(openPR) Es ist fünf vor zwölf! Als Reaktion auf die zunehmende Dringlichkeit des Klimawandels fördert die Europäische Kommission mehrere Klima- und Energieprojekte, um die Treibhausgasemissionen (THG) bis 2050 um 80-95 % gegenüber 1990 (BMWi 2015) zu senken. Doch die Energiewende muss viel schneller vorankommen, damit die gesteckten Klimaziele erreicht werden. Was die Fridays-for-Future-Bewegung von jedem einzelnen von uns fordert, wurde im Projekt ENERGISE bereits seit 2016 über 3 Jahre hinweg europaweit erforscht. Durch Energiesparen im Alltag kann jeder maßgeblich dazu beitragen, die notwendigen Klimaziele zu erreichen und die „Energiewende von unten“ voranzubringen.
Unter der Leitung von Prof. Henrike Rau, die im Department für Geographie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zu Nachhaltigkeitsthemen forscht, hat ein Forscherteam für das Projekt ENERGISE den Energieverbrauch in privaten Haushalten untersucht. ENERGISE wurde über das Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizon 2020“ der Europäischen Union finanziert und fand außer in Deutschland noch in 9 weiteren europäischen Ländern statt (http://www.energise-project.eu/).
Ausgangspunkt der Forschung war die Fragestellung, ob und wie der Energieverbrauch im Haushalt durch die Veränderung von Alltagspraktiken gesenkt werden kann. Dafür wurden zunächst über 1000 bereits abgeschlossene Energiesparinitiativen in Europa ausgewertet und die Ergebnisse anschließend als Grundlage für die ENERGISE-Energiesparinitiative verwendet. Ein Umdenken der Menschen im Alltag in Richtung „weniger ist mehr“ und Energiesparen ganz ohne technische oder smarte Hilfsmittel standen dabei an erster Stelle. ENERGISE stellte den größten Energiefresser im Haushalt in den Mittelpunkt: Heizen verursacht bis zu 70 % des gesamten Energieverbrauchs im Haushalt, womöglich weil es so wenig bewusst und oft nebenbei geschieht. Dem gegenüber ist das Wäschewaschen eine typische und sehr erfahrbare Hausarbeit, die besonders in Mehrpersonenhaushalten täglich Thema ist.
Die Forschung im Alltag der Test-Haushalte
Das ENERGISE-Forscherteam Deutschland rund um Prof. Henrike Rau wählte mit lokaler Unterstützung der Bürgerstiftung „Energiewende Oberland“ 40 Haushalte im bayerischen Oberland aus und stellte ihnen je zwei Aufgaben: zum einen, die Anzahl der üblichen Waschgänge über einen Zeitraum von vier Wochen um die Hälfte zu reduzieren und zum anderen, eine durchschnittliche Raumtemperatur von 18 °C während der Heizsaison vier Wochen lang nicht zu überschreiten.
Fazit: Jeder kann im Alltag eine Menge Energie sparen
Die Ziele waren hoch gesteckt und konnten von keinem der Test-Haushalte unter realen Alltagsbedingungen erfüllt werden. Der zweite Blick auf die ENERGISE-Forschungsergebnisse zeigt jedoch große Energiesparerfolge:
- Im Durchschnitt wurde die Raumtemperatur um 1,2 °C gesenkt.
- Die Anzahl der 40 °C-Waschgänge wurde um 34 % gesenkt,
die der 60 °C-Waschgänge sogar um 39 %.
- Der Gesamtenergieverbrauch für Wäschewaschen reduzierte sich von durchschnittlich 343 kWh auf 246 kWh pro Monat.
Allein durch diese Veränderungen haben die Test-Haushalte rund 30 % der sonst verbrauchten Energie eingespart. Die „Energiewende von unten“ setzt sowohl ein Umdenken als auch ein Andershandeln der Menschen im Alltag voraus, resümiert Prof. Rau. ENERGISE hat gezeigt, dass viele Alltagsgewohnheiten schwer zu ändern sind. Aber auch, dass es sich lohnt neue energiesparende Praktiken auszuprobieren. Wenn man bedenkt, dass 30 % des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland auf private Haushalte zurückzuführen sind und davon bis zu 70 % auf den Posten Heizen gehen, machen kleine Veränderung dann doch einen großen Unterschied.
Wirklich wertvolle Umwelt-Tipps sind tatsächlich, Kleidung seltener und weniger heiß zu waschen und statt einer Vollbeheizung der gesamten Wohnung den Körper lieber erst mal direkt mit einem kuscheligen Pulli und einer Tasse Tee zu wärmen.
Die goldenen Umwelt-Tipps, die erwiesenermaßen im Alltag nicht nur viel Energie einsparen, sondern auch bares Geld:
Heizen
- Mehrere Lagen an Kleidung tragen
- Dicke Socken anziehen
- Hausschuhe tragen
- Jacke oder Weste anziehen
- Kuscheldecken und Wärmflaschen
- Tee und warme Gerichte
- Kerzen anzünden
- Sport treiben
- Aufenthalt in den wärmeren Bereichen der Wohnung
- Fußbad nehmen
- Früh(er) schlafen gehen
Waschen und Wäsche
- Kleidung auslüften
- Verunreinigungen abbürsten
- Flecken entfernen ohne Waschen
- Kleidung mehrmals tragen
- Kleidung für zu Hause zulegen
- Dunkle Kleidung tragen
- Schürze beim Kochen tragen
- Schutzschicht unter der Oberbekleidung tragen
- Waschgänge hinauszögern und Maschine ganz befüllen











