(openPR) Psychotherapieplätze soll es (fast) nur noch über Umwege geben
München: Psychotherapieplätze sind in Deutschland dünn gesät. Trotz wachsenden Bedarfs: wer beispielsweise unter einer Angststörung leidet, schwer depressiv ist oder mit den Folgen einer Missbrauchserfahrung kämpft, muss viele Monate auf Hilfe warten. Künftig sollen Therapieplätze nur noch über die Terminservicestellen vergeben werden. Ausnahmen gelten für die Heilpraktiker für Psychotherapie.
Das „Terminservice- und Versorgungsgesetz“ von Gesundheitsminister Spahn soll die Suche nach einem zeitnahen Termin beim Facharzt vereinfachen. Der „Ausschließlichkeitsanspruch“ bei der Vergabe von Psychotherapieplätzen ist aber gefährlich, warnen viele Psychotherapeuten: „Im Klartext bedeutet diese Regelung, dass man am Telefon einen Seelenstriptease machen muss, um irgendwo bei irgendwem in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft eine Therapie beginnen zu können!“, ärgert sich NAMENAME, Heilpraktikerin für Psychotherapie aus ORT: Viele Menschen koste es ohnehin schon Überwindung, sich mit einem seelischen Problem an einen Profi zu wenden. „Wer künftig eine Therapie bei einem niedergelassenen Kollegen braucht, muss nun erstmal am Telefon jemand wildfremden von seinen Problemen erzählen und bekommt dann einen Therapeuten zugewiesen. Die Wahlmöglichkeit entfällt!“
Gerade bei der Psychotherapie sei der persönliche „Draht“ zum/zur Therapeuten/Therapeutin aber wichtig. Meike Hörnke: „Ich bin mir sehr sicher, dass durch diese neue Vergabepraxis eine enorme Hemmschwelle aufgebaut wird, die den Leidensdruck vieler Menschen weiter erhöht.“
Dabei ist die Heilpraktikerin für Psychotherapie von dem neuen Gesetz gar nicht betroffen, denn das gilt nur für Fachleute mit Kassenzulassung. „Bei einem Heilpraktiker für Psychotherapie bekommt man auch künftig und mit nur kurzer Wartezeit einen Therapieplatz. Außerdem sind die Heilpraktiker frei in der Wahl ihrer Therapiemethoden. Man kann also als Patient schnell feststellen, ob der- oder diejenige zu einem passt und ob man sich mit der Arbeitsmethode wohlfühlt.“ Ärgerlich sei aber, „dass wieder einmal am ,grünen Tisch‘ ein Verfahren ausgetüftelt wurde, dass letztlich mehr schadet als nützt. Es wäre besser, wenn die Politik ihre Entscheidungen auf dem Wissen von Profis begründen würde.“









