(openPR) Die Bedeutung, der Stellenwert des Internets ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Wer am PC oder Mac eine Webseite betrachtet erwartet nicht nur aktuelle Inhalte sondern möchte diese auch in ansprechendem Design vorfinden. Während auch mobile Geräte zunehmend an Bedeutung gewinnen, erwartet der Webseitenbesucher der einen Desktop-PC verwendet ein "feature-rich" und gut gestaltetes "Erlebnis": AJAX, Web 2.0, Feeds und Social Services sind klare Trends in der Entwicklung.
Was Webdesignern aber zunehemend Probleme bereitet ist das Wirrwarr und vorherrschende Einerlei an verlässlich verfügbaren (und auf Betriebssystemen vorinstallierten) Schriften. Auch der in Designer/Grafiker-Szene anerkannte Dave Shea fasst zusammen, dass die Entscheidung eine gewisse Schrift zu verwenden in der Vergangenheit gegen Qualität und Ästhetik zugunsten der Verfügbarkeit und des Preises der Schrift gefällt wurde.
Designer und Grafiker sind von Tahoma, Verdana und Trebuchet MS (so heißen die wenigen Systemschriften mit einer Verbreitung oberhalb der 90%) gelangweilt.
Die Zahl und die Verlässlichkeit mit der Schriften in verschiedenen Browsern auf verschiedenen Betriebssystemen dargestellt werden können schränken die Mittel der visuellen Kommunikation zunehmend ein - statt für ein zeitgemäßes, schöneres Internet zu sorgen.
Die von Microsoft seit Jahren propagierte WEFT (web embedding fonts tool) Technik soll eigentlich ermöglichen mehr Typografische Vielfalt ins Internet zu bringen, sie ist aber proprietär, dh. dass sie nur in Microsoft Webbrowsern für ein schöneres Schriftbild sorgt. Obendrein werden Datentransferressourcen unnötig verbraucht, sodaß diese Technik für den produktiven Einsatz nicht geeignet ist.
Aber auch andere Initiativen und Projekte seitens der Webdeveloper und -Designer, die anhand von Flash, Stylesheet-Vorlagen und (Text-)Grafiken versuchen die Webtypographie zu bereichern sind nur Schwächen-behaftete "Ersatzkrücken" für zeitgemäße Schriften auf den Hauptbetriebssystemen Windows und Mac OSX.
Auch die veränderte Browserlandschaft mit Marktanteilen von etwa 70% des Internet Explorer und weiter wachsenden Anteilen des Firefox verdonnern einseitige proprietäre Lösungen eines einzelnen Herstellers schon im Vorfeld zum scheitern.
Da es weitere Anzeichen gibt, die auf eine weitere optische Verschlechterung der Internet-Typographie deuten (keine Verdana und keine Georgia mehr auf Mac OSX Systemen, eine neues Windows Vista welches wiederum andere Schriften mit sich bringt als sie Benutzer von Windows XP vorfinden) hat der ehemalige Adobe Projektleiter (Interface Design für bekannte Applikationen) Andrei Herasimchuck (www.designbyfire.com) einen offenen Brief an die konkurrierenden aber in Sachen Möglichkeiten, die Grafik, Design und Internet-Typographie bieten, tonangebenden Unternehmen Apple, Microsoft und Adobe einen offenen Brief verfasst, in dem er Co-CEO John Warnock von Adobe auffordert acht bis zwölf der in Lizenz von Adobe befindlichen High-Quality Schriften unter die Public Domain-Lizenz zu stellen. An Apple und Microsoft geht der Apell dieses Schriftpaket dann in (all) ihre Betriebssysteme zu integrieren und für die nötige Verbreitung zu sorgen.
Dabei spielt die genaue Schriftenliste eher eine untergeordnete Rolle, zumal auch Microsoft mit neuen Schriften (dem Frutiger-Klon Segoe, Corbel, Candara, Constantia, Consolas, Calibri und Cambria) zwar qualitativ hervorragende Schriften einführt, aber eben nur auf Windows Vista Systemen weshalb in absehbarer Zukunft keine Verbesserung zu erwarten ist.
Eine Kooperation der Verantwortlichen wird also dringend angeraten um Designern und Surfern ein schöneres Internet zu ermöglichen bzw. bieten zu können. Bisher werden die Benutzer (und zahlenden Kunden) dieser Firmen zu oft als Schutzschilder gegenüber dem Konkurrenzprodukt mißbraucht.
Führende Webdeveloper und anerkannte Designer (zB. Veerle Pieters, Cameron Moll, Jeff Croft) schließen sich der Initiative und der Diskussion bereits an und kommen zu dem Schluß, dass diese geforderte Kooperation der einzig sinnvolle Weg ist um der Web-Typografie auf einen aktuellen Stand zu verhelfen bzw. die sich abzeichnenden Verschlechterungen entgegenzuarbeiten. Eine offensive Forderung, aber nüchtern betrachtet der einzige Weg die Webtypographie zu verbessern.
weiterführende Links:
http://www.designbyfire.com/?p=30
http://www.designbyfire.com/
http://www2.jeffcroft.com/2006/aug/29/open-letter-apple-and-microsoft/
http://veerle.duoh.com/blog/comments/open_letter_to_adobe/
http://contactsheet.de/ist-die-webtypographie-zu-retten.xhtml













