(openPR) Bamberg Oktober 2006: Dass Karl May einen Großteil der Orte, über die er schrieb, nie oder zumindest erst nach dem Verfassen der jeweiligen Werke zu Gesicht bekam, ist hinreichend bekannt. Dass in seinem realen Leben dafür Tirol eine sehr wichtige Rolle spielte und es vielfältige, vielschichtige und teilweise sogar recht pikante Verbindungen mit der Region gab, weiß dagegen kaum jemand. Vielleicht gerade deshalb hat sich Anton Haider daran gemacht, Informationen über diese Episoden aus Mays Leben zusammenzutragen. Das Ergebnis ist das Buch „Im Reiche des roten Adlers“, welches nun im Karl-May-Verlag erscheint und zeigt, was May auf literarischer und privater Ebene mit Tirol verbunden hat.
Karl May liebte Tirol und bereiste die Gegend häufig. Insbesondere die mondänen Sommerfrischeorte der Region hatte er in sein Herz geschlossen. Aber auch als Schriftsteller war er vor Ort aktiv: Den Beginn machte 1883 der Abdruck der Erzählung "Der Krumir" in einer Beilage der "Innsbrucker Nachrichten". In den kommenden Jahren folgten weitere Veröffentlichungen seiner Texte im "Tiroler Marienkalender". Einen starken Unterstützer fand May später in dem Tiroler Maler, Schriftsteller und Redakteur Leopold Gheri. In den Jahren der Karl-May-Hetze trat er mutig für den großen Erzähler ein und veröffentlichte in der Innsbrucker Zeitschrift "Der Kunstfreund" Karl Mays Kunstbriefe und als Redakteur der "Gardasee-Post" die Erzählung "Abdahn Effendi". Im Sommer 1911 kam es zur persönlichen Begegnung Mays und Gheris auf der Mendel, die in „Im Reiche des roten Adlers“ aus den Erinnerungen Gheris ausführlich geschildert wird. Zudem ist der komplette Briefwechsel zwischen May und Gheri von 1902 bis 1912 wiedergegeben.
Der Leser erfährt außerdem von der Freundschaft Karl Mays und seiner ersten Frau Emma mit der Familie des Grafen Jankovics. Der Kontakt begann mit dem Erscheinen des Bandes "Winnetou III" und einer recht forschen Erkundigung der Gräfin, warum Old Shatterhand Winnetou nicht getauft habe, und endete mit einem langen, bekenntnishaften Schreiben Mays an die Gräfin aus dem Jahre 1906. Alle erhaltenen Briefe sind in dem Band wiedergegeben, dazu noch eine genaue Schilderung des Besuchs der Mays im Sommer 1897.
Zu diesem Zeitpunkt war die Ehe von Karl und Emma May bereits geschieden, wobei die entscheidende Weichenstellung dafür sich wiederum in Südtirol ereignet hatte: Im August 1902 besuchte das Paar zum wiederholten Mal das luxuriöse Hotel „Penegal“ auf der Mendel. Im Laufe des Aufenthalts wurden hier die Scheidungspapiere unterzeichnet, es folgte die sofortige Trennung. Jahre später erst sollte May wiederkommen, dieses Mal an der Seite seiner zweiten Frau Klara.
All diese Verbindungen zu Land und Leuten und noch einiges mehr werden in „Im Reiche des roten Adlers“ lebhaft geschildert und mit reichhaltigem Dokumentarmaterial – Fotos, Briefe, Zeitungsartikel – komplettiert. So liefert das Buch neben May-spezifischen Informationen auch einen bunten Spiegel des Lebens im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Ergänzt wird der Inhalt ferner um einige Artikel und Erzählungen Gheris, in denen er in die Fußstapfen Mays tritt, so beispielsweise "Dämon Gold" aus dem Jahr 1912/13.
Anton Haider
Im Reiche des roten Adlers
Karl May und Tirol
Herausgegeben von Siegfried Augustin
496 Seiten mit zahlreichen Abbildungen
ISBN: 3-7802-0177-1
€ 15,90 // sFr 28,50
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