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Logistik am Limit: Die Formel 1

11.09.201811:15 UhrIndustrie, Bau & Immobilien

(openPR) Wenn am Wochenende die Rennboliden der Formel 1 über die Pisten donnern, fiebern Millionen von Zuschauern vor den Fernsehern und tausende an den Rennstrecken mit den Piloten und ihren Teams mit. Die wenigsten haben eine Ahnung davon, welcher immenser logistischer Kraftakt jeder Veranstaltung der Königsklasse vorausgeht. Nicht umsonst spricht man bei der Formel 1 vom größten – und auch teuersten – Wanderzirkus der Welt. Vor und nach jedem Rennen und jeder Testfahrt setzt sich eine Karawane in Gang, um ihre Zelte und Motorhomes in einem anderen Land aufzuschlagen. Die Planungen für das logistische Mammutprojekt beginnen schon lange vor dem ersten Wettkampf.



Für die zahlreichen Rennen in der Saison werden von jedem Team zehntausende Reisekilometer zurückgelegt (2018: 100.000 km). Mehr als 400 Tonnen sind an Luft und Seefracht unterwegs, wenn sich der Grand-Prix-Zirkus nach Übersee auf den Weg macht. Bei Veranstaltungen innerhalb Europas fahren teilweise 450 Sattelschlepper mit Material der Teams, der FIA und der TV-Produktionen quer durch den Kontinent. Ist die Zeit zwischen zwei Rennen besonders knapp oder die Entfernung sehr groß, werden auch mal 3 Fahrer pro LKW eingesetzt um die Ruhezeiten einhalten zu können. Die Mitarbeiter der Logistikabteilungen der Teams sind in diesen Wochen ständig am Limit, arbeiten nahezu Tag und Nacht. Dabei kommen z. B. Hubwagen mit Waage zum Einsatz.

Zahlen und Dimensionen

Fasst man ein paar weitere nüchterne Fakten zusammen, kommt man aus dem Staunen kaum raus:
Jedes Formel 1 Team besitzt in der Basisausstattung wenigstens zwei Rennwagen (meistens auch noch ein in mehrere Komponenten zerlegtes Ersatzauto), 5,5 Kilometer Datenkabel, 3,5 Kilometer Netzkabel, 80 bis 120 Kisten mit Material (Ersatzteile, Motoren, Werkzeug, Computer usw.), 3.000 Flaschen Mineralwasser, 90 Liter Motoröl, 60 Liter Getriebeöl, 40 Liter Hydrauliköl und 15 Liter Kühlflüssigkeit. In speziellen, feuerfesten Kanistern mit Kapazitäten zwischen 50 und 200 Litern werden die 1.500 Liter Benzin für die schnellen Flitzer transportiert.

Die Größe der zu transportierenden Dinge variiert von der kleinsten Schraube mit 1,5 Millimeter Durchmesser (kann man z. B. hiermit zählen: Zählwaage) bis zur nahezu unzerstörbaren Monocoque-Schale für den Fahrer aus 60 Lagen Kohlefaser. Diese Dinge müssen für eine optimale Frachtverteilung vor dem Transport z. B. mit einer Volumenwaage alle genau erfasst werden. Zusätzlich gehen natürlich noch zahlreiche Telemetrie-Gerätschaften mit auf die Reise, die nicht nur von den Ingenieuren vor Ort benötigt werden sondern auch der Sendung der Daten direkt in die Heimat ins Werk dienen. Das meist auf mehrere Transporter aufgeteilte nicht gerade kleine Motorhome nimmt verständlicherweise auch sehr viel Platz ein. Greift man sich einen Aspekt wie die Teamkleidung heraus, kommt man auch auf verblüffende Zahlen: Ein Fahrer braucht pro Saison ca. 25 Rennoveralls, 600 T-Shirts werden pro Saison an die Mitarbeiter ausgegeben und zahlreiche Helme und feuerfeste Kleidung für die Boxenmannschaft sind natürlich immer dabei. Die Rennställe haben Transportlisten erstellt, die mehr als 50 Seiten haben und die Namen von rund 20.000 Teilen umfassen.

Bei Übersee-Rennen erreichen die Kosten für die Logistik ihren Höhepunkt, da die Austragungsorte nur auf dem Luft oder Seeweg zu erreichen sind. Zwar ist der Transport von großen Mengen per Schiff im Vergleich relativ günstig, da man aber als Faustregel 45 Tage für eine Verschiffung über die Weltmeere ansetzt, ist es nötig, für die Teams jedes Seefracht-Set in fünffacher Ausführung vorzuhalten. Denn die Zeitabstände zwischen den Wettkämpfen sind kurz und so macht sich z. B. Mitte Januar der erste Container auf den Weg nach Melbourne. Der zweite wird Anfang Februar in Richtung China geschickt. Von Australien geht das erste Set dann direkt weiter nach Montreal. Viele Container finden erst weit nach Saisonende wieder ihren Weg zurück in den Heimathafen. Würde man die gesamte Fracht vorher mit Containerwaagen wiegen, kämen hier immense Tonnagen zusammen.

Einige Dinge müssen allerdings zwingend mit dem Flugzeug transportiert werden wie die Autos und der Kommandostand. Der Grund dafür liegt nicht nur im hohen Preis der Technik, sondern darin, dass Seefracht-Container nicht ganz dicht sind. Die salzige Seeluft ist nicht gut für die Elektronik. Ist es zeitlich möglich, werden auch die Wettkampfautos nach einem Rennen wieder ins Werk nach Europa geflogen, wo sie in alle Einzelteile zerlegt und für den nächsten Grand Prix wieder aufgebaut werden. Oft gibt es mehrere Überseerennen in Folge. Dann wird darauf verzichtet und die Autos werden samt dem restlichen Teamequipment zur nächsten Rennstrecke transportiert. Besteht Bedarf, werden jedoch neue oder zusätzlich benötigte Teile extra aus Europa eingeflogen.

Schnelligkeit entscheidet über Sieg oder Niederlage

„Just in time“ und damit oft nur wenige Minuten vor dem Qualifying treffen manche Teile wie z. B. Frontflügel oder Unterböden an der Rennstrecke ein. Es werden extra Expressflüge eingerichtet, die die Austragungsorte innerhalb von 24 Stunden erreichen. Während der Beförderung wacht ein „On-Board-Kurier“ über die vielleicht rennentscheidende Fracht. Ist der Flug gelandet kümmert sich der Kurier dann darum, dass alles möglichst schnell durch den Zoll geht und die Teile umgehend per Helikopter an die Rennstrecke befördert werden.
Alles in allem kann man durchaus sagen, es handelt es sich bei der Logistik in der Formel 1 um ein detailliert geplantes Meisterwerk.

https://www.bosche.eu/

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