(openPR) Dumme und ungeschickte Menschen reizen uns zum Lachen. Unterhaltungsprofis nutzen dies aus. Als Clown, Hanswurst oder Narr verkleidet machen sie ihre Späße. Je dümmer sie aussehen, je tollpatschiger sie sich bewegen, desto größer die Lacherfolge. Mit ihrem aufgeschminkten Idiotenlachen ähneln sie einem geistig Behinderten. Sie nutzen ein Auslach-Programm in unserem Gehirn zu unserer Unterhaltung. Doch warum gibt es solch ein Verhaltensmuster in uns, warum gibt es diesen Lachreiz?
Die Antwort finden wir in den frühen Anfängen der Menschheitsgeschichte. Es war die Zeit, als die hierarchische Ordnung in einer Gruppe umgestürzt wurde. Nicht mehr das kampfkräftigste Männchen stand an der Spitze, sondern das Ansehen bestimmte die Position. Geistige und handwerkliche Fähigkeiten waren gefragt. Je klüger und geschickter jemand war, desto höher war seine Position. Männer und Frauen an den Führungspositionen eines Stammes hatten bessere Überlebens- und Fortpflanzungschancen. Ihre positiven Erbanlagen verbreiteten sich im Genpool ihrer Gruppen. Dies führte zu einem rasanten Anstieg des Gehirnvolumens, dagegen entwickelten sich die Körperwaffen Eckzähne und Reißklauen zurück. Aus den zweibeinigen Steppenaffen wurden wir Menschen.
Die Evolution zu immer leistungsfähigeren Gehirnen wurde unterstützt durch die soziale Ächtung von Geistesschwachen. Sie standen auch ohne Auslachen auf der untersten Stufe der Gruppenhierarchie. Doch eine Frau mit mehreren Kindern, deren Partner durch Verletzung oder Krankheit gestorben war, hätte zur Not auch einen geistig Behinderten genommen und mit ihm Kinder gezeugt. Doch jemand, der von allen anderen ausgelacht wurde, nein, der kam auf keinen Fall als Partner in Frage. So wurden deren negative Erbanlagen ohne Gewalt von der Weiterverbreitung ausgeschlossen.
Dieser Lachreiz ist bis in unsere heutige Zeit in uns erhalten. Er beißt sich mit unseren Moralvorstellungen: Geistig Behinderte werden wie Kranke angesehen und über Kranke lacht man nicht. Doch noch vor wenigen hundert Jahren, im Mittelalter, gab es Kupferstiche, die Behinderte in lächerlichen Positionen zeigten. Die Abdrücke der Kupferstiche wurden offensichtlich gekauft und dienten dem Amüsement ihrer Betrachter.
Auch das Ausweichprogramm, das Lachen über einen professionellen Narren, also einem normalen Erwachsenen, der einen Schwachsinnigen imitiert, gab es zu allen Zeiten und in allen Kulturen. Die ersten schriftlichen Zeugnisse eines Hofnarrens stammen aus dem Ägypten 2500 Jahre v.Chr. In China ist er ab 1800 v. Chr. nachgewiesen. Im klassischen Griechenland finden wir ihn, ebenso in Bali, in Japan, und bei den amerikanischen Ureinwohnern, den Indianern. Im Römischen Reich gab es den Centunculus (Hundert-Fleck), dessen Lächerlichkeit durch ein zusammengeflicktes Kostüm und Glatze gesteigert wurde. Bei uns gab es im Mittelalter den Hofnarren, der sich zum Hanswurst entwickelte. Der Dumme-August war ein ungeschickter Idiot, mit seiner roten Knollennase lächerlich wirkend. Der Bajazzo, der dumme Pierrot oder der Clown, sie alle wirkten lächerlich, blöd und dämlich. Sie torkeln und taumeln, Schlabberhose, rote Knollennase und viel zu große Schuhe unterstreichen ihre Lächerlichkeit und Ungeschicklichkeit.
Professionelle Witzzeichner überbieten sich mit ihren Figuren, so dumm, doof und ungeschickt sehen sie aus.
Mit dem Aufkommen der kommerziellen Filmindustrie waren dumme und ungeschickte Menschen einer der erfolgreichsten Themen. Man denke nur an Stan Laurel und Oliver Hardy, deren Filme in Deutschland ganz unverhohlen mit "Dick und Doof" vermarktet wurden, und noch heute als einer der wenigen Schwarz-Weiß-Filme gezeigt werden. Auch in modernen Filmen taucht immer wieder eine dumme, lächerliche Figur auf.
Der Lachreiz ist in allen Völkern der Erde vorhanden, er ist genetisch festgelegt. Auch wenn wir ihn in unserer heutigen Kultur als ungerecht und moralisch verwerflich betrachten, er hat in unserer Evolution eine bedeutende Rolle gespielt. Schwachsinnige wurden sozial gebrandmarkt und von der Weitergabe ihrer Gene ausgeschlossen. Ohne diesen Lachreiz gäbe es vielleicht keine Gehirne, die über dieses Thema nachdenken würden.












