openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Der stotternde Motor im Weltall

20.09.201714:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Der stotternde Motor im Weltall
Der expandierende Gashülle von U Antliae. (Copyright: Franz Kerschbaum, Magdalena Brunner/Universität Wien)
Der expandierende Gashülle von U Antliae. (Copyright: Franz Kerschbaum, Magdalena Brunner/Universität Wien)

(openPR) Die Eigenschaften von Sternen sind ausschlaggebend dafür, ob ein sie umkreisender Planet Leben tragen kann, oder nicht. So ist etwa das Leben auf der Erde ganz wesentlich von den Eigenschaften der Sonne abhängig. Ein internationales ForscherInnenteam um Franz Kerschbaum vom Institut für Astrophysik der Universität Wien hat nun mittels Radiobeobachtungen die letzte Lebensphase von U Antliae, einem Stern im südlichen Sternbild "Luftpumpe", untersucht und dabei festgestellt, dass der Ausstoß von Gasen während des Sternentods episodisch auftritt. Die Ergebnisse dazu erscheinen aktuell im Fachmagazin Astronomy & Astrophysics.



---
Kleine Sterne wie unsere Sonne haben meist ein recht beschauliches, ruhiges Leben. Das ist insbesondere für uns Menschen von Vorteil, da wir auf stabile Umweltbedingungen angewiesen sind. Am Ende des Lebenszyklus der Sonne werden sich diese jedoch drastisch ändern. Unser "Stern" bläht sich dann zum Roten Riesen auf, verschluckt die inneren Planeten und bringt die äußeren zum Verglühen. Bis dahin werden zwar noch viele Milliarden Jahre vergehen, dennoch erforschen WissenschafterInnen konsequent die Zukunft unseres Sonnensystems.

Um die Zukunft unseres Heimatsterns besser voraussehen zu können, untersuchen ForscherInnen jene Sterne, die sich heute schon in jener letzten, turbulenten Lebensphase befinden. Ein solcher Stern ist U Antliae im südlichen Sternbild "Luftpumpe". Passend zu seinem Sternbildnamen bläst er gerade seine äußeren Atmophärenschichten mit hoher Intensität in seine Umgebung. "U Antliae war schon 2009 einer der ersten Sterne, den wir mit dem damals neuen Weltraumteleskop Herschel beobachtet und damit den von ihm ausgestoßenen Staub untersucht haben", erklärt Franz Kerschbaum vom Institut für Astrophysik der Universität Wien. In wenigen Jahren gibt er nuklear prozessiertes Material in der Menge vergleichbar mit unserer Erde ab und reichert so das interstellare Medium mit Gas und Staub an, aus denen zukünftige Sterngenerationen neue Planeten bilden können. Sternentod und Sternengeburt sind so im kosmischen Kreislauf der Materie direkt miteinander verknüpft.

Mittels Radiobeobachtungen mit dem neuen ALMA-Radiointerferometer konnte das internationale Forschungsteam nun erstmals die Verteilung, die Menge und die Geschwindigkeit der in den letzten paar tausend Jahren ausgestoßenen Gase, im konkreten Fall des wichtigen Kohlenmonoxid-Moleküls, genau messen. Dabei hat sich gezeigt, dass der Ausstoß kein gleichmäßiger Prozess ist, sondern einem stotternden Motor gleicht – auf Grund seiner inneren Instabilität wird manchmal mehr, manchmal weniger vom Stern ausgeworfen. Zurzeit dehnt sich, gleich einer gigantischen "Rauchblase", das Material einer besonders heftigen Auswurfsphase von vor etwa 2.700 Jahren aus. "Die besondere Herausforderung bei diesem Projekt war die hochkomplexe Datenverarbeitung. Da das Instrument noch sehr neu ist, gibt es noch kein Standardverfahren um das Maximum aus dem wertvollen Beobachtungsmaterial herauszuholen. Aber wie man an den spektakulären Bildern sehen kann, hat sich der Aufwand eindeutig gelohnt", erklärt Magdalena Brunner, uni:docs Dissertantin an der Universität Wien.

Österreich ist nächstes Jahr bereits seit 10 Jahren Mitglied der Europäischen Südsternwarte und ermöglicht so den heimischen AstronomInnen gleichberechtigten Zugriff zu den leistungsfähigsten Teleskopen der Welt. Dazu gehört auch das Atacama Large Millimeter Array (ALMA), ein internationales Gemeinschaftsprojekt, das mit 66 kombinierten Radioteleskopen auf über 5000 Meter Seehöhe in den Chilenischen Anden die schärfsten Bilder des Universums im Millimeter- und Submillimeterbereich liefert. "Mit dem neuen Radiointerferometer ALMA können wir nun auch das vom Stern ausgeworfene Gas in zuvor unerreichbarer Genauigkeit untersuchen und so gleichsam in die Zukunft unseres eigenen Sterns, der Sonne, blicken", so der Leiter des internationalen Projektteams, Franz Kerschbaum, abschließend.

Wissenschaftlicher Kontakt
Franz Kerschbaum
Institut für Astrophysik
1180 Wien, Türkenstraße 17 (Sternwarte)
T +43-1-4277-51856
M +43-664-60277-51856


Rückfragehinweis
Stephan Brodicky
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 41


Offen für Neues. Seit 1365.
Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 19 Fakultäten und Zentren arbeiten rund 9.500 MitarbeiterInnen, davon 6.600 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 94.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit 174 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich.

Weitere Informationen:
- http://homepage.univie.ac.at/franz.kerschbaum Franz Kerschbaum
- http://www.eso.org/public/austria/teles-instr/?lang ESO-Teleskope

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 969814
 145

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Der stotternde Motor im Weltall“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Universität Wien

Der Tastsinn. Drei Bücher
Der Tastsinn. Drei Bücher
Touchscreens, Tablets und Smartphones bestimmen unsere tägliche Interaktion mit der Umwelt. Unsere Finger sind immer „in touch“ mit dem Interface, das unseren Tastsinn ständig fordert. Seit einigen Jahren schon ist eine bemerkenswerte Konjunktur des Haptischen in der Film-, Medien- und Kulturwissenschaft zu beobachten, die mit einer verstärkten Einbeziehung des Tastsinns in medialen Praktiken korreliert: Textur, Touch und personalisierte Benutzeroberflächen dominieren den gegenwärtigen Mediengebrauch. Drei kürzlich erschienene Publikationen z…
Bild: Auch Rote Riesen brodelnBild: Auch Rote Riesen brodeln
Auch Rote Riesen brodeln
Utl. 40 Jahre alte Vorhersagen für fundamentalen Mechanismus der Astrophysik bestätigt Wenn die Suppe brodelt ist der physikalische Mechanismus der Konvektion dafür verantwortlich. Dieser spielt auch eine entscheidende Rolle im Leben der Sterne. Direkt beobachten konnte man ihn aber bisher nur auf der Sonne. Ein internationales ForscherInnenteam mit Beteiligung des Instituts für Astrophysik der Universität Wien konnte nun mittels aufwändiger Beobachtungen im Infrarotbereich erstmals zeigen, dass die für die Sonne verwendeten Modelle der Konv…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Willfriede will weltALLBild: Willfriede will weltALL
Willfriede will weltALL
… frei! Seit fünf Jahren macht Willfriede, das Friedensprojekt von wienXtra-jugendinwien, gemeinsam mit jungen Menschen für Frieden mobil. Mit dem galaktischen Fest "Willfriede will weltALL" feiert Willfriede am 25. September ihr 5-Jahres-Jubiläum. "Nowhere train" live, mitreißende DJs und DJanes sowie bunte Visuals von VJ-KünstlerInnen stehen ab 17:00 …
Bild: NEU: Ein etwas anderes Kosmologie-BuchBild: NEU: Ein etwas anderes Kosmologie-Buch
NEU: Ein etwas anderes Kosmologie-Buch
… Dreht sich alles um die Erde? Was finden wir am „Himmel“? Die Sonne, den Mond und die „Sterne“, die in verschiedenen Formen auftreten. Und was ist die Erde überhaupt, aus Sicht des Weltalls? 2 Warum der Apfel zu Boden fällt Die Erde dreht sich um die Sonne und um sich selbst … aber warum fliegt sie nicht davon? Das ist das Wirken der Schwerkraft, das …
Case Study: Nichts schlägt einen Astronauten – Große Kampagne für Axe Apollo
Case Study: Nichts schlägt einen Astronauten – Große Kampagne für Axe Apollo
Mit seinem Sprung ins Weltall machte Felix Baumgartner für Red Bull den ersten Schritt. Unilever zieht mit Axe Apollo in diesem Jahr nach und wird wohlmöglich den großen Red Bull Coup noch übertrumpfen. Die Männerduft-Marke startete für ihren neuen Duft eine weltweite Kampagne und nutzt dafür erstmals überwiegend digitale Strategien. In insgesamt 75 …
Bild: FRANZIS: Neue Technik-Lernbaukästen - Bionik-Roboter, Survival-Roboter und HelikopterBild: FRANZIS: Neue Technik-Lernbaukästen - Bionik-Roboter, Survival-Roboter und Helikopter
FRANZIS: Neue Technik-Lernbaukästen - Bionik-Roboter, Survival-Roboter und Helikopter
… und erleben" lässt die Kinder live miterleben, was Erkundungsroboter auf Mond und Mars zu leisten haben. Unwegsames Gelände überwinden oder Planeten in den unendlichen Weiten des Weltalls erforschen ist seine Aufgabe. Der Survival-Roboter ist in ca. einer Stunde zusammengebaut und erkundet dank dem beiliegendem Motor alleine zu Hause das Zimmer der Geschwister …
Bild: Matze hebt ab – viertes Jazzkonzert von mini.musik e.V.Bild: Matze hebt ab – viertes Jazzkonzert von mini.musik e.V.
Matze hebt ab – viertes Jazzkonzert von mini.musik e.V.
Am 11. März 2018 fliegen die Münchner Kinder mit dem beliebten Kater Matze und seiner Jazz-Combo ins Weltall. Das Jazzkonzert rund um Matze mit der blauen Tatze ist die vierte Geschichte über den umtriebigen Kater. Mit „Matze im Weltall“ setzt mini.musik – Große Musik für kleine Menschen e.V. seine Jazz-Erfolgsgeschichte vor. Matze beweist, Jazzmusik …
Bild: Geschenktipp für die ganze Familie - das Jazz-Kinderkonzert „Matze im Weltall“ jetzt als Hörspiel auf CDBild: Geschenktipp für die ganze Familie - das Jazz-Kinderkonzert „Matze im Weltall“ jetzt als Hörspiel auf CD
Geschenktipp für die ganze Familie - das Jazz-Kinderkonzert „Matze im Weltall“ jetzt als Hörspiel auf CD
… der blauen Tatze" des Münchner Kinderkonzertveranstalters mini.musik - Große Musik für kleine Menschen e.V. Mitte November kam nun die dritte Matze-CD heraus, "Matze im Weltall". Passend zum 50-jährigen Jubiläum der Mondlandung. Das Musik-Hörspiel basiert auf dem gleichnamigen Konzert, das letztes Jahr im Gasteig München seine Premiere hatte, während …
Bild: Made in Kiel unterstützt Kieler Space Trip KandidatenBild: Made in Kiel unterstützt Kieler Space Trip Kandidaten
Made in Kiel unterstützt Kieler Space Trip Kandidaten
Kiel, den 19.01.13 – Die Erde aus dem Weltall betrachten und Eins mit den unvorstellbaren Weiten des Universums zu sein – wer träumt seit Kindheitstagen nicht davon? Der Kieler Alexander Fleischer hat die Gelegenheit dazu beim Schopfe gepackt und sich als einer von mehreren hundert Kandidaten für die Axe Apollo Space Trip Academy beworben. Der Gewinner …
Bild: Völlig schwerelos - Sigmund Jähn, der erste deutsche Kosmonaut im AllBild: Völlig schwerelos - Sigmund Jähn, der erste deutsche Kosmonaut im All
Völlig schwerelos - Sigmund Jähn, der erste deutsche Kosmonaut im All
… davon geträumt Astronaut zu sein? Schwerelos in der Luft treiben, unseren wunderschönen blauen Planeten beobachten… Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht! Der Aufenthalt im Weltall ist lang und die Bedingungen sind extrem. Sigmund Jähn ist 1978 als erster Deutscher im Weltall gewesen und feierte letztes Jahr den 30. Jahrestag dieses überwältigenden …
Bild: Reformation in der AstronomieBild: Reformation in der Astronomie
Reformation in der Astronomie
… Experimente mit dem omnipräsenten, mobilen Begleiter möglich sind, wird dabei live im Hörsaal vorgeführt. Den Abschluss der Vorlesungsreihe bildet der Vortrag „Radioastronomie – Ein Lauschangriff auf das Weltall“ von Prof. Dr. Katharina Schreyer am 20. Januar 2018. Darin geht die Jenaer Wissenschaftlerin unter anderem der Frage nach, ob es außer auf der Erde …
Sie lesen gerade: Der stotternde Motor im Weltall