Das „Deutsche Bündnis gegen Depression e.V.“ entstand im Rahmen des „Kompetenznetzes Depression, Suizidalität“ und wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Zentrales Anliegen ist eine Verbesserung der Versorgungssituation depressiv erkrankter Menschen und die Prävention von Suizidalität. Das Projekt startete 2000 in Nürnberg mit vielfältigen Aktivitäten, die auf vier verschiedenen Ebenen ansetzten: 1. Kooperation mit Hausärzten, 2. eine groß angelegte PR-Kampagne zur Aufklärung der Öffentlichkeit, 3. Fortbildung verschiedener Multiplikatoren (Altenpfleger, Apotheker, Polizisten, Lehrer, Journalisten und weitere) und 4. Schaffung von Angeboten für Betroffene und Angehörige (im Bereich Selbsthilfe, Entwicklung von Informationsmaterialien, Onlinediskussionsforum).
Während der zweijährigen Intervention war ein Rückgang der Anzahl suizidaler Handlungen (Suizide und Suizidversuche) um 24% festzustellen, ein Effekt der sich in den Folgejahren noch weiter verstärkte und in der Kontrollregion Würzburg nicht zu beobachten war. Es hatte sich also gezeigt, dass durch eine gemeindebasierte Intervention auf vier Ebenen die Versorgung depressiv Erkrankter verbessert und die Suizidalität deutlich reduziert werden kann. Die äußerst vielversprechenden Ergebnisse führten zu einer hohen Nachfrage zahlreicher Regionen nach diesem evidenzbasierten Konzept einschließlich der entwickelten Interventions- und Evaluationsmaterialien. Folglich wurde 2003 das „Deutsche Bündnis gegen Depression e.V.“ als Dachorganisation für die Ausweitung der Bündnisaktivitäten auf andere Regionen in Deutschland gegründet. Die Erfahrungen aus dem Nürnberger Bündnis gegen Depression sind auch im Ausland auf Interesse gestoßen. Mit Unterstützung der Europäischen Kommission konnte 2004 die „European Alliance against Depression“ ins Leben gerufen werden (www.eaad.net).
Regionale Kampagnen auf Basis des 4-Ebenen-Interventionskonzepts werden mittlerweile in über 60 Städten und Regionen bundesweit durchgeführt. Innerhalb der einzelnen Bündnisse arbeiten unterschiedlichste Institutionen und Personen zusammen. Je nach lokalen Kooperationsmöglichkeiten gehören Ärzte, Psychotherapeuten, Beratungsstellen, Kliniken, Schulen, Apotheken, Kirchen, Selbsthilfe- und Angehörigengruppen und viele weitere professionelle Versorgungseinrichtungen sowie private Initiativen zum Netzwerk der Bündnisse. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit gewährleistet eine hohe Akzeptanz und breite Wirksamkeit des Aktionsprogramms auf lokaler Ebene.
Unterstützung erhalten interessierte Städte und Regionen durch den Koordinator der „Bündniszentrale“ in Leipzig. Dieser stellt Konzepte und Materialen zur Verfügung und unterstützt beratend bei Planung, Kampagnenstart und Kampagnendurchführung sowie bei der Konzeptualisierung von Öffentlichkeitsarbeit, Multiplikatorenschulungen und Evaluation.