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Interview: IoT – Chancen und Potenziale für den Mittelstand

Bild: Interview: IoT – Chancen und Potenziale für den Mittelstand
Jörg Heinemann ist sich sicher: Smart Home ist in Haushalten schon bald Realität. Bild: Otto
Jörg Heinemann ist sich sicher: Smart Home ist in Haushalten schon bald Realität. Bild: Otto

(openPR) Das Internet of Things (IoT), Connected Home oder Smart Home sind neben Künstlicher Intelligenz die wichtigsten IT-Trends der letzten Jahre. Bettina Bartz, Leiterin des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums eStandards, führte dazu mit dem IoT- und Smart-Home-Experten Jörg Heinemann, Principal Innovation & Digitalisation bei OTTO und Business Owner OTTO ready, ein Interview. Darin stellen wir kleinen und mittelständischen Unternehmen vor, welche Chancen sich hinter IoT verbergen und wie sie erfolgreich genutzt werden können.



Bettina Bartz: Herr Heinemann, was kann sich der Endanwender unter IoT vorstellen?

Jörg Heinemann: IoT, also das Internet der Dinge, ist derzeit das digitale Buzzword schlechthin und bedeutet, dass Dinge miteinander vernetzt sind. Im Haus können wir so zum Beispiel über das Smartphone oder per Smart Speaker unsere Lampen, den Herd, die Musikanlage oder auch die Heizung steuern. Wenn es dunkel wird, schaltet dann das Smart-Home-System automatisch die Lichter an, spielt Klaviermusik und heizt das Wohnzimmer vor, wobei das Schlafzimmer kühler bleibt. Das vollvnernetzte Haus wird mit IoT zur Realität.

B.B.: Neben einem gesteigerten Komfort, welchen Nutzen zieht der private Anwender aus IoT und wie überzeugen Sie ihn davon?
J.H.: Vorrangig bringt IoT natürlich erst einmal mehr Komfort, da ich mich um einige Dinge nicht mehr selbst kümmern muss. In zweiter Linie sorgen IoT und Smart Home aber auch für mehr Sicherheit, etwa durch vernetzte Kameras.

B.B.: Wie ordnen Sie aktuell die Relevanz von IoT in Deutschland im internationalen Vergleich ein?
J.H.: In den letzten Jahren ist viel passiert. Vor allem Sprachassistenten wie Alexa oder Google Assistant lassen den Smart-Home-Sektor sehr stark wachsen, da sich durch Sprachsteuerung ganz neue Möglichkeiten bieten. Immer mehr Hersteller öffnen sich dafür. Gleichzeitig gibt es durch die Fokussierung auf Alexa, Google Assistant und Apple Homekit immer weniger Insellösungen am Markt. Davon profitiert der Kunde, der schon heute fast alle smarten Geräte einfach miteinander verbinden und einheitlich zentral steuern kann – auch per Smart Speaker. Jeder vierte Haushalt in Deutschland hat übrigens mittlerweile einen oder mehrere Smart Speaker im Einsatz. Global betrachtet liegen die USA und Asien allerdings mit großem Abstand vorne.

B.B.: Da fällt mir direkt der Datenschutz ein. Der ist aktuell ein kontrovers diskutiertes Thema. Es gibt große Unsicherheiten und Unkenntnis bei den potenziellen Anwendern. Insbesondere gilt dies für die Speicherung, Verarbeitung und Weitergabe der Daten. Können Sie diese Bedenken zerstreuen?
J.H.: Smart Home und IoT funktionieren nicht ohne Datenverkehr, so viel steht fest. Jeder Verbraucher muss sich also selbst fragen, welche Dienste er nutzen möchte – und wie hoch die Bereitschaft ist, für maßgeschneiderte, bessere Services eventuell etwas von sich preis zu geben. All das ist ein sehr individuelles Abwägen von Chancen und Risiken. Für mich steht fest: In Deutschland verlieren wir an diesem Punkt gerade an Wirtschaftskraft, da wir vor allem auf die Risiken schauen.

B.B.: Welchen Rat würden Sie in diesem Aspekt mittelständischen Unternehmen geben? Was sind die Chancen? Welche Mehrwerte ergeben sich durch den Einsatz von IoT für den deutschen Mittelstand?
J.H.: Unsere industriellen Hidden Champions könnten durch IoT vor allem im Wartungsbereich viel einsparen – Stichwort: Predictive Maintenance. Die Unternehmen können dabei über bestehende Cloud-Plattformen und Sensoren, die mit bestehenden Funkstandards arbeiten, ihre Maschinen aus der Ferne warten oder Systemlücken in Echtzeit erkennen. In punkto Datenschutz hätten deutsche Unternehmen aufgrund der hohen Qualitätsstandards hier sicher die Nase vorn.

B.B.: Nochmal zurück zum privaten Anwender. Kunden wollen in der Regel nicht mit so vielen Apps hantieren. Gibt es Standards, die die Geräte verbinden? Was muss noch vernetzt werden?
J.H.: Ganz klar: An Alexa, Google Assistant und Apple Homekit kommt keiner vorbei. Der Dienst IFTTT ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig, denn er stellt zwischen hunderten von Geräteherstellern und Serviceanbietern individuelle Verknüpfungen her. CONRAD CONNECT stellt als IoT-Plattform für smarte Lösungen für Privatanwender und Unternehmen einen ähnlichen, jedoch weit komplexeren, Dienst zur Verfügung.

B.B.: Wie sieht die Zukunft des IoT aus? Was dürfen wir noch erwarten?
J.H.: In den nächsten fünf Jahren werden digitale Assistenten immer mehr Fähigkeiten erlernen und dadurch auch in immer mehr Lebensbereichen Aufgaben übernehmen können. Ich schätze hier das Wachstum als sehr hoch ein. Haupttreiber sind die immer bessere Natural Language Recognition sowie immer größere Datenmengen, die mit Künstlicher Intelligenz kombiniert werden. Mittel- bis langfristig werden unsere Geräte somit wirklich zu Assistenten, die im Haus, aber auch unterwegs alles für uns regeln können, was wir denn wünschen.

Möglich macht dies die fortschreitende Vernetzung auch solcher Geräten, die heute noch mehrheitlich offline sind, etwa Wasch-, Kaffee- oder Spülmaschinen. Zukünftig werden all diese Geräte serienmäßig ein Vernetzungsmodul haben und so zum Teil des Internet of Things. Sprachsteuerung und automatische Bestellungen, etwa von Kaffee, Spültabs oder anderen Verbrauchsmitteln, werden dann endgültig zum Standard. Diese automatisierten Prozesse wiederum haben großen Einfluss auf die Wertschöpfungskette, die völlig neue Absatzstrategien für Händler und Hersteller ermöglicht. Ich gehe davon aus, dass spätestens 2035 Geräte ohne Vernetzungsoption ausgestorben sind.

B.B.: Welche Chancen gilt es, für den deutschen Mittelstand zu ergreifen?
J.H.: Erst einmal täte es Deutschland gut daran, nicht nur die Risiken zu sehen, sondern auch Chancen und Potenziale zu erkennen. Ich kann deutschen Unternehmen nur raten über den Tellerrand zu schauen, IoT als Chance wahrzunehmen und „out of the box“ zu denken. Was im Windschatten der Digitalisierung schon heute in einigen asiatischen Ländern, aber auch in den USA, passiert, ist hochinteressant. Hier droht Deutschland den Anschluss zu verpassen – ein Paradebeispiel dafür ist meiner Meinung nach der schleppende Start ins 5G-Netz.

B.B.: Vielen Dank für diesen emotionalen Appell an die Chancen, die Unternehmen ergreifen können. In eigener Sache: Es ist natürlich so, dass das Bundeswirtschaftsministerium mit zahlreichen Initiativen daran arbeitet, wie es den Wirtschaftsstandort Deutschland in dieser Hinsicht stärken kann, wie zum Beispiel auch wir mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards. Wir nehmen den Aufruf, IoT als Chance zu erkennen, gerne auf und informieren zu diesen Themen, begleiten kleine und mittelständische Unternehmen – auch in Hinsicht auf neue Geschäftsmodelle. Wir unterstützen sie dabei, mutig nach vorne zu gehen!

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