Sie sind in ihren blauen Hemden und weißen Hosen kaum vom Fachpersonal der Westerwaldklinik unterscheiden: Polina, 17, übergibt schnell den Patientenbogen an den diensthabenden Arzt, bevor sie zum nächsten Einsatztermin sprintet. Daniel und Kerstin, beide 20, überlegen sich leckere Rezepte für die internationale Kochstunde mit Patienten, die sie selbständig planen und leiten.
Es gibt aber tatsächlich ganz Entscheidendes, was die die vier sehr jungen Frauen und den „Quotenmann“ Daniel vom normalen Klinikpersonal unterscheidet: sie sind etliche Jahre jünger, gerade frisch dem Elternhaus entsprungen und sie arbeiten freiwillig in der Westerwaldklinik.
Als „FSJler“ absolvieren sie ein Freiwilliges Soziales Jahr, direkt nach dem Schulabschluss.
„Ich wollte nach der Schule erstmal meine Richtung finden und was Praktisches machen“, sagt Heidi, 17, eine der jüngeren im Team der FSJler. Kerstin, 20, und Lisa, 17, pflichten bei: „Nicht direkt nach der Schule schon wieder was lernen müssen. Erstmal sehen, was es bedeutet zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen.“
Und Verantwortung zu übernehmen, das lernen die jungen Frauen und Männer im freiwilligen sozialen Jahr in der Westerwaldklinik allemal.
Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) können Jugendliche ab 16 Jahren und junge Erwachsene bis 26 Jahren nach Ende der Schulzeit absolvieren. Ein FSJler bekommt umfassend Einblick in die praktische Arbeit im sozialen Bereich. Der Einsatz dauert zwischen 6 und höchstens 18 Monaten. Für Schulabgänger, die noch nicht genau wissen, wohin der Weg sie beruflich führen soll, oder für solche, die ein paar Wartesemester bis Studienbeginn sinnvoll überbrücken möchten, bietet sich ein FSJ als Alternative an. Der Einstieg in einen sozialen Beruf kann dadurch vorbereitet werden, ein FSJler erwirbt aber auch jede Menge weitere soziale Kompetenzen.
Daniel und Kerstin sind begeistert von Ihren Aufgaben: sie kümmern sich um die so genannte Rekreationstherapie, also Freizeitgestaltung mit Patienten, in der Westerwaldklinik. „Genau so was wollte ich machen. Für mich war klar, das ich unbedingt zur Westerwaldklinik möchte“, sagt Daniel. Und weiter: „Es ist enorm, wie viel wir hier lernen können. Wir sammeln vielfältige Erfahrung mit Menschen, sei es mit Kollegen oder Patienten der Klinik. Das ist ein enormer Vorteil für unsere Ausbildung und macht uns später vieles leichter.“
Die jungen Mitarbeiter erhalten vom Pflegedienstleiter der Klinik, Rolf Lay außerdem soviel Freiraum wie möglich und soviel Anleitung und Kontrolle wie nötig.
Das macht gerade in der Westerwaldklinik für die Freiwilligen den Einsatz so reizvoll: „Wir können Ideen umsetzen und stoßen dabei auf offene Ohren. Wir hatten zum Beispiel von unseren regelmäßigen Kochkursen so viele Kräutertöpfe übrig, dass wir uns überlegt haben, nun eine Kräuterschnecke zusammen mit den Teilnehmern des Kochkurses anzulegen. Das sieht schön aus und macht allen, besonders den Patienten, eine Freude“, so Kerstin.
Ganz nebenbei lernen die fünf auch für sich selbst Verantwortung zu übernehmen. „Zu Hause hatte ich immer Mühe, mein Zimmer aufzuräumen. Ich hatte aber auch immer den Druck meiner Eltern. Hier bin ich selbst verantwortlich und ich räume gerne auf“, so Lisa. Für die Eltern ist es manchmal schwer, die Kinder nach der Schule loszulassen. Ein sanfter Übergang in die völlige Freiheit bietet die Westerwaldklinik mit ihrem Programm nicht zuletzt auch, weil sie den Einsatzwilligen Vollverpflegung, Unterkunft und ein gutes Taschengeld zur Verfügung stellt. Dafür sind sie in die Abläufe der Klinikarbeit voll eingebunden, unterstützen das Fachpersonal bei ihrer täglichen Arbeit, lernen Praktisches, aber bekommen auch Einblicke in Therapienverfahren und werden in einigen Spezialgebieten geschult.
Die Westerwaldklinik als Rehaklinik für Patienten mit neurologischen und neurologisch-psychosomatischen Erkrankungen, ist eine der in diesem Bereich führenden Kliniken von Rheinland-Pfalz. Therapiert werden unter anderem Patienten mit Schlaganfall, Multipler Sklerose (MS) oder auch mit einem Schädel-Hirn-Trauma, wie es durch einen Unfall verursacht werden kann. Hinzu kommen Spezialangebote im Bereich der Schmerztherapie, umfassende Sportherapie-Leistungen, zum Beispiel in einem komplett eingerichteten medizinischen Sportstudio, und weitere Spezialbereiche. Patienten können auch ambulant oder teilstationär aufgenommen werden, das heißt: sie sind nur tagsüber in der Klinik, um die Therapiemaßnahmen wahr zu nehmen. Die Mehrheit der Patienten jedoch ist stationär einige Wochen, manchmal sogar Monate in der Westerwaldklinik.
„Für uns ist es schön, wenn wir die Patienten mit unserem Einsatz unterstützen können, und wir freuen uns, wenn wir sehen, dass es mit der Heilung voran geht“.
Ganz nebenbei ist so ein FSJ für die jungen Leute ein Abenteuer fürs Leben. „Wir lernen selbständig zu arbeiten und zu leben. Das hilft ungemein für alle weiteren Schritte in den Beruf. Wir sind von netten Menschen umgeben und wir machen Erfahrungen, die uns niemand mehr nehmen kann“, so das junge Team. Daniel fügt noch hinzu: „Ich kann die Westerwaldklinik nur jedem empfehlen, der ein freiwilliges soziales Jahr machen möchte. Und nicht nur, weil das Klinikrestaurant so leckeres Essen hat...“