Am 1. November 1919 gründet Richard Jahre seine „Mechanische Werkstatt“. Er möchte Geräte für den Physikunterricht bauen, doch die Reparatur von Nähmaschinen gehört zum Alltag. Als Anfang der zwanziger Jahre das Radio die Menschen in Deutschland zunehmend begeistert, beginnt Richard Jahre mit der Serienfertigung dringend benötigter Spulen, Klemmen, Detektoren und Glimmerkondensatoren. Bereits 1924 erweitert der “Radioapparatebau Richard Jahre” seine Produktpalette um Summer, Wellenmesser, Luftkondensatoren, RC-Koppelelemente und den Multiblock, den weltweit ersten Mehrfachkondensator.
Das Produktprogramm wächst kontinuierlich. Das jetzt unter “Richard Jahre, Spezialfabrik für Kondensatoren in Berlin” firmierende Unternehmen vergrößert 1934 sein Werk in Berlin und bedient Konzerne wie Siemens, AEG, Telefunken oder Rhode und Schwarz. Aber auch Wissenschaftler gehören zum Kundenstamm. Im Versuchsaufbau, mit dem Otto Hahn 1938 die erste Kernspaltung gelingt, befinden sich Jahre-Kondensatoren.
1949 zieht Richard Jahre mit seiner Firma in den Westteil der Stadt und konzentriert sich zunächst auf die Herstellung hochwertiger Glimmerkondensatoren für professionelle Anforderungen. Später kommen Induktivitäten in vielfältigsten Bauformen sowie Glimmerscheiben hinzu.
Richtfunk, Radar, Radioastronomie und die Raumfahrt gewinnen an Bedeutung. Für diese neuen Technologien fertigt Richard Jahre seit 1959 zuverlässige, robuste und präzise arbeitende Bauelemente. Die NASA ordert Komponenten für ihr Apollo-Programm. 1975 liefert man Bauteile für das in deutsch-französischer Kooperation entwickelte Panzerabwehrsystem “MILAN” und 1986 Laufzeitketten für den Teilchenbeschleuniger des Elektronen-Synchrotrons DESY II. Jahre-Glimmerkondensatoren und -Induktivitäten befinden sich in der Elektronik deutscher Satelliten und in den empfindlichen Messsystemen der italienischen Raumsonde Giotto.
Die Richard Jahre GmbH, die mittlerweile ihren Standort nach Wilhelmshaven verlegt hat, erweitert 2002 ihr Produktportfolio um Messwertaufnehmer-Systeme mit Dehnmessstreifen (DMS). Diese zur Messung von Zug-, Druck-, Dreh- oder Scherkräften eingesetzten Aufnehmer werden zur Gebäudesicherheit, in der Container- und Schwerlastschifffahrt sowie im Kranbau verwendet. Richard Jahre fertigt DMS-Systeme zur Aufnahme von bis zu 5.000 kN.
Im Dezember 2008 erwirbt die Oldenburger Familie Eibenstein die Richard Jahre GmbH. Anfang 2010 macht Geschäftsführer Andreas Eibenstein den Weg frei für die Einführung einer technischen Weltneuheit: Ein Sensorsystem zur permanenten Trägerzustandsüberwachung (TZÜ) von Hallendächern aus Holz oder Stahl. Mit diesem Frühwarnsystem lässt sich der Einsturz von Hallendächern vermeiden.
Was alle Komponenten der Richard Jahre GmbH verbindet: Es sind Produkte „Made in Germany“.