Kunst 2.0
Kulturbegeisterte Traditionsliebhaber müssen es einsehen: Heiko Mattausch verkörpert all das was man nicht mit einem Maler in Verbindung bringt. In einer farbrestfreien Jeanslatzhose öffnet mir der Wahlleipziger die Tür. Hinter ihm Freundin Lisa und Hündin Molly. Binnen weniger Sekunden hat das zugegeben klischeebehaftete Image eines Malers ein Update erfahren. Helle Leipziger Westwohnung statt entlegener Kreativgarage. Atelier statt Wohnzimmer. Eisgekühlter Apfelsaft mit Minzblättern statt Kaffee und Kippe.
Um Routine zu vermeiden, lässt sich Heiko Mattausch gerne überraschen. Vor allem von sich selbst. Und doch bleibt er seiner Linie, die selbst Konzerne wie Goodyear zu einem Großauftrag überzeugten, immer treu und macht aus jedem Bild früher oder später einen unverkennbaren Mattausch. Einige Werke des 37-Jährigen warten seit mehreren Jahren auf ihre Fertigstellung, andere wiederum entstanden aus einer plötzlichen Inspiration und erhielten nach nur wenigen Tagen ihren letzten Pinselstrich. Vermutet mancher hinter einem Maler der Neuzeit noch immer ein verrücktes Genie, so sollte er spätestens jetzt eines besseren belehrt werden. Heiko Mattausch spricht ungewohnt rational von seinem Talent, das zum Beruf wurde, von den Geschichten hinter der Leinwand und seinem persönlichen Bezug. Immer wieder fällt mein Blick auf das dazugehörige Bild. Wilde Pinselstriche, markante Erhebungen, weich ineinanderfließende Farben und schemenhafte Formen fügen sich erst mit dem nötigen Abstand zu einem klaren Ganzen zusammen. Pinsel und Spachtel bilden seine kreativen Waffen, Öl die Munition. Leidenschaftlich wandert Mattausch von Bild zu Bild und nimmt mich mit auf eine kreative Reise, vorbei an surrealen Abbildern eines schönen Leipzigs, die gerade einmal wirklich genug sind, um den Ort erkennen zu lassen. Unser Weg führt uns weiter zu Visualisierungen biblischer Musikstücke, Diplomarbeiten überdimensionalen Ausmaßes bis hin zu Grafiken, auf denen Menschen tief in ihr Innerstes blicken lassen. Auch ein Selbstportrait findet sich unter den Werken des studierten Malers. Es trägt den Titel Kirmesboxer und vielleicht stecken darin Wahrheit und Erfolgsrezept in einem.
Laura Becker
L.E. CATWALK, 2013