openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Partnertausch als Überlebensstrategie – Flechten passen sich durch Algenwechsel an neues Klima an

14.11.201711:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Partnertausch als Überlebensstrategie – Flechten passen sich durch Algenwechsel an neues Klima an
Lebensgemeinschaft aus Grünalge (obere grüne Schicht) und Pilz  - die Flechte Lasallia pustulata  (Copyright: Francesco Dal Grande)
Lebensgemeinschaft aus Grünalge (obere grüne Schicht) und Pilz - die Flechte Lasallia pustulata (Copyright: Francesco Dal Grande)

(openPR) Frankfurt am Main, den 14. November 2017. Einige Flechtenarten können unter sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingungen wachsen und sind daher echte Überlebenskünstler. Wie Senckenberg-WissenschaftlerInnen herausgefunden haben, trägt die Bereitschaft zur „Untreue“ zu diesem Erfolg bei: Entlang eines Klimagradienten wechseln flechtenbildende Pilze nämlich ihren Algenpartner. Die Forscher vermuten, dass durch das Eingehen einer Symbiose mit einer jeweils optimal angepassten Alge, einige Flechten relativ schnell auf veränderte Klimabedingungen reagieren könnten. Die Studie ist im Fachblatt „New Phytologist“ erschienen.



---
Flechten sind der klassische Vertreter einer Symbiose – Lebensgemeinschaften in denen Organismen gemeinsame Sache machen, um zu überleben. Jeder beiden Partner, Pilz und Alge, hat dabei klare Aufgabenbereiche. Doch auch hier gilt wohl: „Augen auf bei der Partnerwahl“. Wie Frankfurter Forscher herausgefunden haben, könnte die Alge nämlich entscheidend dazu beitragen, wie gut der flechtenbildende Pilz jeweils in verschiedenen Klimata zurechtkommt.

Prof. Imke Schmitt, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum dazu: „Wir konnten nachweisen, dass die flechtenbildenden Pilze Lasallia pustulata und Lasallia hispanica je nach Standort mit unterschiedlichen Grünalgen aus der Gattung Trebouxia zusammenleben. An den Standorten herrscht unterschiedliches Klima. Die Vermutung liegt daher nahe, dass der Austausch von Algenpartnern ein Mechanismus der flechtenbildenden Pilze ist, sich an unterschiedliche Klimabedingungen anzupassen.“

Ins Visier der Wissenschaftler gerieten die beiden eng miteinander verwandten Flechten Lasallia pustulata und Lasallia hispanica weil sie unterschiedliche Höhenlagen besiedeln, aber im mittleren Höhenbereich auch gemeinsam wachsen. Zusammengenommen erstreckt sich ihr Lebensraum im Mittelmeergebiet von 0 m bis hinauf auf 2.100m Höhe über den Meeresspiegel. Da die äußeren Bedingungen mit zunehmender Höhe maßgeblich kälter und nasser werden, ist das ein ideales Studiengebiet, um den Einfluss des Klimas auf die Pilz-Algen-Symbiose zu testen.

Das Team untersuchte die Lebensgemeinschaften der Algen in den beiden Flechten mit molekularbiologischen Hochdurchsatzverfahren, um herauszufinden wo genau, welcher Pilz mit welchem Algenpartner zusammenwohnt. Die Analyse der rund 23 Millionen dabei generierten DNA-Sequenzen der Grünalgen zeigt: „Die flechtenbildenden Pilze können theoretisch mit sieben verschiedenen Trebouxia-Arten zusammenleben. Tun sie aber nicht überall. Es gibt sowohl „Schönwetter“-Algenpartner für warme, frostfreie Umgebungen im Tal als auch „Schlechtwetter“-Algenpartner für die Höhenlagen“, so Schmitt.

Aber nicht nur das Klima bestimmt, welche Alge verwendet wird, sondern auch der Pilzpartner hat bestimmte Vorlieben. Wenn beide Arten, Lasallia pustulata und Lasallia hispanica, am selben Ort vorkommen und dort auch mehrere Algenarten vorhanden sind, werden die einen Algen bevorzugt von der einen Pilzart verwendet, die anderen von der anderen. Und das, obwohl mehrere Trebouxia-Arten frei unter beiden Pilzarten miteinander getauscht werden können.

Wenn sich die Flechten tatsächlich durch die Wahl des Algenpartners an das Klima anpassen könnten, hätten sie anderen Organismen etwas voraus. „Es ist möglich, dass es der flechtenbildende Pilz innerhalb weniger Generationen schaffen könnte, statt mit der bisherigen Algenart mit einer anderen zusammen zu leben, die optimaler an die neuen Umweltbedingungen angepasst ist“, erklärt Schmitt und ergänzt: „Das wäre entscheidend schneller als sich durch Veränderungen im Erbgut an neue Klimabedingungen anzupassen. Dieser ‚klassische Weg’ kann sich nämlich über Millionen von Jahren erstrecken.“

Kontakt

Prof. Dr. Imke Schmitt
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. +49 (0)69 7542 1855
E-Mail

Sabine Wendler
Pressestelle
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel +49 (0)69 7542 1818
E-Mail

Studie

Dal Grande, F., Rolshausen, G., Divakar, P. K., Crespo, A., Otte, J., Schleuning, M. and Schmitt, I. (2017), Environment and host identity structure communities of green algal symbionts in lichens. New Phytol. doi:10.1111/nph.14770

Die Pressebilder können kostenfrei für redaktionelle Berichterstattung zu dieser Pressemeldung verwendet werden unter der Voraussetzung, dass der genannte Urheber mit veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zulässig.

Die Pressemitteilung und Bildmaterial finden Sie auch unter www.senckenberg.de/presse

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können – dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblicke in vergangene und gegenwärtige Veränderungen der Natur vermittelt. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie weiteren Sponsoren und Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

200 Jahre Senckenberg! 2017 ist Jubiläumsjahr bei Senckenberg – die 1817 gegründete Gesellschaft forscht seit 200 Jahren mit Neugier, Leidenschaft und Engagement für die Natur. Seine 200-jährige Erfolgsgeschichte feiert Senckenberg mit einem bunten Programm, das aus vielen Veranstaltungen, eigens erstellten Ausstellungen und einem großen Museumsfest im Herbst besteht. Natürlich werden auch die aktuelle Forschung und zukünftige Projekte präsentiert. Mehr Infos unter: www.200jahresenckenberg.de.

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 979871
 1457

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Partnertausch als Überlebensstrategie – Flechten passen sich durch Algenwechsel an neues Klima an“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Bild: Der Buche in die Gene schauen - Vollständiges Genom der Rotbuche entschlüsseltBild: Der Buche in die Gene schauen - Vollständiges Genom der Rotbuche entschlüsselt
Der Buche in die Gene schauen - Vollständiges Genom der Rotbuche entschlüsselt
Frankfurt, 11.12.2017. Senckenberg-Wissenschaftlern ist es gelungen das vollständige Genom der Rotbuche zu entschlüsseln. Die Erfassung des Genoms zeigt unter anderem, dass es keinen Genaustausch mit den zahlreichen Pilzarten, die in enger Symbiose mit der Buche leben, gibt. Die Genomsequenz gibt Wissenschaftlern ein Werkzeug in die Hand, das für nachfolgende naturschutzgenetische Untersuchungen wichtig ist und mittelfristig ermöglicht, trockenresistente Genotypen zu identifizieren und für die Forstwirtschaft in Anpassung an den Klimawandel z…
Bild: Insekt des Jahres 2018: Die SkorpionsfliegeBild: Insekt des Jahres 2018: Die Skorpionsfliege
Insekt des Jahres 2018: Die Skorpionsfliege
Berlin/Müncheberg, den 06.12.2017. Heute wurde in der Bundesgeschäftsstelle des NABU die Gemeine Skorpionsfliege Panorpa communis zum Insekt des Jahres 2018 gekürt. Das Kuratorium unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Thomas Schmitt, Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg, prämierte das harmlose Insekt mit dem gefährlichen Namen aus einer Reihe von Vorschlägen. Die Skorpionsfliege ist in Europa weit verbreitet, aber dennoch kaum bekannt. Unter anderem zeichnet sich diese Schnabelfliegenart durch einen komplizierten Akt in ihre…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Nordischer Lifestyle für den BodenBild: Nordischer Lifestyle für den Boden
Nordischer Lifestyle für den Boden
… rhythmische Auf und Ab der dicken, weichen Wollstränge wird immer wieder unterbrochen von feinen, glänzenden Viskosefäden, die nicht nur Bewegung, sondern auch Farbe ins Spiel bringen. Wie zartgrüne Flechten, die dem rauen Klima des Nordens trotzen und zeigen, dass selbst auf dem eintönigsten Fleckchen Boden die Natur noch Überraschungen für uns parat hat.
Bild: Botaniker Otto L. Lange gestorbenBild: Botaniker Otto L. Lange gestorben
Botaniker Otto L. Lange gestorben
… die Widerstandsfähigkeit von Pflanzen gegen Hitze und Kälte, ihr Wasserverbrauch oder ihre Photosynthese. Der Würzburger Professor hatte Wild- und Kulturpflanzen sowie Flechten im Blick. Er analysierte unter anderem Bewässerungskulturen in der Negev-Wüste oder Waldschäden durch Luftschadstoffe. Außerdem erforschte er die Schwefeldioxid-Resistenz von …
Druckindustrie: Die Chancen einer Blitzfusion prüfen
Druckindustrie: Die Chancen einer Blitzfusion prüfen
… Druckunternehmen in den Abgrund. Bevor die Insolvenz droht, sollten Firmen eine Fusion mit Wettbewerbern prüfen. Apenberg & Partner begleitet die Parteien bei dieser Überlebensstrategie. Schon vor der Corona-Pandemie sah die Welt der Druckindustrie alles andere als rosig aus. Der harte Verdrängungswettbewerb und tiefgreifende Strukturwandel stellte für viele …
Bild: Biologische Dachreinigung - effektiv und nutzvollBild: Biologische Dachreinigung - effektiv und nutzvoll
Biologische Dachreinigung - effektiv und nutzvoll
Algen, Moos und Flechten - das alles kann sich auf dem Dach bzw. auf den Ziegeln und an bzw. in der Dachkanne festsetzen. Diese machen das Hausdach mit den Jahren unansehnlich. Zudem wirkt sich der Bewuchs auch auf die Lebensdauer des Daches aus. Denn Gewächse und auch Wurzeln können in den Ziegeln Haarrisse hinterlassen, die Feuchtigkeit durchlassen …
Bild: eDates: Wie man die Eifersucht bekämpftBild: eDates: Wie man die Eifersucht bekämpft
eDates: Wie man die Eifersucht bekämpft
… bei eDates beginnt von vorn. Doch Eifersucht ist nicht gleich Eifersucht. Manche Paare verbieten sich den Kontakt zu Ex-Partnern, andere Paare betreiben offen regelmäßig einen Partnertausch. Die Eifersucht ist also ein Gefühl, welches ausschließlich im Kopf entsteht – der Partner muss dafür nicht einmal etwas Verdächtiges getan haben. Ein wichtiger Faktor …
Bild: „Made in Germany“ excessories erweitert seinen Produktionsbetrieb und macht gemeinsame Sache mit der wfaaBild: „Made in Germany“ excessories erweitert seinen Produktionsbetrieb und macht gemeinsame Sache mit der wfaa
„Made in Germany“ excessories erweitert seinen Produktionsbetrieb und macht gemeinsame Sache mit der wfaa
Die Mitarbeiter der Werkstatt für angepasste Arbeit in Düsseldorf übernehmen das Flechten der Vintage-Bettelarmbänder Marion Schuster, Inhaberin von excessories legt Wert auf Nachhaltigkeit. Bei der Produktauswahl ihres Lifestyle-Schmuck-Labels stehen die Auswahl der Materialen und die Verarbeitung der Produkte im Vordergrund. Aus diesem Grund entschied …
Bild: Untersuchung der aYido Wellness Experten in Zusammenarbeit mit der Deutschen Wellness Liga : Wellnessurlaub wird Teil einer Überlebensstrategie im AlltagBild: Untersuchung der aYido Wellness Experten in Zusammenarbeit mit der Deutschen Wellness Liga : Wellnessurlaub wird Teil einer Überlebensstrategie im Alltag
Untersuchung der aYido Wellness Experten in Zusammenarbeit mit der Deutschen Wellness Liga : Wellnessurlaub wird Teil einer Überlebensstrategie im Alltag
… bis 5 Sterne Segment durchgeführt. Viele Gäste sehnen sich gerade in unserer heutigen, sehr schnellen Zeit, nach Geborgenheit und Balance. Wellness mutiert immer mehr zur Überlebensstrategie in einer Welt die zu sehr von Negativbotschaften geprägt ist. Der Erhalt des Arbeitsplatzes und der Leistungsfähigkeit, stehen stärker, als vor einigen Jahren im …
Unterstützung für traumatisierte Menschen
Unterstützung für traumatisierte Menschen
… das Verstehen und die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der Kindheit. Ihr neues Buch „Schritt für Schritt ins Leben“ klärt über die Überlebensstrategie „Multiple Persönlichkeit“, auch „Dissoziative Identitätsstörung“ genannt, auf. Diese Hilfestellung der Seele ermöglicht der Kinderseele todesnahe Situationen zu überleben, indem neue Persönlichkeitsanteile …
Bild: ETRON bringt deutsche Kassen sicher zum KlingelnBild: ETRON bringt deutsche Kassen sicher zum Klingeln
ETRON bringt deutsche Kassen sicher zum Klingeln
… „Wir sehen uns als Partner des Handels auf dem Weg in die Digitalisierung“, streicht Markus Zoglauer, Geschäftsführer von ETRON hervor. Digitalisierung als Überlebensstrategie für den Handel An der Digitalisierung führt kein Weg vorbei: „Digitalisierung wird zunehmend zu einer unumgänglichen Überlebensstrategie, auch schon für den kleinen Einzelunternehmer. …
Überlebensstrategien im Internet-Zeitalter
Überlebensstrategien im Internet-Zeitalter
… dem Kunden Orientierungspunkte in einer Welt mit wachsender Dynamik und Technisierung zu geben. Kundenbindung und Beziehungsmanagement werden im Internet-Zeitalter geradezu zur Überlebensstrategie. Verkäufer, die zum Beziehungsmanagement fähig sind, haben gute Chancen, sich durchzusetzen – Beziehungsaufbau wird zum USP. Das entbindet die Verkäufer …
Sie lesen gerade: Partnertausch als Überlebensstrategie – Flechten passen sich durch Algenwechsel an neues Klima an