Über die Schamanin Magaly
Eine Schamanin wird man nicht - man ist es von Anfang an... Schon früh hatte meine Grossmutter und weithin bekannte Schamanin meines Dorfes mein Potential erkannt und mich in ihre Obhut genommen. Seit frührester Kindheit habe ich meine geliebte Nana (span. f. Grossmutter) Izabel auf endlose Wanderungen von Dorf zu Dorf begleitet, zugesehen wie sie Kranke heilte und mit kleinen Zaubereien die Wünsche ihrer Kunden erfüllte. Meine Meisterin und ich standen im fortwährendem inneren Dialog, wir brauchten keine worte um uns zu verständigen sprachen wir in unseren Gedanken, eine Fähigkeit, die ich von klein auf an hatte und mir als Kind vollkommen selbstverständlich erschien. Ich musste viele Prüfungen an Körper und Geist durchstehen, wie eine lange Isolationen, eisiges Wasser im Winter und zahlreichen magischen Prüfungen. Eine Schamanin muss charakterstark, unerschütterlich und reinen Glaubens sein um dies alles bestehen zu können und immer tiefer in die Mysterien und das geheime Wissen der Inka eintauchen zu können.
Trotz meiner nun schon 39 Jahre zähle ich noch zu den jungen Schamanen, viele betrachten mich obwohl ich alle großen Prüfungen bestanden und seit mehreren Jahren auch offiziell zur Schamanin meines Stammes geweiht bin als zu jung. Izabel sagt dazu nur, dass es nicht unbedingt auf die Jahre ankommt sondern auf die Kraft und den Willen ohne den jede Magie leer und inhaltslos wäre und das habe nichts mit dem Alter zu tun. Ein Heiler ist nicht gleich ein guter Magier und umgekehrt pflegt sie zu sagen, denn die meisten unter uns beschränken sich in ihrer Arbeit auf das Orakeln und Heilen der Kranken. Wenige gehen weiter und erkunden den Sinn und Gehalt der magischen Weisheiten und Lehren und da seine Meister zu finden ist schwierig und ich hatte Glück auf meinen Weg einigen sehr herausragenden Meistern begegnen zu dürfen. An manchen Stellen vermischt sich mein schamanischer Weg mit dem des Vodoo, denn in Pisco war ich Schülerin eines sehr großen Meisters, der mich in der weiter entwickelten und Voodootradition der einstigen Sklaven, die aus Afrika nach Peru kamen unterrichtete. Viele meiner wirksamsten Zauber stammen von ihm und erst durch ihn habe ich die Bedeutung der Zeichen und die Kraft und den Gebrauch des magischen Willens gelernt. Leider verstarb dieser Meister, der mich neben meiner Grossmutter am meisten geprägt hatte, vor zwei Jahren an genau dem Tag, den er schon als Kind vorher gesagt hatte. Seither streift mich sein Geist hin und wieder bei den großen Feuer- und Kraftritualen um mir beizustehen oder ich erkenne in Zeitungen und in Kritzeleien an Hauswänden seine versteckten Botschaften. Ein großer Geist stirbt nicht und entfernt sich nicht, er bleibt, beobachtet und schafft Brücken zwischen den Ebenen.
Aber ich schweife ab. Es geht hier um mich und ich versuche hier ein Bild von mir zu geben und von dem was ich tue und was ich bin, was tatsächlich nicht so einfach ist.
Ich habe mich lange Jahre in der magischen Energiearbeit geschult, die Rituale, die ich durchführe gehen oft weit über das hinaus was andere Schamanen können oder gutheißen, denn durch den Einfluss meines großen Lehrers aus Pisco habe ich mich immer weiter in die Materie der hohen Magie eingearbeitet. Irgendwann findet man seinen Weg allein und folgt der inneren Stimme immer weiter in unbekanntes Gebiet und eines Tages, nachdem mich mein Meister einer harten Prüfung unterzog entließ er mich mit den Worten: "Du bist fertig, geh raus und hilf den Menschen, ich kann dir nichts mehr beibringen!" Ich ging noch am selben Tag nach Lima, ich habe ihn nie wieder lebend gesehen. In Lima lernte ich später meinen Mann kennen, wir gründeten eine Familie und ich lebe seither mit meinen zwei Töchtern und meinem Mann und meiner Mutter in San Martin de Porres, nicht einem der besten Stadtteile Limas, aber es ist unser zuhause. Wenn es nach mir ginge würde ich gern zurück nach Cusco gehen, aber meinem Mann gefällt es dort nicht, er bekommt sofort die Höhenkrankheit...
Ich arbeite vorwiegend in meinem Haus und an meinem Ritualplatz in einer menschenleeren Gegend 1 Stunde von Lima entfernt, wo ich manchmal ganze Tage verbringe. Ich habe bis heute viele hundert Paare glücklich wiedervereint, mit Geld-, Erfolgs- und Glückszaubern Menschen aus aller Welt geholfen und unzählige Flüche aufgehoben, Personen mit Schutzzaubern belegt und Orte von bösen Geistern oder negativen Energien befreit. Ich sehe mich als Schamanin mit dem Wissen der alten Mysterien der Inka und ich nutze meine freie Zeit um in Büchern und von anderen Magiern nach weiteren Methoden und Erkenntnissen zu forschen.