(openPR) Vaterstetten/Zorneding/Grasbrunn. Der Pflegenotstand ist bundesweit evident. Politiker und Vertreter aller gesellschaftlich relevanten Organisationen entwerfen mit Hochdruck Programme und Aktionen zur Verbesserung der Situation. Die Nachbarschaftshilfe Vaterstetten (NBH) mit ihrem Ressort Ambulante Pflege behauptet: Pflegenotstand – nicht bei der NBH! Ein Gespräch mit NBH-Geschäftsführer Oliver Westphalen und Bärbel Kleinwegen, Leiterin der NBH-Sozialstation.
Meine Dame, mein Herr, leben Sie auf einer Insel der Seligen?
Oliver Westphalen (Foto): Beileibe nicht. Wir registrieren und bedauern die kritische Situation der Pflege sehr. In unserem Einflussbereich haben wir allerdings wirkungsvoll dagegen agiert, so dass wir jetzt diese These aufstellen können.
Das heißt, Sie haben ausreichend Pflegepersonal und können allen Anfragen nach ambulanter Pflege nachkommen?
Bärbel Kleinwegen (Foto): Wir arbeiten mit einem großen Team gut ausgebildeter, erfahrener und hoch motivierter Pflegekräfte und Krankenschwestern. Das ist tatsächlich eine komfortable Situation, die aber nicht von ungefähr kommt. Auf der anderen Seite haben wir uns in mehr als 40 Jahren ambulanter Pflege einen guten Namen als Arbeitgeber gemacht, so dass wir oft die erste Adresse für Anfragen sind. So ist das Team entstanden. Und es wächst.
Woher nehmen Sie die Pflegekräfte, die andernorts so händeringend gesucht werden? Was machen Sie anders?
W: Der Markt ist tatsächlich hart umkämpft. Wir werben um Mitarbeiter mit fairen, vermutlich überdurchschnittlich guten Arbeitsbedingungen. Unsere Gehälter orientieren sich am Tarifvertrag der öffentlichen Hand. Es gibt zudem Jahressonderzahlungen und Ballungsraumzulage. Eine solche Tarifbindung für Pflegekräfte ist aktuell ein politisches Ziel, vielleicht Illusion. Bei uns ist sie schon gängige Praxis.
Also liegt es nach Ihrer Einschätzung nur am Gehalt?
W.: Nur zum Teil. Wir bieten mehr: Ein später Arbeitsbeginn für Mütter mit kleinen Kindern lässt sich bei uns ebenso realisieren wie Supervision, Fortbildung oder betriebliches Gesundheitsmanagement. Nicht zu vergessen der Teamspirit. Das Paket scheint zu stimmen. Wir konnten interessante Mitarbeiter dazu gewinnen, mit uns zu arbeiten. Und das Feedback der Patienten bestätigt uns. Sie fühlen sich durchweg kompetent und herzlich gepflegt.
K: Keine Frage. Die Pflegekräfte fliegen uns nicht zu. Aber das Gesamtpaket scheint tatsächlich attraktiv zu sein. Ich selbst lege großen Wert darauf, jeden einzelnen Mitarbeiter so gut zu unterstützen, wie es mir möglich ist. Professioneller Rückhalt ist wichtig. Ich weiß aus meiner Berufspraxis, dass diese Arbeit oft alles abverlangt und tief erschöpfend ist. Und doch ist sie genauso oft erfüllend und lässt einen mit Befriedigung nach Hause gehen. Dann, wenn man weiß, dass man Menschen wirklich hat helfen können. Wir lassen unseren Mitarbeitern Zeit dafür. Sie sollen ohne Zeitdruck entspannt und sorgfältig arbeiten können. Nur dann gelingt echte Pflege. Das gilt es auch, jungen Nachwuchskräften zu vermitteln.
Bilden Sie selbst Ihren Nachwuchs aus?
K: Nein, das passiert aufwändig an Pflegeschulen. Wir kooperieren allerdings mit der Berufsfachschule des kbo-Isar-Amper-Klinikums München-Ost und bieten Auszubildenden die Möglichkeit, bei uns die geforderten Praktika zu leisten. Nicht wenige Praktikanten sind nach Abschluss der Ausbildung zu uns zurückgekommen.
Es gibt also keinerlei Klagen von Ihrer Seite? Alles in Butter?
W: Nein, keine Klagen. Wir wollen sehr gute Pflege leisten und dafür sehr gute Mitarbeiter beschäftigen. Das hat seinen Preis. Den sind wir bereit zu zahlen und organisieren alles so gut wie möglich für Mitarbeiter und Patienten. Was wir allerdings nicht können, ist, alle Patienten zu ihren Wunschzeiten aufzusuchen. Das würde zuweilen bedeuten, alle Patienten gleichzeitig vormittags zwischen 8 und 9 Uhr zu pflegen. Das wird uns nie gelingen. Dafür bitten wir bei den Patienten um Verständnis und zeitliches Entgegenkommen.
Vielen Dank!













