Wir leben in einer Zeit in der Hierarchien immer flacher werden und Firmen immer transparenter. Nur die Modebranche scheint sich diesem Phänomen entziehen zu wollen. Hier wird immer noch ein Designer als König seines Hauses gefeiert, der im Geheimen arbeitet und sein Fußvolk aus Presse und Einkäufern zwei mal im Jahr zur Audienz einlädt.
Was sich allerdings verändert hat ist, dass es heute auch Leuten außerhalb der Branche möglich ist, durch Videoübertragungen und unzählige Online-Medien fast live an den Fashion Weeks der ganzen Welt teilzunehmen. Mode ist dadurch von einem Thema für Insider zu einem Thema von allgemeinem Interesse geworden. Die Menschen sind heute so gut über die neuesten Trends informiert wie noch nie. Warum sollten sie da noch Designer brauchen, die ihnen fertige Entwürfe vorsetzten? Warum nicht selbst ihre eigene Mode tragen? Und wie kann es eigentlich sein, dass wir uns im Zeitalter der Individualität mit einer Auswahl von Schwarz, Grau und Braun zufrieden geben?
Fashion Hackers ist eine Plattform, die diese kreative Energie bündeln will, um eine autonom organisierte Mode entstehen zu lassen. Eine Mode, die von den Träumen, Wünschen und Bedürfnissen echter Menschen gemacht wird. Jeder ist eingeladen, seine Skizzen, Collagen oder auch nur Gedanken über die Fashion-Hackers Facebook Seite zu teilen. Aus den sich hier herauskristallisierenden Ideen wird die jeweils nächste Kollektion entstehen. Und auch das geschieht nicht im Geheimen, sondern transparent und gesteuert durch das konstante Gespräch mit der Community. „Soll der Kragen noch größer oder kleiner werden?“, „Der Saum schief oder doch lieber gerade?“... jeder kann zu all diesen Fragen, die sich im täglichen Leben eines Modedesigners stellen, seine persönliche Meinung äußern.
Die vier Kollektionen pro Jahr sind allerdings ausschließlich als Kleiderschnitte erhältlich. Man kann sie über die Homepage runterladen und ganz einfach zuhause ausdrucken und zusammen kleben. Wie zu fast jedem Arbeitsschritt gibt es auch dazu eine ausführliche Videoanleitung. Ein Kleidungsstück von Fashion-Hackers sieht immer anders aus, hat seine eigene Geschichte und eine ganz persönliche Note.
Wir verstehen uns daher nicht als klassisches Modelabel, sondern eher als Teil einer Bewegung von Menschen, die aktiv ihr Leben gestallten wollen. Frei nach Joseph Beuys: „Jeder ist ein Künstler“, lautet unser Credo: „Jeder ist ein Modedesigner“! Unsere Aufgabe ist es dabei zu helfen.
Hinter dem Konzept und der Umsetzung von Fashion-Hackers steht Sophie Schmuckermeier (25), die erst Anfang dieses Jahres ihr Modedesign Studium abgeschlossen hat. Fasziniert und gleichzeitig schockiert von den Mechanismen der Modeindustrie war ihr schnell bewusst, dass sie ihren eigenen Weg in die Branche finden muss. „Mode soll Menschen glücklich machen! Ich will Träume erfüllen.“ sagt die Designerin selbst. Sich selber will sie dabei nicht zu sehr in den Vordergrund stellen, denn vorrangig geht es um die Träume der anderen Fashion-Hacker.