Unfassbar, was Farben alles können!
Einige wärmen, andere kühlen, aktivieren Glückshormone, sind einfach da und überall. Sie können eine Liaison eingehen und uneigennützig in sich selbst aufgehen oder zu einer ganz neuen Farbe verschmelzen. Andere beißen sich. Schmerzen in den Augen oder flirren. Farben schaffen Stimmungen, senden Signale aus, sprechen andere und zugleich alle Sprachen.
Unterschiede und Geschmack werden sprachlich zu Zinnober, Curry, Lindenblütensorbet, Pistazie, Masala.
Aber was ist mit Weiß? Der Reinheit, das Unbefleckte, die Weisheit. Weiß ist ein Versprechen. Das weiße Hemd schafft Autorität, die weiße Weste ist ein Ehrenwort.
Am Anfang war das Nichts, und Gott sprach, es werde Licht. Weiß ist die Heimat des Lichtes, dass alles Sichtbare gebiert. Und doch ist Weiß keine Farbe. Weiß ist die Summe aller Farben im Lichtspektrum, eine Nichtfarbe. Und zugleich pure Reinheit, unbefleckt.
Isaak Newton zeigte das in seinen Prisma Experiment. Johann Wolfgang von Goethe erforschte stattdessen den Raum zwischen den reinen Farben.
Weiß ist die leere Leinwand, der Neuanfang, der symbolische Frieden, die Reinheit. Weiß ist weiß ist schwer zu fassen. Auf Dauer ist es schwer zu ertragen. So grell kann es sein. Erst das Spiel von Licht und Schatten gibt dem Weiß seine Lebendigkeit. Schneeweiß, Brilliantweiß, Zinkweiß, Käseweiß, Kreidebleich.
Ein weißes Blatt Papier kann einen horror vacui auslösen. Und ein winziger Fleck auf Weiß kann die gesamte Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Weiß trägt alles und ist damit vielleicht die schwerste Farbe.