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Warum pflanzt man Bäume auf dem Acker?

29.11.201711:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Warum pflanzt man Bäume auf dem Acker?
Luftbild der Baumpflanzaktion auf einer Agroforstfläche, dem Langzeitforschungs- und Modellprojekt im Löwenberger Land (Oberhavel, Brandenburg) der HNEE (© HNEE 2017)
Luftbild der Baumpflanzaktion auf einer Agroforstfläche, dem Langzeitforschungs- und Modellprojekt im Löwenberger Land (Oberhavel, Brandenburg) der HNEE (© HNEE 2017)

(openPR) Studierende der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) bringen in einem Langzeitforschungs- und Modellprojekt Bäume zurück auf den Acker. Mit der Agroforstfläche im Löwenberger Land (Landkreis Oberhavel in Brandenburg) will das Forscherteam beobachten, wie sich Ackerbau und Forstwirtschaft gegenseitig beeinflussen und ergänzen können. Die HNEE-Experten gehen davon aus, dass es bei der Kombination von landwirtschaftlichen Kulturpflanzen mit forstlichen Gehölzen zu positiven Effekten z.B. beim Wind- und Erosionsschutz kommt. Am 2./3. Dezember findet die Pflanzaktion statt. Ein Interview mit den Experten Prof. Dr. Tobias Cremer und Dr. Ralf Bloch:



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Woher kommt die Idee, Bäume wieder auf den Acker zu bringen?
Prof. Dr. Tobias Cremer: In Deutschland sind Formen des Agroforstansatzes eher bekannt als Streuobstwie-sen, verbunden mit Viehhaltung oder in Form von Hutewäldern* aus dem Mittelalter. Die Erzeugung von Werthölzern stand hierbei nie im Vordergrund, ebenso wenig wie der Anbau von Feldfrüchten. In erster Linie wurden die Vorteile der Tierfütterung unter fruchttragenden Bäumen genutzt, z.B. Eicheln zur Schweinemast oder Grünweide unter Obstbäumen. Ein anspruchsvolles System stellen die Hauberge im Siegerland (Nordrhein-Westfalen) dar. Dies sind Kombinationen aus Bäumen, die mit kurzen Umtriebszeiten (20-25 Jahre) zur Brennholzerzeugung bewirtschaftet wurden, neben dem Anbau von Werthölzern wie z.B. Eiche für Sägewerke. Nach der Nutzung des Brennholzes erfolgte während des Heranwachsens der Stockausschläge der Anbau von Buchweizen und nach dem Verholzen der Triebe die Beweidung mit Rindern.

Wie wird die Bepflanzung umgesetzt? Welche Baumarten kommen hierfür infrage?
Dr. Ralf Bloch: Die Bepflanzung findet auf einer Fläche von rund 10,5 Hektar statt. Dort werden Baumreihen in einem Abstand von 38 Metern gepflanzt, sodass es den Landwirten noch immer möglich ist, die Flächen effi-zient zu bestellen. Die Wuchsleistung von Baumarten wie Birne, Elsbeere, Baumhasel, Traubeneiche oder Speierling sollen untersucht werden. Diese Bäume sind durch ihre Herkünfte gut an die zu erwartenden Klimaveränderungen angepasst, insbesondere trockene Sommer sind weniger problematisch. Weiterhin werden Straucharten mit Fruchtertrag wie Aronia und Sanddorn in das System integriert.

Welches Potenzial sehen Sie für die Landwirtschaft und Umwelt?
Prof. Dr. Tobias Cremer: Genau genommen sind bei richtiger Planung und Umsetzung viele Vorteile zu erwarten, wie z.B. Windruhe auf den Flächen und die Abschwächung von Starkwinden; beides sorgt für eine Verringerung der Bodenerosion. Der Schatten der Kronen verringert die Verdunstung von Feuchtigkeit aus dem Boden und sorgt somit trotz gleichbleibender Niederschläge für mehr pflanzenverfügbares Wasser. Das Laub der Bäume sorgt zudem langfristig für den Aufbau von Humus. Nährstoffe, welche nur von den tief wurzelnden Bäumen erreicht werden können, werden an die Oberfläche transportiert und in den Bäumen umgesetzt und stehen nach dem Laubabfall den Feldfrüchten zur Verfügung. Weiterhin gibt es neben einem angenehmen Landschaftsbild durch eine höhere Biodiversität auch positive Effekte für die Artenzusammensetzung und auf den landwirtschaftlichen Flächen. Zu guter Letzt kann nach dem Erreichen des Zieldurchmessers Wertholz als Zusatzleistung gewonnen werden. Forschungen zeigen, dass der Flächenverbrauch für die Baumreihen von ca. 5% durch diese positiven Effekte der Bäume und die höheren Erträge auf der verbleibenden Fläche ausgeglichen werden kann.

Wie lange wird es dauern, bis Sie erste Forschungsergebnisse absehen können?
Dr. Ralf Bloch: Einige Effekte lassen sich durch die Forschungen anderer Agroforstpioniere bereits heute ableiten, allerdings sind für eigene Aussagen kontinuierliche Messungen über längere Zeitreihen nötig. Das Pflanzenwachstum und erste messbare Effekte auf die Ackerkulturen erwarten wir in ca. 5 – 8 Jahren. Die Spanne ist groß, aber genauso groß ist die Varianz und Ausrichtung der bisher angelegten Agroforstsysteme; somit ist jede Neuanlage wieder Neuland in Bezug auf die Datenerhebung und die Aussagen, die daraus abzuleiten sind. Letztlich ist keine Fläche wie die andere. Neben diesen Punkten wird die Praktikabilität und die Akzeptanz von Agroforstsystemen betrachtet d.h. welche fördernden und hemmenden Faktoren aus Sicht der Landwirt bestehen dieses Systeme zu etablieren und langfristig zu bewirtschaften.
* Ein Hutewald, ist ein als Weide genutzter Wald (Waldweide).

Über das Projekt:
In der innovativen Lehr- und Lernform „Agroforst: Modellprojekt in Brandenburg“ kommen Studierende aus verschiedenen Fachbereichen zusammen, um ein Agroforstsystem auf einer landwirtschaftlichen Fläche anzulegen. Die Projektfläche liegt an der Kreisstraße 6512 zwischen Großmutz und Gutengermendorf. Entlang der B96 (Abzweig nach Großmutz) im Landkreis Oberhavel in Brandenburg.

Zu den Personen:
Prof. Dr. Tobias Cremer vom Fachbereich für Wald und Umwelt mit dem Arbeitsgebiet "Forstnutzung und Holzmarkt" und Dr. Ralf Bloch vom Fachbereich Landschaftsnutzung und Naturschutz mit dem Schwerpunkt "Landwirtschaftliche Nutzung" koordinieren das „Agroforst: Modellprojekt in Brandenburg“.

Einladung an alle Medienvertreter*innen:
Am 02.12.2017 laden wir Sie herzlich zu der Pflanzaktion ein. Bitte geben Sie uns im Vorfeld per E-Mail eine Notiz, ob Sie es einrichten können. Vor Ort ist der HNEE-Dozent Olef Koch: 0176.27163814 für Sie telefonisch erreichbar, eine Anfahrtsskizze senden wir Ihnen gerne auf Anfrage zu.

Quelle: idw

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