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Halbschatten 02

17.09.201909:25 UhrKunst & Kultur
Bild: Halbschatten 02
Maja Rohwetter,
Maja Rohwetter, "quirk", 2014, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm, Foto: © Maja Rohwetter (VG Bild Kunst)

(openPR) Standbein – Spielbein
In drei Ausstellungen der Reihe „Standbein – Spielbein“ vom 2. August bis 22. Dezember wird der Kunstverein Neukölln seine Ausstellungsräume um drei verschiedene externe Orte erweitern. Das Standbein Kunstverein umfasst den Kern der Ausstellung, das Spielbein bildet eine temporäre Erweiterung des Konzeptes. Nachdem wir den Sommer mit dem «Schimmern» im FUNCK[ ]RAUM begonnen haben, gelangen wir gegenwärtig über den «Halbschatten» in die Neukölln Arcaden und schließen im November mit dem „Totentanz“ auf dem St. Thomas Friedhof unsere Reihe ab. Die Ausstellungen werden durch Führungen an den Hauptausstellungsort angebunden, so dass die einzelnen Werke im Kontext vorgestellt werden.



Halbschatten 02
Künstler*innen: Ana Cantoni / Paula Carralero Bierzynska / Sid Gastl / Sebastian Gumpinger / Anne Lentz / Werner Liebmann / Efraín Mojica / Maja Rohwetter / Max Sudhues

Vernissage: Freitag, 27. September 2019, 19.30 Uhr
Führung: Sonntag, 29. September, 6. und 13. Oktober 2019, 17 Uhr
Finissage mit Performance von Sebastian Omatsch: Sonntag, 13. Oktober 2019, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 28. September bis 13. Oktober 2019

Ausstellungsort: Neukölln Arcaden, Karl-Marx-Str. 66, 12043 Berlin
Straßenzugang separat unter der Hausnummer 66
Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag: 16 bis 20 Uhr

Halb im Verborgen, verdeckt, nicht ganz greifbar, schemenhaft, diffus und verstohlen - der Halbschatten. Mit Abnahme des Lichts treten rätselhafte Gestaltungen und Schattierungen hervor, die ihre Umgebung in ein nebulöses Etwas tauchen. Vage Vorstellungen brechen sich vor des Betrachtenden Auge Bahn, verschwommene Wahrnehmungen, die sich zu wundersamen Gebilden und Strukturen herausbilden. Sie regen uns an, lassen die Phantasie des Ungewissen ins Spiel kommen. Dabei sind es teils nur leichte Nuancen, ein Hauch - schon entsteht das irritierende Gefühl, das Konkrete nicht mehr greifen zu können. Es sind nur Ahnungen vom Sichtbaren. Im Halbschatten finden sich die Zwischentöne des feinen Übergangs vom Licht ins Dunkel, entsteht eine eigene kleine Welt, der sich die Doppelausstellung mit verschiedenen künstlerischen Positionen annehmen wird.

Halbschatten 02
Ana Cantoni erobert sich den Raum mit ihrer ortsgebundenen Installation. Fragile Komponenten werden in ihrer Arbeit zu abstrakten Konstruktionen arrangiert, die urbane und natürliche Assoziationen hervorrufen. Ihre Installationen enthalten komplexe und expansive Elemente, die einen Anspruch auf den physischen Raum erheben.

Paula Carralero Bierzynska, Anne Lentz und Werner Liebmann: Ein Zusammentreffen von drei Maler*innen und zwei Farben, die in einer gemeinsamen Arbeit auf das Zusammenspiel von Licht und Schatten, hell und dunkel, eingehen. In einer Melange aus Miteinander und Auseinanderdriften reagieren die Künstler*innen raumbezogen aufeinander, beeinflussen sich. Das eigenständige Werk ist in dieser Prozessarbeit nicht mehr auszumachen. Ein turbulentes Konglomerat der verschiedenen Ausdrücke durchmengt sich in einem unvorhersehbaren Verlauf an den Fensterfronten. Durch die im Raum entstehenden Schatten sind die wirren Farbspiele in einer ständigen Bewegung, wodurch sich die Raumsituation fortlaufend verändert. Der Blick hoch von der Straße verlockt und verspricht mehr zu entdecken. Hereinspaziert!

Sid Gastls Bilder muten wie erdachte ortlose Orte mit gigantischen, riesigen Himmeln an, die in spektakulären Farben übergangslos in den Boden überzugehen scheinen. Surreal ist die Bildmitte mit einem bequemen Sitzmöbel ausgestattet, inmitten der menschenleeren, unwirtlichen Umgebung. Das Angebot an die Betrachtenden: Nehmen Sie Platz. Auch hier: keine Geschichte, dafür die Aufforderung sich in diesen imaginären Raum zu begeben, die Gedanken schweifen zu lassen, abzurücken aus dem Jetzt an einen zeitlosen Traum-Ort.

Sebastian Gumpingers «steel paintings» sind abstrakte Kompositionen, in denen die Linie zu einer Art Gravur wird. Aus der Ölmalerei kommend, hat sich Gumpinger aus dem klassischen Arbeitsfeld herausemanzipiert und führt seine «Malerei» mittlerweile ausschließlich auf Stahl- und Kupferblechen fort, die ihm die Leinwand als Medium ersetzt haben. Nicht der Inhalt oder das Malen selbst zählen, sondern zuallererst die Auseinandersetzung und Beziehung zum Material, aus dem er mit dem Winkelschleifer ungegenständliche Gebilde formt. Was sich den Besucher*innen darbietet, sind schimmernde, flimmernde Bilder, deren neuartige Effekte sich - je nach Standpunkt - bis hin zu einer dreidimensionalen Ebene entwickeln. Es sind die leichten Untertöne des verstohlenen Scheins, die das Auge reizen.

Efrain Mojicas Skulptur könnte eine Reminiszenz an das böse Auge sein. Wild zuckende und umherschießende Blitze tosen um eine Glasskulptur und verlieren sich im transluzenten Gegenüber. Mojica reizt die Betrachtenden mit seinen gleißenden Farbspielen. Es flimmert und zittert rund ums gläserne Auge. Vage Vorstellungen von einem unheilvollen, dunklen Ort ziehen auf. Dabei will der aus Mexiko stammende Künstler gar nicht in Angst und Schrecken versetzen. Sein Interesse beruht vielmehr im Verhältnis zwischen der inneren Schwingung der Materie und ihrer Verbindung zu den Beobachtenden und der Umgebung, die er mittels Projektion herstellt. Das Ergebnis sind Lichtmelodien, die das unsichtbare Spektrum des Raumes zwischen uns verkörpern.

Maja Rohwetters Arbeiten beziehen sich auf Seherfahrungen aus der virtuellen und der realen Welt und stellen «innere Landschaften» aus beiden Welten dar. Das Gefühl der Desorientierung zelebriert den freiwilligen Kontrollverlust. Scheinbar ungegenständliche und ungreifbare Bildelemente treten als unscharfe Farbklumpen, streifige Schlieren oder antiseptisch cleane Oberflächen im Vordergrund hervor und bilden ein verdichtetes Konglomerat von Malerei auf einem räumlich wirkenden Untergrund. Abbildungen von diffusen Realitäten außerhalb der Tatsächlichkeit schaffen rätselhafte Illusionen, die den Betrachtenden vor Fragen stellen, statt Geschichten zu erzählen: Es ist die Bewusstwerdung, dass Jede*r für die Schaffung der eigenen Realität selbst zuständig ist.

Max Sudhues untersucht in seiner Installation den Zwischenraum in der Mitte von Analog und Digital, Schatten und Licht, die Konturen altbekannter Dinge vor unbekanntem Hintergrund, transformiert Alltagsmaterial. Radikal raumbezogen interveniert er in eine «Unsituation», einen Ort von allerlei Hinterlassenem, der eigentlich versteckt und unsichtbar vor Blicken verborgen, zu seinem künstlerischen Zentrum wird und transformiert diesen mittels Lichtprojektionen in eine Halbwelt voll allegorischer, bewegter, aufflackernder Bildwelten im Spannungsfeld zwischen Emotion, Technik, Gesellschaft und Natur. Deren Ursprung ist sichtbar, aber nicht mehr völlig klar; es sind verwundernde, verstörende Ahnungen, die der Umgebung einen geheimnisvollen, nebulösen Schein verleihen, eine Bühne aus Licht und Schatten, auf der sich alles diffus diffundiert und so eine kleine, neue, andere Erzählung entstehen lassen.
Die Ausstellung wird kuratiert von Rebekka Hofmann.

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