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WÜSTE – MEER – SCHÖPFERMYTHEN - Aboriginal Art der Spinifex und Yolnu

Bild: WÜSTE – MEER – SCHÖPFERMYTHEN - Aboriginal Art der Spinifex und Yolnu
Frauengemeinschaftswerk © Spinifex Arts Project; N. Wunu?murra, Zwei Mokuy © Buku-Larr?gay Mulka
Frauengemeinschaftswerk © Spinifex Arts Project; N. Wunu?murra, Zwei Mokuy © Buku-Larr?gay Mulka

(openPR) Museumsausstellung der Galerie ARTKELCH im Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) 10.11.2017 – 4.3.2018.

Pressekonferenz im RJM
Donnerstag, 9. November 2017, 10 Uhr

Bildmaterial unter www.museenkoeln.de/presse



Ab dem 10. November 2017 ist die Galerie ARTKELCH mit der Sonderausstellung WÜSTE – MEER – SCHÖPFERMYTHEN | Aboriginal Art der Spinifex und Yolnu im Rautenstrauch-Joest-Museum zu Gast. Zum ersten Mal widmet das Haus der auf dem internationalen Kunstmarkt gefragten zeitgenössischen Kunst australischer Aborigines eine eigene Ausstellung im Blickpunkt, dem neu geschaffenen Ausstellungsraum im ehemaligen JuniorMuseum.

„In den Werken der Spinifex und Yolnu findet auf künstlerische Weise die Auseinandersetzung einer Jahrtausende alten Kultur mit der Moderne statt“, betonte Prof. Dr. Klaus Schneider, Direktor des Rautenstrauch-Joest-Museums. „Die Ausstellung greift unseren kulturvergleichenden Ansatz auf und stellt auf spannende Weise die Werke der beiden Kunstzentren einander gegenüber.“

Die Ursprünge der als „Aboriginal Art“ bezeichneten Kunst liegen in der Sand-, Körper- und Felsenmalerei. Sie gilt als die älteste kontinuierliche Kunsttradition der Welt. Seit den 1990er Jahren interessiert sich zunehmend auch der internationale Kunstmarkt für die Werke der Aborigines, deren Sammlerwert spätestens seit der dOCUMENTA (13) auch hierzulande kein Geheimnis mehr ist.

Auf der Suche nach ihrem Platz in der Moderne kämpfen Aborigines um den Erhalt, die Weiterentwicklung und Anerkennung ihrer Kultur. Hierbei ist die Kunst nicht nur eine wichtige Ausdrucksform, sondern ermöglicht auch politischen Einfluss und wirtschaftliche Selbständigkeit. Seit vielen Jahren organisieren sich Aborigines in sogenannten community-based Art Centres und nutzen Malerei und Skulptur, um ihr kulturelles Erbe zu sichern und weiterzuentwickeln.

Im Blickpunkt werden auf kleinem Raum Werke von zwei führenden Künstlerkooperativen einander gegenübergestellt: dem Spinifex Arts Project aus der Great Victoria Desert in Westaustralien und dem Buku-Larrngay-Mulka Centre der Yolnu (Selbstbezeichnung der dort lebenden indigenen Bevölkerung) im nordöstlich am Meer gelegenen Arnhemland. Während in der Wüste die moderne Malereibewegung der Aborigines erst Anfang der 1970er Jahre begann, gehört Kunst aus dem Arnhemland zu den frühen indigenen Kunstformen Australiens. Bereits in den 1950er Jahren wurde der Kunst der Yolnu durch Museumsausstellungen eine der westlichen Kunst gleichwertige Kunsttradition attestiert.

Inhaltlich am zentralen Thema der Schöpfungsmythen der „Traumzeit“ orientiert verbindet die beiden Künstlergemeinschaften in der Wüste und am Meer die Auseinandersetzung mit dem Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart, dem Spirituellen mit dem Säkularen, den Menschen und ihrem Land.

Stilistisch dagegen könnte die Kunst aus beiden Regionen Australiens gegensätzlicher nicht sein. Die Spinifex People, die zu den letzten Nomaden der australischen Wüste gehören, verwenden synthetische Acrylfarbe und gleichmäßig gewebte Leinen- und Baumwollstoffe. Gewaltige Landkartengemälde aus der Vogelperspektive mit Wüstenikonographie im mittlerweile klassisch zu nennenden Tupfstil („Dotart“) und ihre Ursprünglichkeit faszinieren den Betrachter. Dahingegen findet man bei den Yolnu vom Buku-Larrngay-Mulka Centre natürliche Erdpigmente, Rinde, von Termiten ausgehöhlte Stämme von Eukalyptusbäumen und ausgediente Holz- und Kartonplatten als Träger von Farbe. Bei ihnen stehen Zeichen und Muster im Vordergrund, die im westlichen Arnhemland als „rarrk“ und im östlichen Arnhemland als „marvat“ (Kreuzschraffur, die mit einem feinen Haarpinsel aufgetragen wird) bekannt wurden. Ihre Ursprünge liegen in uralten Clan-Designs (miny`tji), die bei Zeremonien auf Körpern gemalt werden. Heute sind ihre Werke weltweit Bestandteil bedeutender Museen und Privatsammlungen.

Unabhängig von den Kunststilen jedoch haben beide Kunstzentren ihre Malerei schon früh politisch eingesetzt, um tausende Jahre alte Land- und Seerechte gegen die – teils bis heute – fortwährende Enteignung durchzusetzen. Nachdem ein großer Teil des Stammesgebietes durch geheime Atomtests der Briten verseucht wurde, diente die Malerei der Spinifex als Beweismittel bei der Durchsetzung von Landansprüchen, bei der mehr als 55.000 Quadratkilometer Land anhand der Kunst zurückgewonnen werden konnten. Die magische Kraft dieser Kunstwerke kommt besonders in Gemeinschaftswerken zum Ausdruck, die auch das Herzstück der Ausstellung in Köln sind. Bei den Yolnu versuchte man mit einer Petition in Englisch und in lokaler Sprache mit Malereien auf Baumrinde, den Abbau eines großen Bauxitvorkommens zu verhindern. Später protestierte man im Rahmen des Saltwater Projects mit großformatigen Rindenmalereien gegen illegale Fischercamps auf traditionellem Land. Und zur 200-Jahrfeier Australiens leisteten die Yolnu anhand 200 bemalter traditioneller Baumsärge, sogenannte Larrakitj, spirituellen Widerstand und mahnten die vielen Toten unter ihnen an, die die Weißen in den 200 Jahren Besiedelung auf dem Gewissen haben.

Die Energie der Schöpferahnen ist in den kraftvollen Werken der Spinifex ebenso gegenwärtig wie in den schimmernden Energiemustern der Yolnu. Auch ohne Vorwissen über Schöpfungsgeschichte, Land und Identität der beiden Künstlergruppen, haben die Werke ihre ganz eigene kraftvolle Ausstrahlung.

Ein vielfältiges Begleitprogramm aus Vorträgen, Insiderführungen, Lesungen und Workshops für Kinder beleuchtet Gegensätze und Gemeinsames der Aboriginal Art. Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband.

Die ausgestellten Werke können über ARTKELCH erworben werden.

Vernissage: Donnerstag, 10. November 2017 um 19:00 Uhr (für geladene Gäste)
Rautenstrauch-Joest-Museum // Blickpunkt
Cäcilienstraße 29-33, 50667 Köln

Öffnungszeiten
Di – So, 10 – 18 Uhr; Do, 10 – 20 Uhr
1. Do im Monat bis 22 Uhr; Mo geschlossen
An Feiertagen 10 – 18 Uhr; am 24.und 25.12.2017, am 31.12.2017 und 1.1.2018 sowie am 8.2., 11.2. und 12.2.2018 geschlossen.


Ansprechpartner:
ARTKELCH: Robyn Kelch, Kuratorin, robyn.kelch(at)artkelch.de
RJM: Oliver Lueb, Projektleiter, oliver.lueb(at)stadt-koeln.de

Besuchen Sie uns auch auf www.artkelch.de oder www.facebook.com/rjmkoeln

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