(openPR) Eines der gängigen Themen im Bereich Arbeit mit dem Pferd ist das Thema „Vorwärts“. Schwungvoll, von hinten nach vorne, über den Rücken. Die Realität schaut häufig anders aus: Pferde, die Mühe haben, von der Stelle zu kommen, die klemmig sind und gegen den Schenkel gehen. Passend dazu dann der Reiter, der sich abmüht und plagt und nicht so recht durchkommt. Leichtigkeit, Spaß und Harmonie sehen anders aus, das Pferd läuft zunehmend auf der Vorhand. Die Ursache kann hier ganz klein sein und trotzdem eine große Wirkung haben: Unser Blick, denn…. Da, wo wir hinschauen, da geht es auch hin.
Häufig lässt sich folgendes beobachten: Viele Reiter schauen immer wieder gerne und mit schöner Regelmäßigkeit nach unten. Sie fixieren mit den Augen die Schulter ihres Pferdes, letztlich, um etwas mehr Kontrolle zu haben. Über das Pferd und vielleicht auch über sich selber. Sie „überwachen“ sozusagen das Laufen.
Was heißt denn „ich fixiere etwas“. Fixieren heißt zum einen „etwas unverwandt ansehen“. Zum Beispiel die Schultern des Pferdes beim Laufen. Es heißt aber auch „die Aufmerksamkeit, das Interesse allein auf eine einzige Sache zu richten (und dadurch andere Aspekte, Alternativen o. Ä. außer Acht lassen)“. Das Wort an sich kommt, wie so viele Wörter, aus dem Lateinischen „fixare“ und das bedeutet „festmachen“.
Zähe Pferde, ackernde Reiter
„Wenn ich so auf den Reitplätzen unterwegs bin, begegnen mir durchaus häufig Reiter, die Mühe haben, ihre Pferde vorwärts zu bekommen. Da wird dann gerne mal mit dem Schenkel geklopft oder auch mal mit der Gerte gewedelt.“, sagt Birgit Heigel von Reitercoaching. Der Effekt ist aber entweder der Gegenteilige oder hält nicht lange an. Da wird möglichst abwechslungsreich gearbeitet, damit es nicht langweilig wird und die Motivation erhalten bleibt. Der Sattel wird gecheckt, Physio gemacht und die Kraftfutterportion erhöht. Das Pferd kommt trotzdem nur bedingt von der Stelle. Und die Reiter sitzen mit gesenkten Köpfen auf ihren Pferden, den Blick nach unten gerichtet.
Pferde, die Probleme damit haben in Schwung zu kommen bringen ihre Reiter dadurch noch mehr in Nöte. Die strampeln sich immer mehr ab, treiben, was das Zeug hält, machen sich fest, schieben. Und schauen feste nach unten. Wie reagiert das Pferd? Es macht sich noch fester, drückt den Rücken weg, geht immer mehr gegen den Schenkel oder reagiert gar nicht mehr darauf. Es fällt zudem immer mehr auf die Vorhand. Der Reiter ackert und ackert.
Der Blick leitet die Aufmerksamkeit und damit das Pferd
Was ist passiert? Warum helfen alle Maßnahmen dagegen nicht oder nur bedingt. Unser Blick leitet die Bewegung ein. Das ist nichts Neues. Also…. Dahin, wo man blickt, da geht der Weg hin. Wenn man jetzt also regelmäßig und intensiv nach unten sieht, geht die Aufmerksamkeit natürlich auch nach unten. In den Boden. Pferde folgen immer der Aufmerksamkeit des Menschen, weil die die Energie leitet. Und in diesem Falle…. nach unten in den Boden. Das Pferd wird also fixiert und der Reiter wundert sich, dass es immer weniger vom Fleck kommt. Wenn jetzt immer mehr getrieben, also mit dem Schenkel und mit dem Becken immer mehr Druck erzeugt wird, geht das Pferd immer mehr dagegen. Es steckt sich immer mehr. Druck erzeugt Gegendruck. Und die Energie kann eben nicht nach vorne raus. Der Weg ist versperrt.
Nochmal zurück zum Anfang des Artikels: übersetzt bedeutet das also: „Wenn du dich beim Reiten auf die Schultern deines Pferdes fixierst, richtest du damit deine Aufmerksamkeit allein auf eine einzige Sache (das Laufen) und dir entgehen dadurch andere, vielleicht wichtige Aspekte und Alternativen (zum Beispiel ein Hindernis, das auf dem Weg plötzlich auftaucht, ein Baum mit leckeren Äpfeln oder der Schlepper, der dir auf dem Weg entgegenkommt). Zusätzlich hältst du das Pferd fest. Du „drückst“ es vor dir auf den Boden und wunderst dich vielleicht, dass es immer langsamer und zäher wird. Ein freies, schwungvolles Vorwärts wird für das Pferd schwer möglich.“
Alles im Blick haben
Dieser Blick nach unten resultiert oft aus einer Unsicherheit des Reiters heraus. „Alles im Blick haben“ bedeutet ja auch, rechtzeitig zu sehen, wenn was schief läuft oder vielleicht sogar gefährlich ist. Für viele ist es wichtig, diese Kontrolle zu haben. Über sich und das Pferd. Was damit aber in Vergessenheit gerät, weil es eben nicht mehr im Fokus ist, ist der Weg, bzw. das Ziel. Die Aufmerksamkeit ist ja wo anders.
Der Blick nach unten hat also noch eine weitere Konsequenz: Das Pferd mag nicht nur nicht so recht vorwärts, sondern es landet auch nicht wirklich da, wo der Reiter eigentlich hinwill. Wenn beispielsweise eine Bahnfigur korrekt ausgeführt sein soll, ist es wichtig, die Punkte der Bahn und die Linie zu fokussieren, die es dafür braucht. Mit dem Blick nach unten ist das immer nur so ein irgendwie Genau.
Allerdings bedeutet das Abwenden des Blickes vom Pferd, dass man es loslässt. Ein Stück weit die Kontrolle aufgibt und dem Pferd zugesteht, seinen Teil der Verantwortung selbst zu tragen. Das wiederum hat ganz viel mit Vertrauen zu tun. Und zwar in erster Linie mit Selbstvertrauen. „Ich habe alles im Griff und ich kann mögliche Probleme lösen, trotzdem ich nicht hinschaue.“ Das fällt so spontan durchaus mal nicht so leicht. Das ist aber ganz normal. Das braucht ganz einfach Übung und Gewöhnung. Das kann man aber richtig gut lernen.
Mit ein bisschen mehr Wissen um die Macht und Wirkung unserer Blickrichtung, lässt sich auf leichte und relativ problemlose Art und Weise da wieder Schwung reinbringen.
Schau hin, wo du hinwillst
Was ist also zu tun, um hier eine Veränderung hineinzubekommen. Wieder ins Vorwärts zu kommen. Ganz einfach. Als erstes ….. den Kopf heben. „Überlege dir, wo du denn überhaupt hinwillst und dann richte deinen Blick darauf.“, weist Birgit Heigel ihre Kunden an. „Überlege das nicht nur einmal, sondern in jeder Sekunde. Du bist ja in Bewegung. Also ändert sich dein Ziel auch immer wieder.“ Wird die Aufmerksamkeit nach vorne gerichtet, fängt die Energie, die zuvor durch den nach unten gerichteten Blick festgehalten war, wieder an zu fließen. Wichtig ist es, nicht wieder ins Fixieren zu kommen. Fixieren hat immer was mit festhalten zu tun. Das ist aber ja auf keinen Fall das Ziel. Das weiche und bewegliche fokussieren des Ziels sorgt dafür, dass das Pferd sich lösen kann Es wird der Aufmerksamkeit seines Reiters folgen. Nach vorne. Auch hier gilt allerdings: das braucht Geduld und Zeit. Die sollte man sich und natürlich dem Pferd geben.
Um gleichzeitig das Heben der Vorhand noch etwas zu aktivieren um dadurch wiederum das Vorwärts noch weiter zu unterstützen, kann ein inneres Bild genutzt werden. Wenn also der Blick nach vorne gerichtet ist, stellt man sich vor, man reitet auf einer Wiese. Auf einer schönen grünen Wiese. Die ist unendlich lang. Und, ganz wichtig, die ist jetzt nicht steil, aber doch deutlich ansteigend. Da reitet man innerlich hoch. Die Vorstellung und das Gefühl dazu dürfen ruhig so intensiv wie möglich sein. Was passiert:
• Der Körper wird dieser Vorstellung folgen und sich auf die Steigung einstellen
• Dieser Vorstellung und der dadurch ausgelösten Körperreaktion wird das Pferd folgen
• Es wird Stück für Stück in der Vorhand leichter werden
• Der Schwerpunkt verschiebt sich in Richtung Hinterhand
• Das Pferd kann dadurch leichter, motivierter und schwungvoller nach vorne gehen
• Der Reiter kann immer mehr loslassen
• Er wird entspannter
• Reiter und Pferd kommen miteinander in Schwung und unterstützen sich gegenseitig
Durch dieses innere Bild wird der Mensch viel schneller und feiner in seinen Reaktionen. Er arbeitet nicht mit Muskelkraft, die immer langsam und zäh ist. Sondern mit seiner Vorstellung und dem Bild. Sein Körper und das Pferd folgen dem. Leicht, ohne Druck, einfach so.













