(openPR) Hermann Scholl, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, auf dem Pressegespräch mit Stuttgarter Wirtschaftsjournalisten am 30. Januar 2003
STUTTGART, 31. Januar 2003 – 2002 war für Bosch wie für viele andere Unternehmen ein weiteres schwieriges Geschäftsjahr. Die Weltwirtschaft kam über Ansätze einer Erholung nicht hinaus. Die deutsche Wirtschaft stagnierte im zweiten Jahr nacheinander und sieht sich jetzt einem Regierungsprogramm ausgesetzt, das die Wachstumskräfte weiter belastet. Auch ein innovatives Unternehmen wie Bosch kann sich einem solchen Umfeld nicht entziehen, zumal sich der Wettbewerbsdruck angesichts weltweiter Überkapazitäten weiter verschärfte.
Obwohl auf den ersten Blick enttäuschend, entsprach die unseren vorsichtigen Erwartungen. Wir erreichten für die Bosch-Gruppe insgesamt einen Umsatz von rund 35 Milliarden Euro. Das waren knapp 3 Prozent mehr als im Vorjahr, der Anstieg ging jedoch auf Neukonsolidierungen zurück. Der interne Umsatz lag knapp 1 Prozent unter Vorjahr, wobei wir allerdings rund 2,5 Prozent durch die Aufwertung des Euro und die damit verbundene umrechnungsbedingte Minderung unserer außereuropäischen Umsätze eingebüßt haben. Die Währungsentwicklung verdeckt, dass sich unser Geschäft in Nordamerika vergleichsweise positiv entwickelte, in Länderwährung mit einem Plus von rund 7 Prozent. Dagegen blieb der Geschäftsverlauf insbesondere in Deutschland und Lateinamerika deutlich hinter unseren Erwartungen zurück.
Trotz rückläufiger Automobilproduktion in Westeuropa, unserem größten Markt, konnte der Unternehmensbereich Kraftfahrzeugtechnik mit rund 23,3 Milliarden Euro seinen Umsatz auf Vorjahreshöhe halten. Wie in den Vorjahren trugen unsere Hochdruck-Dieseleinspritzsysteme dazu bei, den Dieselanteil an den Pkw-Neuzulassungen in Europa weiter zu erhöhen – auf 40 Prozent in 2002, nach 36 Prozent im Vorjahr. Unser Gesamtumsatz mit Dieselsystemen belief sich auf über 6,5 Milliarden Euro. Nachdem wir den Dieselmarkt mit unseren Innovationen in den letzten Jahren entscheidend geprägt haben, sind wir zuversichtlich, dem jetzt aufkommenden Wettbewerb standzuhalten. Darüber hinaus sehen wir mittel- und längerfristig gute Chancen für den Diesel auch in Nordamerika und Asien, da alternative Antriebssysteme mit vergleichbarem Potenzial zur Verbrauchsreduzierung und gleichzeitig hoher Leistung bis auf weiteres nicht zur Verfügung stehen.
Im Geschäft mit Chassissystemen, mit einem Umsatz von fast 5 Milliarden Euro unser zweitgrößtes Arbeitsgebiet in der Kraftfahrzeugtechnik, zahlt sich aus, dass wir diesen Bereich Mitte der 90er Jahre zum Hersteller kompletter Bremssysteme ausgebaut haben. 2002 konnte ein Großauftrag gewonnen werden, mit dem wir in Nordamerika von 2006 an mit Abstand größter Anbieter von Chassissystemen werden. Erfreulich positiv entwickelte sich 2002 vor allem das Geschäft mit unserem Elektronischen Stabilitäts-Programm (ESP); bis Mitte dieses Jahres werden wir das zehnmillionste System produziert haben. Von Bosch unabhängige statistisch gesicherte Untersuchungen haben nachgewiesen, dass ESP zur Verringerung der Unfallhäufigkeit maßgeblich beiträgt. Mit konsequenter Innovationspolitik und Marktbearbeitung erzielten wir auch in anderen Arbeitsgebieten beachtliche Akquisitionserfolge, die unser Geschäft längerfristig sichern. Ausweis unserer Innovationskraft sind wieder über 2000 Patentanmeldungen in der Bosch-Gruppe im vergangenen Jahr.
Auch im Unternehmensbereich Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik unternahmen wir erhebliche Anstrengungen für ein zukünftig höheres Wachstum. 2002 ließ der starke konjunkturelle Gegenwind den Gesamtumsatz dieses Bereiches allerdings ebenfalls stagnieren, bei rund 7,7 Milliarden Euro. Insbesondere bei Gebrauchsgütern verschärfte sich der Wettbewerbsdruck aus Fernost massiv, aus China vor allem bei Elektrowerkzeugen, aus Korea bei Hausgeräten. Wegen dieser Herausforderung, aber auch wegen des hohen Wachstumspotenzials in diesen Ländern, werden wir unsere Aktivitäten verstärkt auf diese Region ausrichten.
In der Industrietechnik mussten wir 2002 die ungünstigste Entwicklung hinnehmen; der Umsatz fiel um 6 Prozent auf rund 4 Milliarden Euro. Wie immer in Zeiten rückläufiger Kapazitätsauslastung werden bei Sachanlageinvestitionen kurzfristig die schärfsten Anpassungen vorgenommen. Nach aller Erfahrung schließen daran in Aufschwungphasen aber umso höhere Steigerungsraten an, so dass wir am längerfristigen Ausbau dieses Geschäfts festhalten. Dazu ermutigt uns auch die überaus erfolgreiche Integration von Rexroth in die Bosch-Gruppe.
Wir arbeiten weiter daran, die Gewichte der verschiedenen Arbeitsgebiete in der Bosch-Gruppe besser auszubalancieren. Mit der Vollkonsolidierung von Rexroth hat sich der Anteil der Industrietechnik am Gesamtumsatz 2002 auf über 11 Prozent erhöht, während der Anteil der Kraftfahrzeugtechnik auf 67 Prozent zurückging; vor zwei Jahren lagen die Anteile noch bei knapp 4 Prozent bzw. 71 Prozent. Der Anteil des Segments Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik blieb mit rund 22 Prozent nahezu unverändert; er wird sich in diesem Jahr aber durch die Übernahme des Bereichs Videoüberwachung von Philips (Jahresumsatz rund 320 Millionen Euro) erhöhen, mit der wir unsere Aktivitäten in der Sicherheitstechnik weiter ausgebaut haben.
Die Bosch-Gruppe beschäftigte Anfang 2003 weltweit rund 225 000 Mitarbeiter, davon 123 000 oder 55 Prozent im Ausland. Darin sind rund 3600 Mitarbeiter enthalten, die im Laufe des vergangenen Jahres durch Konsolidierungsänderungen im Saldo hinzugekommen sind. Ohne diese Ergänzungen haben wir die Zahl der Beschäftigten trotz der ungünstigen Geschäftsentwicklung insgesamt nahezu konstant gehalten; in den indirekten Bereichen mit Schwerpunkt Entwicklung, Applikation und Dienstleistungen nahm sie sogar noch leicht zu. Die anhaltende Konjunkturschwäche lässt uns hier jetzt aber kürzer treten; für erforderliche Anpassungen nutzen wir vor allem die vorhandenen Flexibilisierungsmöglichkeiten. Gleichzeitig stellen sich aber an verschiedenen Standorten strukturelle Anpassungserfordernisse, die wir für die betroffenen Mitarbeiter soweit wie möglich sozialverträglich umsetzen wollen.








