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„Die ist doch nur schlecht erzogen“: Autismus bei Mädchen und Frauen

07.02.202010:37 UhrGesundheit & Medizin
Bild: „Die ist doch nur schlecht erzogen“: Autismus bei Mädchen und Frauen

(openPR) RAVENSBURG – Autismus wird bei Mädchen und Frauen oft erst spät entdeckt. Der wahre Grund für Depressionen, Ängste und soziale Probleme bleibt so unerkannt. Das führt bei den Betroffenen zu einem jahrelangen Leidensdruck vor der quälenden und unbeantworteten Frage: Was stimmt nur nicht mit mir?



Diagnose als Erleichterung

Anja Pluto war schon 40 Jahre alt, als sie die Diagnose Autismus bekam. Für die Ravensburger Ärztin war diese Nachricht eine Erleichterung, erklärte sie doch endlich die ganzen Probleme, die sie ihr Leben lang privat und beruflich begleitet hatten. Dabei habe sie selbst schon im Kindergarten gemerkt, „dass ich anders bin“. Auch in der Schule war es schwer, Anschluss zu finden. „Ich hatte immer Angst vor den Pausen.“ Die Pubertät? Schwierig. Und am Berufseinstieg nach dem Studium scheiterte sie mehrfach – ohne zu wissen warum. „Jetzt habe ich eine Antwort.“

Depressionen & Co. treten in den Vordergrund

Mit ihrer späten Gewissheit ist Anja Pluto nicht allein. Während eine Autismus-Spektrum-Störung bei Jungen meist spätestens im Laufe der Schulzeit auffällt, bleibt zum Beispiel das Asperger-Syndrom bei Mädchen oft lange unerkannt. „Weil sie es besser schaffen, ihre Symptome nach außen hin zu verbergen“, erklärt Prof. Dr. Michele Noterdaeme, Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie im Josefinum Augsburg. Und so sind es meistens nur so genannte komorbide Störungen, die den Autismus begleiten, wie ADHS, Ängste oder Depressionen, die bei Mädchen diagnostiziert werden. „Man sieht das Verhalten, man sieht aber nicht, was dahinter steckt.“ Zudem besteht das erhöhte Risiko, durch die Außenseiterrolle zum Mobbingopfer zu werden.

Fachtag in Ravensburg

Um darüber aufzuklären, hat sich der diesjährige Fachtag des Kompetenznetzwerkes Autismus Bodensee-Oberschwaben mit rund 300 Teilnehmenden im Ravensburger Berufsbildungswerk der Stiftung Liebenau dem Thema „Autismus bei Mädchen und Frauen“ gewidmet. Dabei informierten Expertinnen wie Michele Noterdaeme sowie wie der Berner Psychologe Matthias Huber oder die Schriftstellerin Renata Jurkévythz, die selbst von Autismus betroffen sind, darüber, wie sich die therapeutische Arbeit bei Mädchen und Frauen gestaltet oder wie die Welt aus Sicht einer autistischen Mutter aussieht. Und eben darüber, warum Autismus bei Mädchen oft nicht als Autismus wahrgenommen wird.

Mädchen passen sich vordergründig an

Ein Grund: Bei Jungen treten die typischen Symptome offensichtlicher zu Tage: Verhaltensauffälligkeiten, Schwierigkeiten in der non-verbalen Kommunikation oder beim Aufbau sozialer Beziehungen. „Mädchen gelingt es im Alltag oft, sich vordergründig anzupassen“, so Noterdaeme. Stereotypien seien bei ihnen nicht so ausgeprägt, die Symptome und Sonderinteressen sozial kompatibler und weniger „eigenartig“, als bei männlichen Autisten. Tritt dann aber doch auffälliges Verhalten auf, wird dieses fälschlicherweise nicht auf Autismus zurückgeführt – nach dem Motto: „Die ist doch nur schlecht erzogen.“

Andere Wahrnehmung

Ein Satz, den betroffene Mütter und Väter leider oft hören, wie Katharina Kraft, Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Liebenauer St. Lukas-Klinik, weiß. In der dortigen Eltern-Kind-Station werden Familien dabei unterstützt, den Alltag mit ihrem autistischen Kind gut zu meistern – trotz dessen anderer Wahrnehmung der Umwelt. „Autismus bedeutet, die gleichen Augen, Ohren und Nasen zu haben, aber die ankommenden Sinnesreize anders zu verarbeiten und deshalb anders zu sehen, hören und fühlen.“

„Wenn die Autismus haben, habe ich das auch“

Für Anja Pluto blieb das lange, ungeklärte Anderssein auch nach ihrem Medizinstudium ein Problem. Sie setzte sich unter Druck, überforderte sich. „Die Belastung im Beruf hat mich völlig aufgefressen.“ Hilfe von außen? Fehlanzeige. „Ich musste mir von Therapeuten so einiges anhören.“ Nur auf Autismus kam niemand. Das musste sie quasi selbst herausfinden. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, in ihrem gelernten Beruf als Ärztin Fuß zu fassen, jobbte sie als Kleinbusfahrerin für eine Gruppe junger Menschen mit Handicap, darunter mehrere Autisten. Pluto ging plötzlich ein Licht auf: „Wenn die Autismus haben, dann habe ich das auch.“ Über Umwege kam sie zur Diagnostik ins Ravensburger Berufsbildungswerk (BBW), wo ihre Ahnung bestätigt wurde: Ja, sie hat ein Asperger-Syndrom.

Diagnose plus Jobangebot

Und neben der Diagnose bekam sie gleich auch noch ein Jobangebot. „Wenn nicht hier, wo dann?“, so Dr. Stefan Thelemann, Leiter des Fachdienstes Diagnostik und Entwicklung im BBW. Denn dort werden junge Menschen mit besonderem Teilhabebedarf fit gemacht für den Berufsstart. Rund 140 davon haben eine Autismus-Spektrum-Störung. Nun will Anja Pluto ihre Erfahrungen an die jugendlichen Auszubildenden weitergeben und diese auf dem Weg ins Arbeitsleben unterstützen.

Das berufliche Umfeld muss stimmen

Bei ihr selbst hat die berufliche Wende geklappt – dank eines behutsamen Einstiegs, einer schrittweisen Steigerung des Arbeitspensums und strukturierten Arbeitstagen. „Das kommt mir sehr entgegen“, sagt Anja Pluto, die offenbar das für sie optimale Umfeld endlich gefunden hat. „Hier kann ich authentisch sein, und der Umgang ist wertschätzend und respektvoll.“

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Weitere Infos zum Angebot der Stiftung Liebenau im Bereich Bildung finden Sie unter www.stiftung-liebenau.de/bildung.
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