(openPR) Zertifizierung von Dienstleistungen schafft Transparenz und gibt Mittelständlern Orientierungshilfe.
Themen wie die digitale Transformation und Künstliche Intelligenz verändern die Anforderungen an Beratung in mittelständischen Unternehmen grundlegend.
Zielführende Empfehlungen kommen von Beratern, die die gesamte Prozesskette eines Produktes oder einer Dienstleistung auf dem internationalen Markt kennen.
Wie verändert sich Beratung? Warum sind gerade Mittelständler auf effektive Beratung angewiesen sind? Wie wird der schwammige Begriff „Beratung“ greifbar?
Sieben Fragen an Boje Dohrn, Präsident IBWF Das Netzwerk für Mittelstandsberater, Berlin
Welche Themen beschäftigen die Beratungsbranche aktuell?
Laut Statistikportal statista steht die digitale Transformation mit 22,2 Prozent an der Spitze der Themenliste der vergangenen drei Jahre. Fragen rund um Personalstrategie folgen mit 17,7 Prozent und Künstliche Intelligenz mit 15,4 Prozent. Industrie 4.0, smarte Technologien und Cybersecurity schließen im einstelligen Prozentbereich an. Durch diese sich schnell entwickelnden Themen verändert sich der Bedarf an Beratung in mittelständischen Unternehmen grundlegend. Benötigt werden Berater, die ausgewiesene Expertise mit internationalem Weitblick mitbringen, mit ihrem Wissen am Puls der Zeit bleiben und die auch die Qualität ihrer Beratung nachweisen können.
Was empfehlen Sie Beratern, um diese Sicherheit zu bieten?
Zertifizierung, Qualitätschecks und Expertisen bündeln – das sind unsere drei Empfehlungen.
Wie kann sich eine Beraterin oder ein Berater zertifizieren lassen?
Nachweislich langjährig und selbständig arbeitende erfahrene Berater können bei uns als Mitglieder eine Zertifizierung beantragen und dadurch in unseren Expertenpool aufgenommen werden. Anders als bei der Beratungsnorm EN 16114 prüfen wir nicht den Prozessablauf, sondern die soft skills eines Beraters und seine Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzubilden und sich in die komplexen Anforderungen durch Digitalisierung und technische Innovationen einzuarbeiten. In Gesprächen und Analysen von Auftragsbeispielen verschaffen wir uns ein Bild, ob der Berater oder die Beraterin sich als Input-Geber versteht und auch im Einzelfall komplexe globale Abläufe beherrscht.
Mittelständler haben durch diese Zertifizierung eine Orientierungshilfe, bei wem sie in guten Händen sind. Für die Berater ist die Auditierung ein wichtiges Marketinginstrument; es verhilft zu einem schärferen Profil am Markt und schafft Vertrauen bei potenziellen Kunden.
Können Sie die Komplexität einer heutigen Beratung an einem Beispiel verdeutlichen?
Nehmen wir ein Beispiel aus der Personalberatung. Ein Einkäufer ist heute nicht mehr jemand, der in Deutschland lediglich den Lieferanten mit dem besten Preis für ein benötigtes Produkt sucht. Heute spielt der Einkauf für die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens eine viel größere Rolle. Ein Mitarbeiter muss nicht nur weltweit Lieferanten ausfindig machen und sich in einer breiten internationalen Preisspanne orientieren können, sondern eventuell neue oder andere Lösungen erkennen und vorschlagen.
Personal-Berater, die in einem solchen Fall aktiv sind, müssen das Kompetenzprofil dieser Stelle und letztlich die gesamte Prozesskette des Produktes oder der Dienstleistung auf dem nationalen und internationalen Markt kennen. Nur mit dem Metablick sind Empfehlungen möglich, die den Kunden nach vorn bringen und eine Beurteilung erlauben, ob Positionen mit den richtigen Menschen besetzt sind.
Viele der konventionellen Leistungen von Einzelkämpfern – zum Beispiel auf Buchhaltung spezialisierte Steuerberatung – werden in wenigen Jahren nicht mehr gefragt sein, weil sie mit Hilfe von immer leistungsfähigerer und intuitiver Software vom Unternehmer selbst erbracht werden können. Überleben werden nur diejenigen, die ihr Geschäftsmodell anpassen.
Wie wird die Qualität von Beratung gemessen?
Beratung ist immer nur dann erfolgreich, wenn die Summe der Bewertungen aus Sicht des Kunden positiv ausfällt. Wurden maßgeschneiderte Lösungen für konkrete Aufgabenstellungen erarbeitet? Konnten machbare Maßnahmen entwickelt werden, gibt es eine Erfolgskontrolle, wurden die Mitarbeiter einbezogen? Das sind einige der Fragen, die hier eine Rolle spielen. Wir sensibilisieren unsere Experten für dieses messbare Verständnis von Qualität und stellen entsprechende Checklisten zur Verfügung.
Was bedeutet für Sie, dass Berater Expertisen bündeln müssen?
Beratung wird durch die globalen Prozesse mit den bereits genannten Stichworten wie digitale Transformation, Künstliche Intelligenz, Industrie 4.0, smarte Technologien und Cybersecurity immer kleinteiliger. Gerade Einzelkämpfer unter den Beratern haben kaum eine Chance, allein mit ihren Kenntnissen up to date zu bleiben. Wir schauen bei unserem Zertifizierungsprozess deshalb auch, ob jemand ein spezialisiertes Netzwerk mitbringt, mit dem den Anforderungen eines vielschichtigen Beratungsprojekts begegnet werden kann. Das kann bei einem IT-Dienstleister ein Partner im Bereich Datensicherheit oder Künstliche Intelligenz sein, bei einem Rechtsanwalt in einem Nachfolgeprozess der Spezialist für Integrationsbegleitung oder bei einem Unternehmensberater einer für Human Resources für die Personalentwicklung.
Wie viele Berater gibt es derzeit bundesweit?
Laut statista waren 2018 bundesweit rund 124.000 Berater in zirka 20.000 Unternehmen bei Kunden allein mit steuerlichen, betriebswirtschaftlichen oder Personalfragen aktiv. Berater zu den unterschiedlichsten Themen sind vor allem für den Mittelstand von großer Bedeutung, weil hier oft die notwendigen Personal-Ressourcen nicht zur Verfügung stehen. Aktuell gibt es zirka 1,98 Millionen Kleinstunternehmen mit bis zu neun Beschäftigten und jährlich bis zu zwei Millionen Euro Umsatz. Diese Unternehmen stellen rund 70 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze. Wenn Berater falsch beraten, hat das enorme Konsequenzen – etwa hinsichtlich Unternehmensausrichtung, der Wettbewerbsfähigkeit bis zum Verlust von Arbeitsplätzen.











