Unsere intellektuelle sowie auch ästhetische Intuition veranlassen uns dazu, darüber nachzudenken, dass sich ausser unserem alltäglichen Dahinfliessen noch etwas anderes, gleich einer unbekannten Verstandesinstanz, in uns bewegt. Eine Instanz, die die Kunst abbildet, und je mehr man versucht, sie zu erkunden, desto komplexer und geheimnisvoller erscheint sie. Vielleicht weil in ihr unsere kontemporäre Möglichkeit zu beobachten, entfernten, verborgenen Gefühlsebenen verbunden ist, wie ein neues Bewußtsein vergangener Suggestionen, die als zukünftige Potenziale verstanden werden. Wahrscheinlich müssen wir uns fragen, ob es wirklich die Erinnerung, oder besser, wie Proust in À la recherche du temps perdu schrieb, der antike Moment ist, an den in einem identischen Augenblick erinnert wird, und der schließlich das Bewußtsein vollständig berührt. Die Kunstwerke erscheinen als greifbares Wort unbekannter intellektueller Worte. Rings um jener Vokabel, die zwischen Bildern und Worten dahinfliesst, zwischen dem Bewußtsein von Wille und der Suche nach eben diesem, bewegt sich ein Raum, der, von einer erkennenden Leidenschaft angetrieben, dessen Zeichen aufbewahrt. Die Galerie Immaginaria, die schon in ihrem Namen jenes aufruft, was das Gegenständliche der Wirklichkeit nicht enthalten kann, verfolgt seit vielen Jahren die Strecken langer Reisen und mutiger Erkundungen, die die Künstler vollbringen und die wie Zeugnisse sichtbarer Biographien erscheinen. Nicht zufällig ist die Geburtsstätte der Galerie inmitten von Worten, um die sich die Bilder bewegen und an denen sie wie an Fixpunkten befestigt werden. Die Buchhandlung Einaudi in Florenz hat in ihrem Inneren, ähnlich einem verhüllten Atem, die Galerie Immaginaria. In ihr befindet sich eine Art narrativer Hypothese zwischen dem, was existiert und dem, was man sich vorstellt, zwischen der realen und greifbaren Materie, also der Gegenständlichkeit des körperlichen Raum mit seinen Texten, und der immaginären Hypothese, die aus jenen wie eine intellektuelle und ästhetische Erinnerung hervorgeht; Ort der Abfahrt und des Anlegens zwischen den Worten und dem, was sie hervorrufen. Die Wahl der ausgesuchten Werke in der Sammlung der Galerie beweist gerade diese Erfahrung des Intellekts, der zwischen den Worten seine Suggestionen nährt. Die gleiche Leistungsfähigkeit, die vom Konzept her die immaginäre Dimension der Galerie am Besten beschreibt, auch und vor allem dank der Künstler, aus denen sie gebildet wird. Dank ihrer Werke, die es uns ermöglichen, sie zu hören.