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Work and Travel ist absolut nicht nur etwas für junge Leute mit Abitur! Zwei Handwerkerinnen machen es vor

10.07.201813:42 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
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Die Tischlerinnen Sophie Tönsfeuerborn und Stella Meschede (v.l.) vor ihrer Work and Travel-Zeit
Die Tischlerinnen Sophie Tönsfeuerborn und Stella Meschede (v.l.) vor ihrer Work and Travel-Zeit

(openPR) Nach der Schule erstmal Work and Travel, ein Auslandssemester während des Studiums oder zum Praktikum ans Ende der Welt – für junge Leute mit Abitur gilt das heute fast schon als selbstverständlich. Die Lust aufs Reisen ist groß, vor allem bei jungen Erwachsenen mit Hochschulberechtigung. Aber nur wenige gehen nach ihrer Berufsausbildung ins Ausland, um bei Work and Travel Einblicke in die ausländische Arbeitswelt zu gewinnen sowie Land und Leute beim Reisen zu entdecken. Das zeigte die Umfrage von Auslandsjob.de aus 2017, als 2.234 junge Menschen befragt wurden. Nur 18 Prozent der Umfrageteilnehmer hatten zum Zeitpunkt der geplanten Auslandszeit eine Berufsausbildung abgeschlossen, und nur drei Prozent hatten einen Haupt- oder Realschulabschluss. Fast 80 Prozent der Befragten besaßen dagegen eine höhere Schulausbildung wie das Abitur, die Fachhochschulreife oder gar einen Hochschulabschluss, wenn es auf die große Reise geht. „Im Zeitalter der Globalisierung und der positiven Effekte auf die Persönlichkeit, Karriere und Fremdsprachen ist nur schwer zu verstehen, warum vor allem junge Leute mit Hochschulzugangsberechtigung zu einer Auslandszeit aufbrechen,“ merkt Jane Jordan von der INITIATIVE auslandszeit kritisch an. „Denn direkt nach dem Abschluss einer Ausbildung ist die ideale Zeit, im Ausland mal über den Tellerrand zu schauen.“ Handwerker, aber auch andere ausgebildete jungen Fachkräfte sind im Ausland gerne gesehen Gäste, wenn sie ihre beruflichen Erfahrungen mit anderen teilen.



Zwei Tischlerinnen auf dem Weg nach Australien: Auch Surfen ist angesagt

Damit das Abenteuer Ausland gelingt, ist im Vorfeld der Reise eine gute Planung wichtig. Das haben auch zwei angehende Tischlerinnen aus Ostwestfalen, beide 19 Jahre alt, beachtet. Die beiden möchten jetzt nach ihrer Gesellenprüfung zum Work and Travel nach Australien.

Stella Meschede aus Lippstadt und Sophie Tönsfeuerborn aus Wiedenbrück lernten sich in der Berufsschule kennen. Beide haben einen Realschulabschluss und arbeiten in ihren Ausbildungsbetrieben. Zurzeit stecken sie in der Endphase der Gesellenprüfung zur Tischlerin. Stella arbeitet beim Möbelhersteller Röhr-Bush in Rietberg-Mastholte, Sophie bei der Tischlerei Holste in Wiedenbrück. Die Firmen zeigten sich aufgeschlossen für die Auslandszeit und stellten nach Rückkehr eine Wiederbeschäftigung in Aussicht. Die Entscheidung für das Reiseziel Australien trafen die beiden schon im Herbst letzten Jahres. Danach folgte die intensive Orientierungsphase. „Wir haben uns wie wild umgesehen. Haben viele Erlebnisberichte und Webseiten genau gelesen, um viele Informationen zu Flügen, Visa und Kosten zu bekommen“, sagt Stelle Meschede. „Man sollte jede Informationsmöglichkeit nutzen und auch Bekannte und Freunde befragen“, ergänzt Sophie Tönsfeuerborn. Nach einer Informationsveranstaltung beim „Work and Traveller“, dem Tochterunternehmen der INITIATIVE auslandszeit in Rheda-Wiedenbrück, stand fest: „Zum Start will ich von hier aus ein Surf-Paket mit Kurs und Unterbringung buchen, später werden wir vielleicht gemeinsam ein Auto kaufen und dann als Tischlerinnen in Down Under arbeiten“, erzählt Sophie. Mit dem siebentägigen Surf Package Australien wird der Anfang einer Work-and-Travel-Zeit enorm erleichtert. „So wird es kein Sprung ins kalte Wasser“. Bei dem Programm werden die Teilnehmer am Flughafen von Sydney abgeholt, ins Hotel nach Thirroul gefahren, wo sie an einem Surf-Kurs und Einführungsveranstaltungen zu organisatorischen Dingen wie Kontoeröffnung und Jobsuche sowie einem bunten Freizeitprogramm teilnehmen. Mehr: www.auslandsjob.de/surf-package-australien.php

Nach dem betreuten Start kann das Australien-Abenteuer auf eigene Faust beginnen. Während ihrer Auslandszeit suchen die beiden vor allem das Abenteuer beim Reisen, aber auch neue berufliche Erfahrungen im Tischlerhandwerk. „Wenn wir jetzt nicht die Möglichkeit nutzen, ein Jahr Spaß, Kultur und Arbeit im Ausland zu erleben, dann jammern wir später nur den Träumen hinterher“, sagt Stella. Klar könne mal Heimweh aufkommen, vielleicht auch, dass man alles schmeißen und zurück nach Deutschland wolle. „Aber es ist auch wichtig für einen selber, bei Problemen neue Wege zu finden. Daran werden wir sicher wachsen“, bemerkt Stella. Ihre Reisekollegin Sophie sieht alles erstmal sehr gelassen und macht sich eher Gedanken, dass zu Hause etwas passiert, denn von Australien sei es eben kein Katzensprung nach Deutschland.

Die Jobmöglichkeiten schätzen beide als sehr gut ein, obwohl sie noch keinen festen Arbeitsplatz haben. „Wir haben aber beide bereits von Arbeitskollegen und Bekannten Firmenadressen bekommen, wo wir uns melden können“, sagen die Reisenden. „Außerdem sind wir jung und haben gute Chancen auf Arbeit. Handwerkerinnen, die duale Ausbildung und das deutsche Handwerk sind in Australien sehr geschätzt“, bekräftigt Sophie.

Jane Jordan gibt ihr Recht: Gut ausgebildete Handwerker seien in Down Under gesucht. Ihr hohes Ansehen spiegele sich auch im hohen Lohn wider. Mit einer sehr guten Bezahlung könnten auch alle qualifizierten Jobber aus Deutschland rechnen, merkt Jordan an. „Das Abenteuer im Ausland hält aber sicher ganz unvergessliche Erfahrungen für jeden bereit. Die Arbeit auf dem anderen Kontinent zeigt nicht nur neue Arbeitstechniken im jeweiligen Handwerk, sondern verspricht auch neue Kollegen und Freundschaften“. Die Erfahrungen in einer fremden Kultur und Umgebung verbesserten auch die Fremdsprachenkenntnisse und trügen dazu bei, Selbstbewusstsein und Persönlichkeit zu entwickeln. „Außerdem leistet eine Auslandszeit immer einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung.“

Es gibt so viele Möglichkeiten für kürzere und längere Aufenthalte, um Auslandserfahrung zu sammeln: Work and Travel beispielsweise in den Bereichen Handwerk, Landwirtschaft oder Gastronomie. Im Rahmen von Freiwilligenarbeit kann man sich im Sozial- und Gesundheitswesen oder z.B. bei Organisationen im Umwelt- oder Tierschutz engagieren. Wer gerne mit Kindern arbeitet und das Leben in einer Gastfamilie erleben will, kann als Au-pair tätig werden. Von 18 bis 30 Jahre können junge Leute in Australien und Neuseeland für zwölf Monate mit dem Working-Holiday-Visum das Reisen mit dem Jobben verbinden, in Kanada sogar bis zum 35. Lebensjahr.

Hunderte Seiten von Anregungen und Tipps für Work and Travel mit weiteren Ideen für das Arbeiten im Ausland in allen möglichen Ländern finden Interessierte auf www.auslandsjob.de – einem Projekt der INITIATIVE auslandszeit.

Warum es nur wenige nach ihrer Ausbildung ins Ausland zieht

Warum sind es vor allem Abiturienten, die es in die Ferne zieht? Woran liegt es, dass in Deutschland nur sehr wenige junge Erwachsene nach ihrer Berufsausbildung im gewerblich-technischen, kaufmännischen oder medizinisch-sozialen Bereich eine Zeit im Ausland verbringen? „Die meisten wollen erstmal in den Betrieben bleiben, wenn sie übernommen werden, freuen sich auf die eigenständige Tätigkeit mit mehr Verantwortung“, meint Sophie Tönsfeuerborn. Dabei sei das bessere Gehalt nach der Ausbildung auch ein wichtiger Aspekt, der zum Bleiben motiviere. „Viele haben auch einfach gar kein Interesse zu reisen, um von zu Hause wegzukommen“. Stella Meschede bringt einen weiteren Grund ins Spiel: Zuweilen mangele es auch an der Unterstützung seitens der Familie oder der Arbeitgeber. „Die Unterstützung im Umfeld ist doch ziemlich entscheidend. Mit einem unguten Gefühl würde ich nicht losfahren wollen“, betont Stella. Deshalb freut sie sich, dass sowohl ihre Familie – eine Handwerkerfamilie – und ihre Firma ihre Auslandszeit unterstützen. Einigen junge Leute falle es hingegen schwer, alles stehen und liegen zu lassen, um die Welt zu erkunden. Stella Meschede fände es daher gut, wenn die Berufsschulen mehr über eine Auslandszeit informieren und Fachleute zu dem Thema einladen würden.

Wer nach der Ausbildung im Ausland arbeiten möchte, findet auf www.auslandsjob.de/work-and-travel-nach-der-ausbildung.php zusätzliche Informationen, welche Wege offenstehen.

Spontanität ist bei der Organisation gefragt: Das erste Malheur schon überwunden

Spontanität, Flexibilität, sich schnell auf neue Situationen einstellen zu können, das steht bei den beiden Handwerkerinnen ganz hoch im Kurs. „Wer jeden Tag etwas anderes erleben möchte, muss vor allem flexibel sein und sich anpassen können“, lautet ihre Devise. Das konnten die beiden schon notgedrungen unter Beweis stellen. Sophie hatte einen Arbeitsunfall und sich einen Finger verletzt, so dass sie den praktischen Teil ihrer Gesellenprüfung, die Handprobe, nicht gleichzeitig mit ihrer Kollegin im Juli beenden kann. Doch die beide fanden eine gute und praktikable Lösung: Stella wird schon im September nach Australien fliegen. Sophie absolviert den letzten Teil ihrer Prüfung etwas später und kommt im November oder Dezember nach. Dann kann sich Stella schon mal orientieren und nach Arbeit und Unterkunft für beide Ausschau halten. Einziger Wermutstropfen: Kein gemeinsamer Surf-Kurs. Aber bekanntlich gibt es in Australien die schönsten Surfstrände der Welt, und es wird sich sicher eine gute Gelegenheit bieten. „Chapeau, dass sie das Problem so kooperativ gelöst haben“, lobt Jane Jordan. Sie wünscht den Handwerkerinnen eine erlebnisreiche Zeit in Down Under und viel Erfolg bei der weiteren Planung.

Kontakt: Jane Jordan, INITIATIVE auslandszeit, Berliner Str. 36, 33378 Rheda-Wiedenbrück, Tel.: 05242 405434 2, E-Mail: E-Mail

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