(openPR) Unternehmen zwischen Agilität und Digitalisierung
Mit der Antike in die Zukunft
Von Dr. Maximilian Weyerhofer, humanist associates of Europe
Die zunehmende Dynamik der Digitalisierung und die damit einhergehende Steigerung der Komplexität von Prozessen und Aufgaben stellt heute für nahezu alle Unternehmen eine große Herausforderung dar. Primär kleine und mittelständische Unternehmen stoßen dabei mit ihren in der Vergangenheit bewährten Führungskulturen an die Grenzen. Besonders erfolgreich schlägt sich in diesem Zusammenhang der Werkzeughersteller wolfcraft aus Kempenich in der Eifel. Wir sprechen mit Mitglied der Geschäftsleitung Stefan Weigel, verantwortlich für Marketing und Entwicklung.
Dr. Maximilian Weyerhofer: Herr Weigel, verfolgt man die aktuelle Berater-Literatur, gewinnt man fast den Eindruck, dass ohne aktives Agility-Management ein Unternehmen dem Untergang geweiht ist. Teilen sie diese Ansicht?
Stefan Weigel: Auch ohne das aktuelle buzzword, ist es doch eine geschichtliche Realität, dass wer sich nicht anpasst, seine Zukunft verspielt. Hinzukommt im digitalen Zeitalter der Aspekt, dass für die Anpassung nur begrenzt Zeit zur Verfügung steht. Die Organisation von Wechsel und Veränderung ist eine Kernkompetenz in jeder langfristig erfolgreichen Unternehmung. So ganz falsch ist daher ihre zugespitzte Aussage nicht – auch wenn ich mich an der überbordenden Verwendung der Begrifflichkeit störe.
Dr. Maximilian Weyerhofer: Wenn Anpassung jeder erfolgreichen Organisation quasi immanent sein muss, worin sehen sie dann die Ursachen für den aktuellen Hype um das Thema Agilität?
Stefan Weigel: Noch nie in der Geschichte der Menschheit und noch nie in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte war der Wandel derart rasant und damit der Druck insbesondere zur schnellen Anpassung so groß. Davon zeugen die Niedergänge bekannter Markenhersteller mit Wurzeln weit in das letzte Jahrhundert bzw. das Entstehen großer globaler Unternehmen innerhalb nur weniger Dekaden. Disruptive Technologien erfordern radikale Umstellungen.
Auf der anderen Seite aber haben KMUs mit den operativen Auswirkungen der Digitalisierung zu kämpfen. Hier werden große Anstrengungen unternommen Prozesse zu analysieren und zu standardisieren. Einmal aufgebaute Strukturen erfordern stringentes und konsistentes Tun der Involvierten.
Dr. Maximilian Weyerhofer: Sie sehen die Digitalisierung als Stolperstein auf dem Weg zum agilen Unternehmen?
Stefan Weigel: Zunächst führt an der Digitalisierung und damit einer zunehmenden Standardisierung kein Weg vorbei. Wird einmal ein bestimmtes Niveau erreicht, ist sie allerdings auch einer der Eckpfeiler agiler Organisationen. In vielen Unternehmen ist sie Bestandteil sensitiver Rückkoppelung, der Ausgangsbasis für weitere Aktion und Reaktion.
Dr. Maximilian Weyerhofer: Also nicht Hemmschuh sondern unabdingbare Voraussetzung?
Stefan Weigel: So unkritisch will ich das nicht stehen lassen. Freies Denken und individuelle Selbstentfaltung sind doch genauso Fundament beweglicher Strukturen. Beunruhigend in diesem Zusammenhang sehe ich da eher die gedanklichen Strukturen die für diese Umstellung notwendig sind und die nicht ad libitum anforderungsgerecht akkommodiert werden können.
Dr. Maximilian Weyerhofer: Wie kann eine Unternehmensführung in diesem Kontext freies Denken fördern?
Stefan Weigel: Meines Erachtens kann mit der Rückbesinnung auf die Werte des klassischen Humanismus die Unternehmenskultur und damit auch das freie Denken positiv verändert werden. Die Erkenntnis, dass alles dem permanenten Wandel unterliegt, ist ja kein neues Verständnis der modernen Beraterkaste. Mit „panta rhei“ wurde dieser Ansatz ja schon ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. unter den griechischen Philosophen diskutiert und findet sich selbst ca. 5 hundert Jahre später noch unter „cuncta fluunt“ in den Metamorphosen Ovids wieder. Eine Lehre aus der Flusstheorie ist, dass hinter und zugleich im niemals endenden Fluss die Einheit steht - die Einheit in der Vielheit und die Vielheit in der Einheit. Auf moderne Organisationen übertragen, heißt das, dass die Komplexität im Wandel neben der Einheit in den Strukturen auch die Vielheit der Individuen bedarf – die zentralen Gedanken eines humanistischen Managementansatzes, der die optimale Entfaltung der menschlichen Fähigkeiten unterstützt. Für die Leitung von Organisationen heißt dies oft Abschied vom klassischen „Führungsmodell“ und die individuellen Definition einer dies unterstützenden Rolle und Unternehmenskultur.
Dr. Maximilian Weyerhofer: Herr Weigel, wir danken für das Gespräch.











