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Grundlegender Perspektivwechsel auf Naturschutz-Engagement

09.07.201815:41 UhrEnergie & Umwelt
Bild: Grundlegender Perspektivwechsel auf Naturschutz-Engagement

(openPR) Neue Studie »Naturbewusstsein« des Bundesamts für Naturschutz betont die kollektive und globale Dimension des Naturschutzes

»Erdfest«-Initiative als Vorreiter für ein neues Narrativ der Wechselseitigkeit von Mensch und Erde

Berlin, Juli 2018. Natur ist für einen Großteil der Bevölkerung in Deutschland ein Sehnsuchtsort, der Menschsein in der Tiefe berührt, als Raum der Erholung und Entspannung wie auch als Umgebung, die unsere Lebensqualität stärkt. Wir sprechen der Natur gerne heilende Qualitäten zu, doch ist sie selbst in Zeiten von Klimawandel und Artensterben schon lange keine heile Welt mehr. Die fünfte Studie »Naturbewusstsein«, soeben vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) veröffentlicht, illustriert: Die Notwendigkeit eines aktiven Engagements für den Erhalt der Ökosysteme ist in der Breite der Bevölkerung angekommen. Und: Eine große Mehrheit empfindet die Erde als wesentliche Basis ihrer Identität. Doch braucht es auch konkrete gesellschaftliche Handlungsräume, damit aus diesem kollektiven Bezug ein gemeinsames Aktiv-Werden erwachsen kann. Die vom BfN geförderte »Erdfest«-Initiative ist ein wichtiger Baustein des Perspektivwechsels im Naturschutzhandeln. Sie macht die Wechselseitigkeit zwischen Mensch und natürlicher Mitwelt direkt erlebbar und öffnet neue Erfahrungs- und Handlungsfelder für eine gemeinschaftliche ökologische Wirksamkeit.



Ökologie wird zur Frage an das gesellschaftliche Wir

Wenn es um die Umwelt geht, steht im öffentlichen Diskurs bisher vor allem die individuelle Verantwortlichkeit des Einzelnen im Fokus. Indem wir Müll trennen, regionale Lebensmittel essen oder nachhaltig hergestellte Produkte kaufen, können wir ganz persönlich etwas zum Naturschutz beitragen. Die wissenschaftliche Diskussion hingegen mahnt seit längerem an, dass auch die kollektive Reichweite des Umweltverhaltens adressiert werden muss, um der Größendimension der globalen ökologischen Herausforderungen gerecht zu werden. In der neuen Studie »Naturbewusstsein 2017« hat das Bundesamt für Naturschutz deshalb der kollektiven Identität in der Beziehung zur Natur besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Eine zentrale Erkenntnis: Für zwei Drittel der Deutschen ist die Identität als Menschheit im Wesentlichen durch die Natur der Erde geprägt. Und vier von fünf Befragten sind zuversichtlich, dass »wir als Menschheit gemeinsam etwas für den Schutz der Natur auf der Erde erreichen können«.

Damit aus Einstellungen und Werten auch Taten werden, bedarf es entsprechender Handlungsräume. Eine große Mehrheit der Bevölkerung ist bereit, sich eher passiv, zum Beispiel durch das Befolgen von Regeln, die in Schutzgebieten gelten, für die Natur einzusetzen. Wenn es jedoch um initiatives Handeln geht, beispielsweise die Teilnahme an gemeinschaftlichen Aktionen, die der Natur dienen, ist nur noch knapp jede*r Dritte interessiert. Anscheinend braucht es neue und zeitgemäße Formen des ökologischen Engagements, um das so erdverbundene Selbstverständnis der Bevölkerung im Dienste der Natur auf breiterer Basis wirksam werden zu lassen. Die »Erdfest«-Initiative, ins Leben gerufen von der Nachhaltigkeitsforscherin Hildegard Kurt und dem Biologen und Philosophen Andreas Weber, ist ein wesentlicher Baustein in der Strategie des Bundesamtes für Naturschutz, solche neuen Erfahrungs- und Wirkungsfelder zu erproben.

Natur als schöpferischer, kollektiver Beziehungsraum

In einer zunehmend technisierten und urbanisierten Welt handelt »Erdfest« davon, der Erde – als Boden und als Planet – neu das zu schenken, woran es derzeit mangelt: Bewusstsein für eine echte Gegenseitigkeit mit ihr. Hierzu schlägt die Initiative vor, mit dem »Erdfest« im Juni ein neues Fest im Jahreslauf zu schaffen. »Erdfeste« können überall stattfinden. Und es gibt keine zentrale Leitung. Jedes »Erdfest« entsteht im eigenen Kontext und in eigener Regie, gemäß den Ideen und Möglichkeiten der jeweiligen »Initiativträger*innen«. Zur Mitwirkung eingeladen sind alle, ob Organisationen oder Einzelpersonen, denen an Formen des Lebens und Wirtschaftens liegt, die den Weg hin zu einer lebensfördernden Gesellschaft ebnen. Und im zentralen Anliegen der Initiative – „Dem Lebendigen Lebendigkeit zurück schenken – bewusst sein. Eine Antwort geben auf den Zustand der Welt.“ – finden die der Erde bereits zugewandte Identität der Bevölkerung und ihr Bedürfnis, diesen natürlichen Lebensraum zu bewahren, zusammen.

Zum Ansatz von »Erdfest« gehört auch, bereits bestehende Initiativen und die tiefere Beziehung zwischen ihren jeweiligen Anliegen in die kollektive Wahrnehmbarkeit zu bringen. Seit dem Start Ende 2017 ist »Erdfest« bereits 16 Partnerschaften mit Akteuren des Natur- und Umweltschutzes, der Nachhaltigkeit, der Landwirtschaft, der Permakultur und der Erlebnispädagogik eingegangen, um gemeinsam für diesen Perspektivwechsel einzutreten. Darunter befinden sich Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft des Club of Rome, die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung, das World Future Council, die Ökumenische Initiative Eine Welt, der Demeter Verband und die Schweisfurth-Stiftung. Verschiedene Schwerpunktsetzungen aus Ökologie und Naturschutz verbinden sich so zu einem größeren Beziehungsnetz, das eine umfassendere Wirksamkeit verspricht, als es Einzelvorstöße vermögen.

Emotionales Erleben anstelle des moralischen Zeigefingers

Die »Erdfest«-Tage, die erstmals im Juni 2018 stattfanden, stellen das emotionale Erleben von Naturbeziehungen in den Mittelpunkt. Nahezu 80 Initiativträger*innen luden mit kreativen Mitmach-Aktionen dazu ein, dem lebendigen Sein neu auf die Spur zu kommen. (Einzelheiten hierzu unter: https://erdfest.org/de/initiativtraegerinnen). Die Idee des gemeinsamen Feierns und Wertschätzens von Lebendigkeit, des achtsamen in der Natur Seins stellt pädagogisch oder moralisch orientierten Ansätzen des Ökologie-Diskurses die Qualität des unmittelbaren und inspirierten Erlebens zur Seite. Einige der Initiativträger*innen brachten hier ihre langjährige Expertise im Gestalten kollektiver Bewusstseinsräume ein. In solchen Erfahrungsfeldern kann ökologisches Handeln zu einem tiefen, inneren Anliegen reifen, das sich dann auch in transformativen Aktivitäten einen Ausdruck sucht. »Hier erwächst ein neues Ökologieverständnis, das menschliche Lebendigkeit und ihre organischen Wurzeln wieder als ein Ganzes erlebbar werden lässt. Und mit dem alljährlich wiederkehrenden »Erdfest« könnte eine neue kulturelle Allmende entstehen – ein Gemeingut für eine innovative Naturschutzpolitik und für den demokratischen Wandel hin zu einer lebensfördernden Welt«, so Hildegard Kurt und Andreas Weber. Aus Sicht des Bundesamtes für Naturschutz ist dies ein vielversprechender Ansatz, zwischen globalem Denken und einem Handeln in Initiativen vor Ort neue Beziehungen zu stiften und übergreifende Wirksamkeit zu entfalten.

Nach dem erfolgreichen Auftakt wird die »Erdfest«-Initiative in den kommenden Monaten ihre Partnerschaften mit Organisationen, die die Vision von »Erdfest« teilen, erweitern und vertiefen. Interessierte sind dazu eingeladen, beim nächsten »Erdfest«, das vom 21. bis 23. Juni 2019 stattfinden wird, als Initiativträger*innen mitzuwirken. Informationen zur Beteiligung unter: https://erdfest.org/de/mitwirken

Darüber hinaus finden unter dem Dach der »Erdfest«-Initiative in Kooperation mit dem Bundesamt für Naturschutz bis 2019 verschiedene Stakeholder-Dialoge statt, die der Zukunft der Agrarlandschaft und der Naturbeziehung der jungen Generation gewidmet sind.

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