Oberschlesien fasziniert durch seine Kunstdenkmäler, seine wechselhafte Geschichte und Gegensätze: altes Bauernland und frühes Industrierevier, kirchlich geprägt und mehrsprachig, mal Brücke, mal Zankapfel zwischen Polen, Deutschen und Tschechen, zwischen Habsburg und Preußen. An die tausend Kilometer von seiner Bezugsregion an der Oder entfernt, entstand 1983 in Ratingen (Hösel) das Oberschlesische Landesmuseum als Einrichtung der 1970 gegründeten Stiftung Haus Oberschlesien.
Im oberen Stockwerk des 1998 bezogenen Neubaus zeigt die Dauerausstellung mit drei Themenschwerpunkten Oberschlesien vom Mittelalter bis zum Beginn der Industrialisierung im 18. Jahrhundert, Oberschlesien als bedeutendes Industrierevier sowie Oberschlesien und seine Menschen in der europäischen Politik des 20. Jahrhunderts. Zu sehen sind kostbares Silber, Fayencen, Textilien, historische Karten und Dokumente, Orts- und Industrieansichten, Stadtmodelle Eisenkunstguss-Erzeugnisse, Vereinsfahnen, persönliche Lebenszeugnisse und vieles mehr. Neue Wege zur Erforschung und Darstellung von Geschichte, Kunst und Kultur dieser Region haben sich nach der politischen Wende von 1989/90 geöffnet. Vielfältige Möglichkeiten zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit Museen und kulturellen Einrichtungen im heutigen Oberschlesien haben sich seither ergeben. Laufend finden gemeinsame Ausstellungsvorhaben an wechselnden Orten statt. Die thematische Bandbreite umfasst Kunst und Kulturgeschichte, Aspekte der Industriekultur, des Kulturgutschutzes ebenso wie Geologie und Naturkunde. Als kulturelle Mitte des Stadtteils Hösel bietet das Oberschlesische Landesmuseum außerdem Veranstaltungen an, die auf Ratingen und seine nähere Umgebung bezogen sind. Führungen, Vorträge und museumspädagogische Angebote ergänzen das Programm. Dem Fachbesucher stehen nach Anmeldung eine reichhaltige Bibliothek sowie diverse Informationsangebote zur Verfügung.