YADEGAR ASISI – ZWISCHEN PANORAMA,
EXPEDITION UND BILDUNG
Wer Yadegar Asisi begegnet, trifft auf einen Künstler zwischen Welten: Geboren in Wien,
aufgewachsen in der DDR als Sohn persischer Eltern, geprägt von der Erfahrung, dort als
Ausländer zu leben – und zugleich Student der Architektur in Dresden, bevor er an der
Hochschule der Künste in West-Berlin Malerei studierte (Meisterschüler bei Klaus
Fußmann). DDR, West-Berlin, Iran – drei Gesellschaftssysteme, drei Erfahrungswelten, die
sich in einer Biografie bündeln, die ebenso ungewöhnlich wie faszinierend ist.
Heute ist er der meistgesehene deutsche Einzelkünstler, einer der meistgesehenen Künstler
Europas, und erreicht Besucherzahlen, die auch international zu den höchsten in der
zeitgenössischen Kunst gehören. Seine Arbeit entsteht aus Begegnungen mit Orten,
Extremen und den Menschen, die diese Geschichten tragen. Für jedes seiner Panoramen
ging er an Grenzen – körperlich, geografisch, künstlerisch: Expeditionen in den Himalaya,
Tauchgänge ohne Vorerfahrung im Great Barrier Reef, Aufenthalte über Wochen im
Amazonas-Regenwald, Reisen in die Antarktis, Recherchen unter anderem in Pergamon
und Rom.
Mit seinen monumentalen Rundbildern bannt er Geschichte, Natur und Gegenwart auf eine
Leinwand, die größer ist als jede Galerie. Die Dimensionen lassen zunächst vermuten, dass
ein Panorama überwältigt, dass man als Besucherin und Besucher von der Fülle an Details
und Szenen regelrecht erschlagen wird. Doch tatsächlich eröffnet sich ein Raum, der
Geschichten erzählt – ein Spiel mit der Wahrnehmung, das den Betrachtenden mit jedem
Schritt neue Facetten offenbart. „Der Betrachter wird der Regisseur seines eigenen Sehens“,
sagt Asisi – und beschreibt damit, was seine Kunst so besonders macht: Sie entzieht sich
jeder linearen Erzählung und lädt stattdessen zu einem individuellen Erleben ein.
Unterstützt wird er dabei vom Studio asisi, einem Team aus Expertinnen und Experten für
Architektur, Geschichte, 3D-Visualisierung, Ausstellungsgestaltung, Fotografie und digitale
Kunst. Hinzu kommt die langjährige Zusammenarbeit mit dem Komponisten und Pianisten
Eric Babak, der die musikalischen Klangräume zu Asisis Panoramen gestaltet. Licht sowie
die Tag- und Nachtwechsel entwickelt Yadegar Asisi selbst und verbindet sie mit Klang und
Bild zu einem atmosphärischen Gesamterlebnis. Gemeinsam mit externen Beraterinnen und
Beratern sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern begleitet das asisi-Team
Yadegar Asisi von dem Moment an, in dem er seine Ideen zu einem neuen Panorama
entwickelt, bis hin zur tatsächlichen Realisierung. Doch entscheidend bleibt: Die Themen
wählt er selbst. Er nimmt keine Aufträge an, er setzt nur das um, wovon er überzeugt ist.
Dabei greift er tief in alle technischen Prozesse ein – bis hin zu Innovationen wie den
Nähten, die die gewaltigen Stoffbahnen seiner Panoramen verbinden.
Die Präsentation der Panoramen von Yadegar Asisi ist untrennbar mit eigens dafür
entwickelten Ausstellungshäusern verbunden. In ihnen werden in der Regel mehrere
bestehende oder neue Panoramen gezeigt; Architektur, Raumführung und technische
Ausstattung folgen einem über Jahre entwickelten Panorama-Standard. Bereits an zehn
Standorten wurde dieses Modell auch international erprobt, unter anderem mit einem Projekt
in Rouen. Mit wachsender Erfahrung über mehr als zwei Jahrzehnte entstand so ein
Ausstellungstypus, der das Panorama nicht als temporäres Ereignis, sondern als
eigenständiges Museumsformat der Zukunft begreift. Auf dieser Grundlage entwickelte sich
auch das Interesse von Präsentationspartnern im In- und Ausland, entsprechende Häuser zu
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realisieren. Das derzeit entstehende Ausstellungshaus in Konstanz am Bodensee steht
exemplarisch für diese Entwicklung: Es bündelt architektonische, technische und
kuratorische Erfahrungen aus über zwanzig Jahren Panorama-Arbeit und öffnet zugleich den
Blick auf zukünftige Möglichkeiten dieses Formats.
Seine Panoramen sind nur ein Teil seines Schaffens. Yadegar Asisi ist nicht nur Zeichner,
Maler, Architekt und Bühnenbildner – die Grundpfeiler seiner künstlerischen Arbeit –,
sondern genau aus dieser Basis heraus erwächst auch sein Engagement für die Bildung.
Über 25 Jahre lehrte er an Berliner Hochschulen und vermittelte Studierenden das
perspektivische und räumliche Denken, das seine künstlerische Arbeit bis heute prägt. Für
ihn ist Zeichnen keine Nebensache, sondern eine Schlüsselkompetenz, die über das rein
Rationale hinausgeht und zugleich Wahrnehmung, Denken, Emotionalität und Kreativität
fördert – vergleichbar mit den grundlegenden menschlichen Sinnen. Deshalb fordert er, dass
Zeichnen denselben Stellenwert wie Lesen, Schreiben und Rechnen erhält. Mit dem Projekt
„Eine Stadt zeichnet“ sowie seinem seit 2020 bestehenden YouTube-Kanal, auf dem er
regelmäßig Inhalte veröffentlicht, trägt er diese Idee in Schulen, Städte und Wohnzimmer.
Yadegar Asisi ist – im übertragenen Sinn – ein Wanderer zwischen Welten. Zwischen Ost
und West, Kunst und Wissenschaft, Sinnlichkeit und Struktur. Seine Panoramen sind
sichtbare Manifestationen innerer Reisen – Geschichten, die aus Erlebtem entstehen und
zugleich neue Fragen stellen. Doch über seine Kunst hinaus bewegt ihn vieles: die Suche
nach Bildung als Schlüssel zur Wahrnehmung, das Zusammenspiel von Rationalem und
Emotionalem, die Kunst als Sprache, die jeder verstehen kann.
Kontakt für Interviews und Formate
Yvonne Schünemann
Artist Relations & Project Coordination
T +49 (0)30 69 58 08 6-0
yvonne.schuenemann@asisi.de



