Interview: Alpar Fendo
Hallo Alpar. Du hast vor geraumer Zeit Deine Leidenschaft für Zauberkunst, Bauchreden und Stand-Up-Comedy zum Beruf gemacht. Dabei warst Du bereits auf dem Weg in Richtung Chefetage. Gerade in Berlin, einer Metropole, in der viele Akademiker Taxi fahren oder kellnern, ist es schwerlich zu verstehen, warum ein promovierten Manager, der seine Karriere bei PricewaterhouseCoopers in London begonnen hat und auf dem besten Wege war, Karriere zu machen, alles „hinwirft“, um sich seiner ultimativen Passion - der Kleinkunst - zu widmen. Für viele nicht so ganz leicht nachzuvollziehen. Wie kam es dazu und was waren Deine Beweggründe?
Ich bin in den letzten Jahren immer mehr zu der Überzeugung gelangt, dass man schließlich nur ein Leben hat und in seiner doch recht überschaubaren Erdenzeit Dinge tun sollte, die man liebt, die Spaß machen und persönliche Erfüllung bringen. Und dies ohne irgendwelchen Zwängen zu unterliegen. Im Laufe meiner beruflichen Karriere wurde für mich immer deutlicher, dass in vielen Unternehmen anhaltender Konkurrenzdruck und Hierarchien künstlich und bewusst geschaffen werden. Man läuft also ständig der Karotte vor der Nase hinterher. Will man also allen aufoktroyierten Anforderungen entsprechen, nicht negativ aufzufallen und seine sogenannte „Karriere“ voran zu treiben, muss man zwangsläufig mit dem Strom schwimmen. Wie bei einem Marathonlauf, der nie endet. Leider konnte ich ein erfüllendes Gefühl in den letzten 14 Berufsjahren in der Wirtschaftsprüfung nur selten auf Projekten beim Mandanten erleben. Die Diskrepanz zwischen dem eigentlichen Soll und dem tatsächlichen Ist-Zustand war zu groß. Aber der eigentliche Beweggrund war schlicht und ergreifend selbst etwas zu schaffen und vor allen Dingen zu erschaffen. Menschen zum Lachen, Staunen und Nachdenken zu bringen. Einfach an eigenen Projekten zu arbeiten, die Bestand haben und wirklich nachhaltig sind. Eben nicht mehr nur einfach über Konzepte, Pläne und Träume zu sprechen, sondern sie in die Tat umzusetzen und seinen Traum wahrhaftig zu leben.
Du zauberst seit Deiner frühesten Kindheit. Wie entstand Deine Leidenschaft für Magie, die Bauchrednerkunst und der Wunsch, Menschen mit Deinen Fähigkeiten, Ideen und einem Dir ganz eigenen Humor zu unterhalten? Woher kam die Inspiration dazu?
Schuld ist eigentlich mein Bruder, der mir damals einen Kartentrick zeigte und mir diesen natürlich nie verriet. Das offenbare Naturgesetze auf den Kopf gestellt werden können, erweckte in mir das Interesse für Zauberei und damit nach und nach für die wirkliche ZauberKUNST. Dieses Hobby hatte für mich auch einen therapeutischen Effekt, da ich mich dadurch selbst im sozial-emotionalen, psychomotorischen, verbalen aber auch kognitiven Bereich Schritt für Schritt stärken und verbessern konnte. Inspiriert haben mich hierbei natürlich auch große Zauberer wie etwa – ganz klassisch - David Copperfield. Doch auch medial weniger bekannte Zauberkünstler aus Deutschland trugen maßgeblich dazu bei. Die Faszination für das Bauchreden erwuchs in mir nach einem Auftritt Jörg Jaras im Varieté in Hannover. Ich besuchte daraufhin die erste europäische Bauchrednerschule und stellte mit Erstaunen fest, dass ich die nötige Technik, ohne mir dessen bewusst zu sein, bereits konnte. Nach und nach belegte ich weitere Kurse und war sogar in Cincinnati beim größten Bauchrednerkongress der Welt, wo ich auch Jeff Dunham, einen der ganz Großen dieses Metiers, persönlich kennenlernen durfte.
Dein neues Programm „ALLES AUSSER IRDISCH“ hat gewissermaßen auch mit Deiner eigenen Geschichte zu tun. Deine Eltern sind Ende der Sechzigerjahre aus Istanbul nach Sulz am Neckar gezogen. Wie hast Du Deine Kindheit dort empfunden und inwieweit finden sich Elemente dieser Erfahrungen in Deiner neuen Show wieder? Fühltest Du Dich auch gewissermaßen als Außerirdischer?
Ich kann gut nachempfinden, wie es ist, sich in einer neuen Umgebung fremd zu fühlen. Deshalb erzähle ich in meinem neuen Programm auch ein bisschen etwas über meine eigene Geschichte. Als einer von nur ganz wenigen Ausländern in einer schwäbischen Kleinstadt aufzuwachsen, hatte - insbesondere für meine Eltern - zum Teil definitiv etwas von Alientum. Man sah ja anders aus und sprach die deutsche Sprache anfänglich auch nur eher mangelhaft. Wie E.T. Doch im Nachhinein kann ich dieser Zeit meines Lebens auch viel Skurriles und Amüsantes abgewinnen. Wobei es tatsächlich nicht immer leicht war und man auch häufig mit Schubladendenken und Ressentiments konfrontiert wurde. Wie man im Schwäbischen so schön sagt „Es isch nix für nix, dass es id doch no für ebbes guet isch“. Und schließlich waren diese Erfahrungen ja auch zu einem gewissen Teil Inspiration für mein neues Programm.
Was würdest Du als Privatmensch den Außerirdischen raten? Ganz schnell wieder das Weite zu suchen oder besteht Deiner Meinung noch Hoffnung für die Menschheit?
In meinem neuen Programm unterliegt mir als Mitarbeiter des Miliärischen Abschirmdienstes (MAD) die Aufgabe, für die Koordination eines geregelten und zielgerichteten Umgangs mit extraterrestrischen Völkern zu sorgen. Schließlich bin ich ja der beste Mann für den Job. Ich kenne mich schließlich, aktiv wie passiv, mit Integration aus. Mir ist das Gefühl alles andere als Fremd, sich fremd zu fühlen. Zunächst als Türke in der schwäbischen Provinz und später wiederum als Schwabe in Prenzlauer Berg. Ich persönlich glaube deshalb an eine erfolgreiche Eingliederung fremdartiger Wesen und gebe mir die allergrößte Mühe, die außerirdischen Besucher durch die Unwägbarkeiten des deutschen Behördendschungels zu lotsen und sie in die Regeln und Gepflogenheiten unserer „zivilisierten“ Welt einzuweihen. Die Außerirdischen kommen schließlich aber von selbst darauf, was für sie die richtige Entscheidung ist. Das möchte ich hier auch nicht vorweg nehmen. Am besten einfach mal in die Show kommen und gespannt sein, was im Rest des Universums so von unserem Planeten und seiner Bewohner gehalten wird.