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Die heldenhaften Hubschrauberpiloten von Tschernobyl

02.01.201809:16 UhrTourismus, Auto & Verkehr
Bild: Die heldenhaften Hubschrauberpiloten von Tschernobyl
Die heldenhaften Hubschrauberpiloten von Tschernobyl
Die heldenhaften Hubschrauberpiloten von Tschernobyl

(openPR) Der heldenhafte Einsatz der Hubschrauberpiloten beim Supergau von Tschernobyl

Kurz nach dem Super-GAU im Kernkraftwerk von Tschernobyl wurden etliche Hubschrauber eingesetzt. Ihre Aufgabe war Sandsäcke in die klaffende Reaktorschlucht abzuwerfen. Die Besatzung riskierte bei diesen gefährlichen Einsätzen oft das Leben.



Am 26. April 1986 ereignete sich im Kernkraftwerk Tschernobyl die bisher größte nukleare Katastrophe. Um den havarierten Reaktorblock 4 aus der Luft zu versiegeln, wurden Militärhubschrauber eingesetzt. Die Besatzungen waren häufig extremer Strahlung ausgesetzt. Der damalige Stabschef der Luftstreitkräfte des Militärbezirks Kiew, Kommandeur der Hubschrauberstaffel und Leiter der Operation zur Löschung des brennenden Reaktors aus der Luft, General Nikolai Antoschkin, wird die Erinnerung an die schrecklichen Stunden und Tage nicht mehr los. Der Codename „Kubok“ hat sich in tief in sein Bewusstsein eingebrannt und lässt ihn nicht mehr los.

Alles begann am Abend des 26. April 1986, 16 Stunden nach der Explosion: Nikolai Antoschkin stand in der nahegelegenen Stadt Pripjat auf dem Dach des zehngeschossigen Hotels „Polisya“ und beobachtete aus der Ferne das Lodern eines dunkelroten Feuers, aus dem ein gigantischer schwarzer Rauchkegel in den Himmel stieg. Er stammte vom gerade einmal anderthalb Kilometer entfernten explodierten Reaktorblock 4 und warf unsichtbare Todesstrahlen. Die Werksfeuerwehr hatte zwar die Flammen rund um den Reaktor gelöscht, doch im Reaktorinneren brannten noch immer 2 500 Tonnen Graphit mit über 3 000 Grad Celsius und leiteten eine gigantische Kernschmelze ein.
Es war ein Wettlauf gegen die Zeit um eine Kernschmelze zu verhindern

Sowjetische Atomexperten schlugen als erstes vor, den Reaktor mit einer Sandschicht zu versiegeln. An den havarierten Reaktorblock konnte man jedoch nur aus der Luft herankommen. Die Zeit drängte, weswegen Hubschrauber möglichst schnell damit beginnen sollten, Sandsäcke über dem glühenden Krater abzuwerfen. Unverzüglich wurde ein Hubschraubergeschwader angefordert. Mehrzwecktransporthubschrauber vom Typ Mi-6 und Mi-8 setzten den Befehl unverzüglich um und trafen bei widrigen Flugbedingungen – Nacht, Gewitter und niedrige Wolkendecke – auf dem nächstgelegenen Militärflugplatz ein. Die Besatzungen bestanden aus erfahrenen Piloten, die ihre Feuertaufe gerade in Afghanistan bestanden hatten.

Mit den ersten beiden Mi-8-Helikoptern, die von Oberst Boris Nesterow und Oberst Alexander Serebrjakow gesteuert wurden, unternahmen die Mitglieder der in aller Eile gebildeten Regierungskommission einen Erkundungsflug über dem Atomkraftwerk. Gleichzeitig wurde die Radioaktivität über Reaktorblock 4 in ihrem Höhendiagramm bestimmt. Die Auswertung ergab, dass die Hubschrauber zum Abwerfen der Sandsäcke drei bis vier Minuten im Schwebeflug über dem strahlenden Reaktor verharren mussten. In dieser Zeitspanne würden die Piloten bei jedem Flug einer Strahlendosis von 200 bis 800 Millisievert (mSv) ausgesetzt sein. Schon das läge mindestens 50-mal über der maximal erlaubten Jahresdosis eines Atomkraftwerkers. Und es waren sehr viele Flüge notwendig.

Schon bald steuerte der erste Hubschrauber mit Sandsäcken beladene Hubschrauber das Ziel an. Mit einer Geschwindigkeit von 140 Stundenkilometern flog die Mi-8 direkt auf Block 4 zu und schwebte in 110 Metern Höhe über dem zerstörten Reaktor. Die Radioaktivität war so hoch, dass das Dosimeter, dessen Anzeige Strahlungswerte bis zu 5 Sievert (Sv) registrieren kann, voll ausschlug und danach seinen Dienst versagte.
Der tragische Hubschrauberabsturz – es war menschliches Versagen

Der erste Hubschrauber sackte im Horizontalflug über dem Epizentrum plötzlich 30 Meter in die Tiefe. Alle hielten den Atem an, denn die enorme Lufttemperatur verringerte abrupt die Schubkraft der Rotorblätter. Doch der erfahrene Pilot konnte die Maschine rechtzeitig abfangen. Der durch ein Seil im Frachtraum gesicherte Bordmechaniker erstarrte zunächst beim Blick in das nukleare Inferno, doch er konnte noch geistesgegenwärtig die Sandsäcke abwerfen. Hochgewirbelter Staub und radioaktive Graphitasche setzten sich sofort in den Atemwegen der Besatzung fest. Damit konnten sie sich nicht lange aufhalten, denn ihnen folgte bereits der nächste Helikopter. 27 Hubschrauber, die jeweils in Dreiergruppen starteten, waren ununterbrochen im Einsatz.

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Unerwartet stellte sich heraus, dass die immer dicker werdende Sandschicht die Temperatur im Inneren des havarierten Reaktors ansteigen ließ. Die Wissenschaftler berieten und entschieden, nur noch Blei abzuwerfen. Generalstabsmäßig wurde aus der gesamten Sowjetunion Blei herbeigeschafft. Es wurde in Form von Barren, Blöcken oder gesacktem Bleikies geliefert. Erst jetzt konnten die Piloten eine Art von Strahlenschutz bauen. Sie schoben Bleiplatten unter die Sitze und legten die Bodenplatten der Hubschrauber damit aus. Doch da waren schon hunderte Flüge unternommen und hunderte Tonnen Füllmaterial über dem Reaktor abgeworfen.

Am Ende eines Einsatztages wurde die gesamte Flugtechnik dekontaminiert, die Besatzungen mussten in die Sauna. Jeder, der in der Evakuierungszone zu tun hatte, bekam täglich neue Uniform und ein Paar Schuhe. „Wenn bei einem Piloten die Einmaldosis 370 mSv überschritt, nahm ich ihn aus dem aktiven Flugdienst und wies ihm einen nicht strahlenexponierten Arbeitsplatz als Dispatcher auf den Start- und Landeplätzen zu,“ beschreibt Nikolai Antoschkin seine Sorge um seine Piloten.

Trotz der übermenschlichen Aufgaben, die die Bewältigung der Katastrophe erforderte, verlief der Krieg gegen den unsichtbaren Feind erfolgreich. Zu einem operativen Unfall kam es erst und zum einzigen Mal im Herbst 1986. Die erste Wand des Sarkophags über Block 4 war fertig, und Hubschrauber mussten ihn mit einer Deaktivierungslösung besprühen und flogen dazu dicht an den Betonmantel heran. Als die Besatzung einer Mi-8 den Ausleger eines 160 Meter hohen deutschen Schwerlastkrans unterquerte, verfing sich das Heck ihres Hubschraubers in der Krantrosse, und sie stürzten ab. Alle Besatzungsmitglieder – Vladimir Vorobiev, Alexander Jungkin, Leonid Khristich und Nikolai Ganzhuk wurden getötet. Die operative Führung entschied, dass der Tod der Mannschaft als Verschlusssache zu behandeln sei. Natürlich wurde der tödliche Unfall in der sowjetischen Presse mit keinem Wort erwähnt.

Im Zuge der Veränderungen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sind immer mehr Details dieses schrecklichen Unfalls ans Tageslich gekommen. Allmählich sickerten immer mehr Informationen und Bildmaterial zum Absturz an die Öffentlichkeit. In dieser Zeit wurde auch ein Denkmal zum Gedenken an die Helden erbaut.

Vor kurzem wurde nach mehr als 31 Jahren, bei Vorbereitungsarbeiten zur Demontage des Block 4, der Heckpopeller des 1986 abgestürzten Hubschraubers entdeckt. Der Popeller stürzte auf das Dach der Turbinenhalle des Block 4, dieser war aber so stark kontaminiert das man diesen unverzüglich mit unmengen Beton zugemauert hat. Es wird gerade diskutiert dieses Stück Geschichte zu reinigen und einem Museum als mahnnendes Exponat zur Verfügung zu stellen. Fotonachweis: www.chnpp.gov.ua

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