhen des anderen“ zu praktizieren.
Ich bin selbst betroffene Mutter, die weiß wie sich der Schmerz anfühlt, der mit Entfremdung und einer emotionalen Trennung einhergeht. Ich habe mich deshalb nicht nur in klinischer Psychologie, sondern auch in Persönlichkeitspsychologie, Mediation und Coaching sowie in Konfliktberatung und der Kommunikationspsychologie ausgebildet, um fundiert und professionell helfen zu können.
In den letzten Jahren meiner Arbeit habe ich zusätzlich eine eigene Coaching-Methode MINDCLEANSE® entwickelt, die vom TÜV Nord zertifiziert ist. Als systemischer Bewusstseinscoach fördere ich die Dinge an die Oberfläche, die un- und unterbewusst in meinen Klienten vorhanden sind und u.a. für Selbstwertmangel, Leidensdruck und Ängste sorgen. Das emotionale Gedächtnis und die damit verbundenen Glaubenssätze, gedanklichen Strukturen und Gefühle werden transformiert und Ressourcen aktiviert. Dem Leben eine andere Richtung zu geben, fängt immer im Bewusstsein an. Die Entwicklung vollzieht sich wie in der Natur: von innen nach außen!"
… Wie kamen Sie zum Bewusstseinscoaching?
"Das ist eine spannende Geschichte. Ich bin gelernte PR- und Kommunikationsberaterin. Doch in den letzten zehn Jahren drang ich immer mehr zum Inneren der Menschen vor und habe MINDCLEANSE® entwickelt, um meine Klienten dabei zu unterstützen, sich neu auszurichten. Ziel der Methode ist es, klare Entscheidungen treffen zu können und in die eigene Kraft und Zuversicht zu kommen.
Seit vier Jahren erforsche und studiere ich intensiv die Bewusstseinszustände sowie das Unterbewusstsein von Menschen. Ich habe mich auf Eltern-Kind-Entfremdung und die Beratung getrennter und alleinerziehender Eltern spezialisiert, um dieser für die Gesellschaft so wichtigen Gruppe von Menschen psychologische Unterstützung anzubieten. Zusätzlich verfüge ich über ein Netzwerk mit juristischen Fachleuten, die sich dieser besonderen Thematik ebenso behutsam annehmen."
Was passierte mit entfremdeten Eltern und wie merkt man, ob man selbst davon betroffen ist?
"Familie ist ein fragiles System. Es sollte beschützt und gestärkt und nicht zerstört werden. Doch ist eine Trennung meistens mit starken und negativen Emotionen verbunden und die Kinder leiden unter den Konflikten ihrer Eltern. So übernehmen sie zum Teil die Gefühle eines Elternteils, weil sie entweder bewusst oder unbewusst gegen den anderen Elternteil manipuliert werden. Am Ende einer Eltern-Kind-Entfremdung, die sich über längere Zeiträume vollzieht, kann dann das PA Syndrom (PAS) stehen, welches die zutiefst ablehnende aber vor allem real nicht begründbare Haltung eines Kindes gegenüber einem Elternteil beschreibt.
Das Kind befindet sich in einem Loyalitätskonflikt, den die Eltern durch ihre wechselseitigen oder einseitigen Anschuldigungen massiv fördern.
Der Kinderpsychiater Richard A. Gadner hat PAS erstmals im Jahr 1884 beschrieben. PAS tritt besonders häufig bei Sorgerechtsstreitigkeiten der Eltern auf. Es gibt verschiedene Symptome und verschiedene schwere Formen, die das Kind zeigt:
- Die Zurückweisung bzw. Ablehnung haben keinen real nachvollziehbaren Grund
- Das Kind ergreift die Partei für den beeinflussenden Elternteil ohne weitere Abwägung
- Das Kind übernimmt die Szenarien des manipulierenden Elternteils als eigene Wahrheit
- Die Meinung wird betont als eigene Meinung benannt
- Die Feindseligkeit wird auf die gesamte Familie des betroffenen Elternteils ausgedehnt
- Das Kind äußert z.T. massive Vorwürfe, um seine Position/Haltung zu untermauern, die auf weitere Nachfrage als nicht haltbar einzustufen sind
Was können Betroffene tun?
"Wenn einem Elternteil das Liebste genommen wird, steht man erst einmal vor dem Nichts. Das Ohnmachtsgefühl ist allumfassend. Es entsteht zu der Angst natürlich auch eine Scham. Doch entfremdete Eltern sind keine Einzelfälle. Es gibt so viele Elternteile, die jeden Tag ihre Kinder vermissen müssen. Wichtig ist, dass die Betroffenen sich Hilfe holen, in Foren oder auch durch professionelle Unterstützung und Beratung. Hier können Freunde und Familie leider nicht wirklich qualifiziert helfen, weil auch sie an ihre Grenzen stoßen.
Eine Rechtsberatung, die auf Kindschaftsrecht spezialisiert ist, hilft bei den Fakten. Denn häufig stehen Anschuldigungen im Raum, die rechtsmäßig entkräftet werden müssen. Sich Hilfe zu holen, hilft bei der Verarbeitung der schmerzlichen und zum Teil traumatisierenden Erfahrungen, aber auch dabei, eine andere Sichtweise auf die Dinge zu erlangen. Denn die Eltern ebenso wie die betroffenen Kinder müssen ja weiterleben. Und da sich diese Prozesse und eine Eltern-Kind-Entfremdung meist über Jahre hinziehen, ist es für die psychische Gesundheit wirklich wichtig, die Emotionen anzuschauen und zu bearbeiten. Sonst setzen sie sich nicht nur im emotionalen Gedächtnis, dem lymbischen System fest, sondern auch in den Zellen.
In meinen Beratungen gebe ich den Eltern Raum, sich offen über ihren Fall, aber vor allem über ihre Emotionen zu denen auch Wut und Ärger gehören dürfen, auszutauschen. Im Coaching eröffne ich ihnen klare Möglichkeiten mit diesen Emotionen umzugehen und sie anders zu kanalisieren. Denn mir liegt am Herzen, dass diese Eltern stabil bleiben, weil die eines Tages wieder auf ihre Kinder treffen werden und ihnen sicherlich dann eine mentale Stütze sein müssen.
Wichtig ist, dass sich die Betroffenen nicht zurückziehen, sondern sich aktiv Unterstützung bei Experten holen."
















