Das historische Volksschauspiel „Die Schutzfrau von Münnerstadt“ von Ludwig Nüdling (1874 – 1947) ist ein Vertreter der seit dem 12. Jahrhundert typischen Marienverehrung. Maria wird als Helferin in allen Notlagen angerufen, besonders in Kriegsgefahr. Sie wird zur Schutzpatronin von Ländern, Städten, Kirchen und Einrichtungen. „Die Schutzfrau von Münnerstadt“ zählt mit ihrer Erstaufführung im Jahr 1927 zu den ältesten Volksschauspielen Frankens. Entstanden ist es auf Betreiben des damaligen Bezirkshauptmanns (Landrats) von Bad Kissingen, Freiherr von Moreau, als Attraktion für die Kurgäste und Touristen. Die Stadt beauftragte den erfolgreichen Dichterpfarrer Ludwig Nüdling mit der Ausarbeitung des Stoffs und Alois Sator (Theater Würzburg) mit der Regie. Von Anfang an legte man trotz des lokalgeschichtlichen Inhalts großen Wert auf die überörtliche Bedeutung und zeitübergreifende Gültigkeit der christlichen Botschaft. Diese besagt, dass ein fester Glaube auch in schwersten Zeiten eine entscheidende Hilfe sein kann. Bis auf eine (u.a. kriegsbedingte Pause) wird das Stück jedes Jahr ausschließlich von Laiendarstellern aus Münnerstadt und seinen Ortsteilen in der Originalfassung aufgeführt. Meist spielen diese ein Leben lang in wechselnden Rollen mit und sorgen so dafür, dass ihr Heimatspiel ein fester und wichtiger Anker im Jahreslauf von Münnerstadt bleibt. Quelle: H.-Rudolf Becher, „Historische Volksschauspiele in Franken“